Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

Page: 180
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Chronik des Bayer. Kunstgewerbevereins.

3 ;o. Bunter Rückenschmuck von einem orientali-
schen Eselsgeschirr (Brettchenweberei; aus dem
Buche von ITt. Lehmann-Filhes, f. S. (74).

die Passen vermerkt, worauf mit dem Rotstift ebenso gezeichnet
wird wie vorher init der schwarzen Kreide; in gleicher weise
verfährt man mit der blauen und gelben Platte. Dadurch, daß
man stets farbig zeichnet, ist man sich jeden Augenblick über
die entstehende Wirkung klar und hat es in der pand, etwaige
ntängel durch nochmaliges Unterlegen der betreffenden Farben-
platte zu beseitigen.

Werden nun die Druckplatten nach der üblichen Ätzung
mit solchen Druckfarben versehen, welche den Farben der in
Verwendung gekommenen Zeichenstifte entsprechen, und dann
nacheinander und übereinander auf einen, Stück Papier zum
Abdruck gebracht, so erhalten wir als Kombinationsdruck die
genaue, allerdings spicgelverkehrte Erscheinung der gen,achten
Farbenzeichnung.

Das Princixielle der Erfindung besteht in der autoina-
tischen Aussonderung der Teilfarbcn aus einer kombinierten
Farbenzeichnung, bewirkt durch die Arbeit des Zeichnens, bei
gleichzeitigem Wechsel der für jede Farbe unterlegten Platte.

Die Brauchbarkeit des Verfahrens für ntafsendruckerzeng-
nisse ist ebenso gewährleistet wie die feinste Ausführung von
Kunstblättern jeder Art. Mit dem neuen Verfahren können
auch photomechanische Reproduktionen irgendwelcher Druck-
gattung äußerst bequem in Farbe gesetzt und in Kombinierung
mit der Vriginalxlatte gedruckt werden. Auch das Kunst-
gewerbe kann ans dieser Erfindung vielfachen Butzen ziehen,
z. B. bei der Tapetenfabrikation, Herstellung von vorsahpapieren
und Luxuspapiereu jeder Art, ferner bei Erzeugung von abzieh-
baren Drucken, wie sie zur Dekorierung von Wandfliesen und
anderen keramischen Gegenständen gebraucht werden u. s. w.

3U- Seidenes persisches Schnürband (Brettchenweberei; aus
den. Buche von 2Tt. Lehmann-Filhes, (f. S. (74).

Das Gesagte dürfte genügen, um sich von den Grund-
zügen und der vielseitigen Verwendbarkeit des neuen Verfahrens
ein Bild zu machen."

Der in allen Teilen klar durchdachte und vortrefflich ge-
faßte Vortrag fand lebhaften Beifall, und die Zuhörer zeigten
auch ihr großes Interesse bei der zuletzt erfolgten Erklärung
an Hand der ausgestellten Dbjekte. Bemerkenswert war ferner
die von Herrn Robert Sedlmayr für den Vortragsabend zur
Verfügung gestellte Kollektion von graphischen Werkzeugen und
Grundierungsmitteln; auch mag erwähnt werden, daß die wirk-
samen Farbendrucke nach den im besprochenen neuen Verfahren
hergestellten Platten von Herrn Eduard Felsing hier gedruckt
wurden.

Zum Schluß gab H. L. v. Berlepsch an Hand der ans-
gestellten Pläne eine eingehende Schilderung der deutschen Ab-
teilung auf der Turiner internationalen Ausstellung für
moderne dekorative Kunst und erntete für seine energische
Thätigkeit und sein kraftvolles Eintreten wohlverdienten Dank
und Anerkennung.

(Nachtrag.

Runstgewerdeausstellung in München 190*.
Unmittelbar vor Redaktionsschluß gelangte das aller-
höchste Handschreiben des Prinzregenten an den
Staatsminister des Innern, Frhrn. v. Feilitzsch, zu
unserer Kenntnis. — Danach erachtet Se. Kgl. Hoheit
die Zeit für gekommen, „um die jüngsten Errungen-
schaften auf kunstgewerblichem Gebiet in Form einer
in der Haupt- und Residenzstadt Bayerns abzuhalten-
den Ausstellung den weitesten Kreisen vor Augen
zu führen". Das Handschreiben betont den hohen
ethischen wert, welchen die gewerbliche Kunst hat
und hofft, daß die diesjährige Turiner Kunstgewerbe
ausstellung Gelegenheit gebe zu weitgehenden Er
fahrungen. Gegebenenfalls würden „die Räume
des Glaspalastes" zur Verfügung gestellt, sowie
Geldmittel, als Beisteuer an Arbeiten minder be-
mittelter Kunsthandwerker.

verantw. Red.: Prof. £. Gmelin. — Herausgegeben vorn Bayer. Aunstgerverbeverein. — Druck und Verlag von R. Vldenbourg, München.
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