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Metallstiftzeichnungen.

Die zeichentechnische Anwendung der Metallstifte ist heute wie so
manche alte Kunsttradition zu einer Art Geheimnis geworden. Jahrhunderte
hindurch treue Werkstattbehelfe, von erster Künstlerhand zum Ruhme geführt,
erlosch ihre Betätigung in dem Momente, als bequemere Zeichenmittel auf*
tauchten. Wir waren, ob Theoretiker oder Praktiker, kaum über das Not*
wendigste dieser in volle Vergessenheit geratenen vornehmen Technik unters
richtet1. Fachlexika und Kunstbücher gaben nur dürftige Auskunft und die
alten, Aufschluß gewährenden Quellen blieben gerade jenen verschlossen, welche
berufen waren, diese interessante Zeichenweise wieder einzuführen.

Das Wort Stile, Metallstift, erfährt erst durch die Hinzufügung von d'ar*
gento, di piombo, d'ottone usw. seine nähere Bestimmung und es ist
daher nicht ausgemacht, daß es gerade das gebräuchlichste Instrument, den
Silberstift, zu bezeichnen habe. Wenn Boccaccio im Decamerone (6. Giorno,
Nov. 5) von Giotto begeistert spricht, daß es keine Sache in der Natur gab,
die er nicht mit Stift (con lo stile), Feder oder Pinsel nachgezeichnet hätte, so
wäre es schwer, hier die richtige Deutung zu finden. Indes ergibt bisweilen
der Zweck eine Klarstellung; so berichtet Armenino, daß das Zeichnen auf der
grundierten Leinwand außer mit Kohle oder Lapis auch mit dem Stile, d. i. hier
mit dem Bleigriffel, geschah2. Zwischen Silberstift und Bleigriffel läuft die Bedeus
tung hin und her, wenngleich einzelne Originalzeichnungen, alte Exemplare
oder alte Berichte den deutlichen Beweis ergeben, daß auch Gold, Messing
und Kupfer in Verwendung standen.

Bleigriffel (Piombino).

Con istil di piombo3, con lo stile del piombo4, piombo5 — Plomo sutil — Bley,
Bleystefft — Potloot — Mine de plomb, Stile de plomb oder kurz Plomb6 — Leadpencel.

Griffel von Metall waren schon den Römern bekannt. Es lag in der Natur
der Sache, daß man zum Zwecke größerer Haltbarkeit oder aus Neigung zum

1 Ernst Berger, Beitrage zur Entwicklungsgeschichte der Malerei, 3. Folge, Quellen und
Technik, München 1897, S. 99, 197. — Lippmann, Text zu den Berliner Handzeichnungen.
— Rosenberg, Einleitung zu dem Skizzenbuch des H. Baidung, 1882.

2 Armenino, p. 133.

3 Cennini, K. 11.

4 Cennini, K. 12.

5 Armenino, p. 102.

6 Ms. Mayerne (Berger, Beitr., 4. F., S. 154, 177).
 
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