Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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Lhronik des Bayer. Kunftgewerbevereins.

geschnittenem oder aufgelegtem Bretterwerk nähert.

- Die Blätter enthalten allerlei Anregendes; das
Wichtigste bei solcher Fassadenausschmückurig ist aber
doch, daß sie von geschickten fänden gehandhabt
und womöglich auch von demselben ausgeübt wird,
der die Dekoration entwarf. N.

lt-Prag, 80 Aquarelle von W>. Jansa, in far-
biger Reproduktion mit Begleittext von I.
perain und 3. Aamper. Aunstverlag von B. Aoöi,
Prag. Vollständig in 20 Lieferungen zu 4 Bildern;
Preis jeder Lieferung Alk. 4,50, des ganzen Werkes
Alk. 90. -

Bei der Überschwemmung des Aunstmarktes
mit billigen Lichtdrucken, namentlich im Bereich der
Architekturbilder, gehört kein geringer Akut dazu, ein
Werk in den Verlag zu nehmen, das in dem teuren
Farbendruck nach Aquarellen die unendlichen male-
rischen Reize der alten Aloldaustadt schildern will;
aber freilich, wenn man die reiselustige Welt auf die
Schönheiten Alt-Prags aufmerksam machen wollte,
was wohl der Hauptzweck des Werkes ist, dann
mußte man schon zu außergewöhnlichen Mitteln
greifen, um zu vermeiden, daß das Gebotene mit so
vielein andern in der Masse der Bildersammlungen
untergehe. 0b die angewandten Mittel genügt haben,
ist eine Frage, die wir nicht mit einein glatten „Ja"
beantworten möchten. Die Farbendrucke sind nicht
schlecht, und dein Verfertiger der Aquarelle kann man
koloristisches Geschick nicht abstreiten, aber es ist be-
dauerlich, daß gerade diejenigen Blätter, die durch
ihren Gegenstand Interesse erwecken — Moldau

brücke, Rathaus, 5t. Georgskirche, Belvedere, pradschin
- - in der Reproduktion am wenigsten vorteilhaft er-
schienen sind, während dem malerischen Gewinkel in
der Melantrichsgasse, beim „alten Angeld" eine
recht flotte Behandlung zu teil geworden ist, ob-
gleich es jedenfalls weniger charakteristische Be-
deutung für Prag beanspruchen kann. - Ts mag
wohl sein, daß die vorliegende Publikation man-
chem über die Schönheiten Prags die Augen
öffnet und ihn zu eineiii Besuch veranlaßt; die
Gründe des der künstlerischen und geschichtlichen
Bedeutung der Stadt Prag nicht entsprechenden
Fremdenbesuchs liegen indessen iricht in der mangeln-
den Aenntnis ihres Wertes, sondern in den politischen
Verhältnissen. 5ell.

^>ie Werkstatt der Runst ist der Titel einer
neuen Wochenschrift, die „ein Fachblatt für
bildende Aünstler sein will", „die sich bemühen soll,
die geistigen, technischen und materiellen Interessen
des bildenden Aünstlers wahrzunehmen." Das Blatt
will feine einseitige Parteipolitik treiben, sonderii jede
Partei zu Wort komnren lassen; es will zugleich den
Verkehr zwischen Aünstlerschaft uiid Publikuiii bezw.
Geschäftsleuteii vermitteln, auf erhöhteii rechtlichen
Schutz der Aünstlerarbeit hinwirken, kurz alle dem
materielleii und geistigen Wohl der Aünstlerschast
dienenden Bestrebungen zu fördern suchen. Als
Perausgeber zeichnet I. Fr. partung, als Schrift-
leiter Fritz p 0 l l w e g. (Preis pro Quartal f,50 Mk.,
bei direkter Postzusendung 4,90 Mk.; Selbstverlag:
Fürstenstraße sO, München.)

LljMil VMisKn Runflgklvkrßkvkkkin§.

Mschenversammkungen.

Erster Abend — den 5. November. — Wie seit mehreren
Jahren, so eröffnete auch Heuer eine gesellige Unter-
haltung die Reihe der Wochenversammlungen in dem vom
Hausverwalter Mitteldorf hübsch geschmückten Saal. Nach den:
einleitenden Musikstücke eröffnete der ;. Vorsitzende, Professor
v. Thiersch, die Versammlung mit einer kurzen, launigen
Ansprache, in der er mit dein Rückblick auf das Vereinsjubiläum
auch den Dank an die dabei thätig gewesenen Kräfte aussprach,
— und in der er auch der Abschiedsfeier für Theodor Fischer
gedachte. — Im weiteren verlaufe des Abends erstattete 6. E.
v. Berlepsch Bericht über die vorarbeiteil zur „Ersten iiiter-
nationaleil Ausstellung für moderlies Aunstgewerbe" in Turin,
worüber dieses bfeft an anderer Stelle näheres enthält. — Diese
beiden mehr oder weniger geschäftlicheil Mitteilungen beein-
trächtigten die frohe Geselligkeit indessen in keiner Weise;

gut gewählte Musikstücke und charaktervoll vorgetragene Dekla-
mationen (Schriftsteller Beck) sorgten für eine gemütliche
Stimmung, bis am spätereil Abelid sogar die Tische der Früh-
lichkeit weichen und für ein kleines Tänzchen die Bahli frei
machen mußten, worauf der Vereiusvorftaild, wie überall, so
auch hier, mit gutem Beispiel voran—gilig!

Zweiter Abend — den \2. November —. Vortrag von
Rat I. v. Schmaedel über „Neuerungen auf dem Ge-
biet derReproduktionstechuik". Redner eröffnete seinen
init einer selteneli Menge von bedeutsaineii Mitteilungen er-
füllten Vortrag mit einem Rückblick auf die früheren, für viel-
farbigen Bilddruck angewandten Verfahren und knüpfte daran
zuliächst eine Besprechung der „Algraphie", eines Verfahrens,
das in Bezug auf tferstellungsweise der Zeichnung und Be-
schaffenheit der gedruckteli Bilder mit der Lithographie am
nächsten verwandt, ihr aber insoferne überlegen ist, als wegen

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