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Die Landschaftszeichnung.

Allgemeines, es Griffel

ist eine bemerkenswerte Tat* unc* Pinsel
sache, daß die sonst mit den
Entwicklungsphasen der Mas
lerei schritthaltende Zeich*
nung gerade der Landschaft
gegenüber lange zurückblieb.
Auf keinem Gebiete hatte
der Griffel soviel vom Pin*
sei zu lernen als hier und
erst seine malerische Schu*
lung ermöglichte eine male*
rische Landschaftszeichnung.
Kolorismus und lineare For*
men standen sich in ihrer
natürlichen Gegensätzlich*
keit fast unvereinbar gegen*
über. Allezeit lebte die land*
schaftliche Vorstellung in
der Künstlerseele als farbige
Erscheinung, als koloristi*
scher Reiz. Ohne daß man
Abb. 210. Salvatore Rosa, Waldeinsamkeit. letzteren jemals auszuschal*

ten vermochte, bei den grif*
feimäßigen Versuchen mußte man verzichten und sich mit dünnen, abstrakten
Gerüsten begnügen. Aber auch hier trat die Farbe als freundliche Begleiterin
heran. Man illuminierte den schmalen Bodenstreifen, Bäume und Berge und
gab das Stoffliche von Stamm und Krone, Berg und Felsen an. Und machte
sich auch eines Tages eine Art Selbständigkeit, ein Landschaftsgebilde als Holz*
schnitt oder Stich bemerkbar, das schwere Ringen bleibt erkenntlich1.

Welche Anstrengungen Wolf Hubers um 1530, mit der Feder das Strahlende Form
der auf* und untergehenden Sonne darzustellen, gegenüber den schon vorher und Farbe,
glücklich gelösten farbigen Aquarellen Dürers2! Andauernde Hemmnisse lagen
auch darin, daß eine sich zeichnerisch aussprechende Landschaft alle Wege der
Überleitung zur Tiefe nur beschränkt und mit Anwendung von Gewaltmitteln
anzubahnen vermochte. Statt der farbigen Übergänge hatte man bloß harte

1 Kämmerer, Die Landschaft in der deutschen Kunst, Beitr. z. Kunstgesch., N. F. IV, S. 27.
■ London, L. 210.
 
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