Meier-Graefe, Julius
Pyramide und Tempel: Notizen während einer Reise nach Ägypten, Palästina, Griechenland und Stambul — Berlin, 1927

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ZEITLOSE ANTIKE

plastik Holzskulpturen vorangingen, doch drängt sich der
Gedanke keineswegs auf. Schon der Chasechem muß Glied
einer langen Reihe sein. In dem Schrank sitzt ihm eine
kauernde Gestalt aus rotem Granit gegenüber, die auch
einen sagenhaften König darstellen soll. Endlich ein wirk-
lich primitives Gebilde, auch dieses unverkennbar für
Steintechnik gedacht. Früheste romanische Portalfiguren
haben die klotzige Art. Die Gelehrten behaupten, dieser
unbekannte König gehöre ebenfalls zur zweiten Dynastie
wie der sorgfältig ziselierte Chasechem, der um ein Jahr-
tausend jünger aussieht. Wann und wo fand der Übergang
statt? Wie ging das zu, als aus dem klotzigen Gebilde zum
erstenmal belebter Stein wurde? Jetzt ist man schon, wenn
die Berechnung mit Dynastien zu Recht besteht, dem inter-
essanten Punkt auf Handbreite näher gekommen. Also
pflegte Chasechem vielleicht zu sagen: „Unter meinem
Großvater wurde die erste anständige Plastik geschaffen.“
Übrigens hat das natürlich jeder von sich gesagt. Man
sollte Archäologe werden.

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