Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Alex, Schönauer.

363. Prunkschalen (und deren Ständerfüße) aus dem Hamburger"Ratssilberzeug; von Alex. Schönauer, Kainburg.

Hamburger Senat dem Kriegsschiff „Hansa" gestiftet
und welche von einer Nachbildung des Hamburger
Mrlogfchiffes, genannt „Mapen von Hamburg",
gekrönt ift.1) '(Abb. 369.)

2luf besondere Beachtung dürfen die zum Ham-
burger Ratssilberzeug gehörigen, von einzelnen Sena-
toren gestifteteil, Fruchtschalen Anspruch erheben. Ls
lag hier die Aufgabe vor, Silberschalen zu fertigen-
die nur lose auf einem hohen Fuß ruhen, so daß sie
leicht als flache, fußlose Schalen an: Tische kreisen
können; dabei rnußte natürlich dafür gesorgt werden,
daß auch der Fuß ohne Schale eine gefällige Er-
scheinung bekam. Die Hauptschwierigkeit, aber aller-
dings auch ein Hauptreiz bei dieser Aufgabe war
die Forderung, jede Schale — unter Beibehaltung
der Grundform — mit der Lieblingspflanze des be-
treffenden Stifters zu schmücken. Verhältnismäßig
leicht gelang dies bei Verwendung von Erdbeere
und Nelke (Abb. 365—365), von Heckenrose und
Maiglöckchen, während Alpenveilchen, Narzisse und
Kapuziner schier unüberwindliche Schwierigkeiten
boten. Auch die sorgsamste, naturtreueste Aus
arbeitung wird nicht im stände sein, das Mißver-
hältnis auszugleichen, das zwischen der Gestalt und
Größe der Flächen an dem zu schmückenden Gefäß
und der natürlichen Gestalt mancher Pflanzen besteht.
Es wäre im Interesse der Sache sehr erwünscht, daß
falls jene Reihe von Fruchtschalen noch fort
gesetzt werden soll jeder Stifter seine Lieblings
blume nur im Einvernehmen mit dem ausführenden
Künstler wähle; sonst kann aus der Schale ein
silberner Blumenstrauß werden oder die Blumen
müssen sich Entstellungen gefallen lassen, daß sie

9 Dieses Schiff, das im (7. Jahrhundert erbaut wurde,
hatte die Ausgabe, die Hamburger Kauffahrteischiffe gegen See-
räuber zu schützen; „Mapen" ist natürlich gleichbedeutend mit
Schild, Schutz.

niemand wieder erkennt. Dein guten Aussehen der
Grundform kann schon die überreiche Bedeckung mit
Pflanzenmerk gefährlich werden, und nur die un-
gemein reizvolle Einzeldurchbildung vermag daniit
zu versöhnen, weil darin wenigstens der Material-
charakter überzeugend auftritt. G.

(KCHnt Nachrichten.

Vereine, Museen, Schuten, Äussiessungen,
Mettöeweröe gc.

er Verband Deutscher Runstgewerbevereine
hielt am 2% März im Kunstgewerbemuseum zu
Leipzig seinen \2. ordentl. Delegiertentag ab. Nach-
dem die Versammlung aufs freundlichste vom Vor-
stand des Vereins Kunstgewerbe-Mufeum — Iustizrat
Dr. ©enfei — und vom Oberbürgermeister der
Stadt —■ Iustizrat Dr. Tröndlin — bewillkommnet
worden war, schritt man zur Mahl des Bureaus,
wobei Prof. v. Thier sch (München) und Kom-
merzienrat Meißner (Leipzig) zu Vorsitzenden, Dir.
Dr. Graul (Leipzig) und Pros. Gmelin (München)
zu Schriftführern ernannt wurden.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erfolgte
alsdann die Aufnahnie des „Vereins der Künstlerinnen
und Kunstfreundinnen zu Leipzig" in den Verband,
nachdem der Verband den Nachweis erbracht, daß
seine Hauptbestrebungen aus dem Gebiete des Kunst-
gewerbes liegen.

Die Beratungsgegenstände der Tagesordnung
waren zum Teil als wichtige Lebensäußerungen des
Verbandes von ziemlicher Tragweite. j)n erster Linie
wurden Satzungen und Geschäftsordnung einer
Durchsicht unterzogen und namentlich im Sinne
größerer Beweglichkeit, leichteren Geschäftsganges
und einer eindringlicheren Thätigkeit umgestaltet. Der
ordentliche Delegiertentag findet nunmehr alljährlich

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