Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Kleine Nachrichten.

;8-z. Eiserne Thiire vom Neuen Nationalmuseum. Nach Ent-
wurf von (5. v. Setbl ausgeführt (ß. Stumpf, München.

Wollen wir mm wissen, ob unser Schaffen vorn
ästhetischen Standpunkte aus eilt fortschrittliches ist,
so werden wir zu prüfet: Habei:, in welchen: Ver-
hältnis heute Ornament :u:d Aonstruktion zu ein-
ander stehen, kurz ob auch wir vornehmlich in der
Linienwirkung der Aonstruktion zugleich das schinückende
Element zum Ausdruck bringen. Wieder ist es >:ur
notwendig, auf die Werke der bereits genannten
Aünstler hinzuweisen und ein jeder wird einpfinden,
daß thatsächlich diese Aünstler, sicherlich unbewußt,
auf dem besten Wege sind, die Entwicklung auch
ästhetisch weiter zu führen; das aber war es, was
bewiesen werden sollte.

Nur eine nornml fortschreitende Aunst ist gesund,
jedes bewußte und erstrebte Zurückgehen auf technisch
und ästhetisch längst Überholtes führt zu Arankheits-

erscheinungen, wie sie das fß. Jahrhundert schwer
genug geplagt haben.

Ob die Aonstruktionsweise oder die Stellung
des Ornamentes in: sä. Jahrhundert bessere waren,
wie in: s8. Jahrhundert, darüber kann nicht persön-
licher Geschmack oder persönliche Ansicht entscheiden.
Der Entwicklungszwang ist die höhere Instanz, ihn:
iiulß sich schließlich jeder fügen.

Weni: auch die Möbelkünstler des verflossenen
l9- Jahrhunderts unverkennbar verschiedentlich An-
läufe genonnnen haben in: fortschrittlichen Sinne
zu schafsei:, zur völligen Anerkennung hat sich das
uns ei:twicklui:gsgen:äß zukommende Gestaltungs-
princip doch erst heute durchgerungen.

Mühelos ist eine gleichartige Entwicklung in
ganz bestimmtem Sinne auch in Bezug auf die Ge-
staltungsweise des Ornamentes ai: sich, auf die Art
der farbigen Behandlung und die Verwendung der
Beschläge nachweisbar; doch da in: wesentlichen die
Entwicklung von der Aonstruktion an sich und voi:
den: Verhältnis der Aonstruktioi: zum Ornainent
getragen wird, dürfte das Gesagte genügen, um
eine Vorstellung zu gewinnen von den:, was als
das Fortschrittliche in der neuzeitigen Aunsttischlerei
angesehen werden muß.

Nkeine Nachrichten.

(Vereine, Museen, Schuten, Äuesieltungen,
MettöewerKe <re.

as fremdländische Runstgewerbe auf der pariser
Weltausstellung 1900 in französischer Be-
leuchtung. Die Aevue des arts decoratifs brachte
vor einiger Zeit die Ansprache, die Georges Berger
als Vorsitzender der Union centrale gelegentlich der
diesjährigen Generalversannnlung gehalten hat; diese
Ansprache bucht befriedigt die Überlegenheit, die das
französische Aunstgewerbe über das ausländische an
den Tag gelegt hat. Da es für uns von hohen:
Interesse ist, die Anschauungen einer in: französischen
Aunstgewerbe nrnßgebenden Persönlichkeit kennen zu
lernen, folgt hier die betreffende Stelle in freier
Übertragung:

„Es ist unbestreitbar, daß unsere Überlegenheit
in der Anwendung der Aunst auf die Industrie sich
glänzender denn je bewährt hat. Die Ausstellung
hat bewiesen, bis zu welchen: Punkte wir es ver-
standen haben, unsere Herrschaft in Bezug aus die
gesamten Angelegenheiten der dekorativen Aunst zu
einer dauernden zu machen, sie hat bewiesen,
daß unsere Luxusartikel (articles de goüt), in betreff
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