Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 52.1901-1902

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I)as Germanische Rationalmuseum und der Ba^er. Runflgewerbevereiu.

Anregen und sein Thun zum Besten alter deutscher
Runst sei ihm Selbstzweck. „Möge," schrieb er *852,
„dieser Anzeiger für Runde des deutschen Mittel-
alters ja für das angesehen werden, was er fein will
und sein soll, für ein bloßes Mittel zu höherem
Zwecke, für eine Brücke zu festem Lande, nicht für
das Land selbst I" And als Aufseß dann nach größten
Schwierigkeiten ain *6. August *852 in einer Ver-
sammlung deutscher Geschichts- und Altertumsforscher
in Dresden unter dein Vorsitze des Prinzen Johann
von Sachsen die Gründung eines deutschen National-
museums errungen hatte, auch da tritt in seinen
Rundgebungen hervor, wie ihm auch das Museum
nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck sein
wollte. Dieses Betonen des weiteren Zweckes bei
Planung und Gründung des Museums wie des
Vereins mag uns um so doktrinärer Vorkommen,
als wir heute trotz der abgehetzten nationalen Phrase
ohne weiteres fast jede größere Unternehmung auf
jeglichem Gebiete als eine der Nation förderliche an-
zusehen gewöhnt sind. Freilich sind wir inzwischen
doch schon wieder mehr Weltpolitiker und sehr viel
weniger doktrinär geworden, als es die Rreise waren,
die etwa gleichzeitig den „Verein zur Ausbildung der
Gewerke" und die Gesellschaft zur Gründung eines
deutschen Nationalmuseums ins Leben riefen. Bei-
läufig muß hier allerdings daran erinnert werden,
daß Verein wie Museumsgründer durch eine ver-
gleichende Rritik ihrer Gebiete mit denen des Aus-
landes, insbesondere Frankreichs, stark impulsiert
worden find. Wie Frankreichs kunstgewerblicher
Ruhm einer der inneren Gründe des Vereins war,
so wies auch Aufseß auf Frankreich als Vorbild hin.
Schon *832 rühmte er die Denkmalspflege in Frank-
reich, insbesondere Vitets Znventarisation der Runst-
denkmäler des Rönigreichs. Der Titel dieses „General-
inspektors der historischen Monumente von Frank-
reich" beweise, wie hoch man dort ein solches Werk
schätze. Zn Frankreich habe man bereits länger ange-
fangen, die Bildhauerarbeiten auch des Mittelalters
in guten Abgüssen zu sammeln, „um den lebendigen
volkstümlichen Geist wieder zu erwecken, der durch
die Rälte und die Einförmigkeit der Antike längst
verbannt sei". Zn München, das heute noch kein
Museum von Gipsabgüssen der christlichen Epoche
besitzt, darf man wohl noch immer auf Vitets Werk
Hinweisen. Und das möge nicht „vaterlandslos" be-
zeichnet werden. Denn noch mehr muß für uns das-
selbe Wort gelten, was Verein und Museum zur
Gründung geführt hat:

„Teuer ist mir der Freund,

Doch auch der Feind kann mir nützen.

Sagt mir der Freund, was ich kann,

Zeigt mir der Feind, was ich soll."

<(08. Grabmal der Familie Kahn in Pforzheim von
f Lmil 3tHier.

Der ursprüngliche Name unseres Vereines erinnert
nun ohne weiteres daran, wie sehr viel nüchterner,
wie viel inehr technischer oder vorbereitender Natur
er sein wollte, als er es ini Wandel der Zeiten ge-
worden ist. Was dagegen Aufseß ursprünglich wollte,
das hat das von ihm gegründete Museum glück-
licherweise längst selbst vergessen machen.

historischen, wissenschaftlichen Zwecken sollte das
*852 gegründete Nationalmuseum in erster Linie
dienen. Die Hauptaufgabe des Museums sollte die
sein, „ein großes Generalrepertorium über sämtliches
in Deutschland vorhandene (Juellenmaterial für-
deutsche Geschichte, Litteratur und Runst herzustellen
und als Zllustration hierzu entsprechende Sammlungen
anzulegen". Diese Zdee eines großen Registers aller
historischer Denkmäler, nicht etwa nur der Runst,
war gewiß eine große und wertvolle. Zur vollen
Durchführung aber hätte sie so großer Mittel bedurft,
wie sie in keinem Falle von jenem kleinen Rreise
wären aufzubringen gewesen, der allein für ein so
rein antiquarisches werk Zntereffe hätte zeigen können.
Za selbst der Rreis, für den diese mit allem Eifer
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