Münchener Punsch: humoristisches Originalblatt — 18.1865

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Privat-Kabel deS Punsch.

Frankfurt. Die Bundesversammlung berieth über Herstelluug
von Heu- und Strohlageru in Ulm. Es gibt so viel mittel-
staatliches Heu und so viel Bundesstroh, daß man es kaum mehr
unterzubriugen weiß.

Kleme Frühstücksplaudereien.

Wie ein Münchener Blatt meldet, säirde man in Berlin gegenwärtig
Unterhaltnng daran, die hohenzollern'schen Ansprüche auf Ansbach,
Bayreuth und Nürnberg zn prüfen. Wenn die Kronsyndici Nichts
herausbringen, vielleicht findet sich irgend eine „historische Com-
mission", die ihr zu Hülfe kommt.

Man hat es seiner Zeit als Verstoß gerügt, daß kurz nach dem
Tode des Königs Mar der „Bazar" anf einem Probeblatt die Königin
Marie in Ball-Coiffüre abbildete, mit der Unterschrift: Königin wi ttw e.
Einen Beweis von noch größerer Rohh eit aber gibt dermalen die B ucb-
handlnng von Otto Humburg in Berlin; dieselbe verschickt den
Prospektus eines in ihrem Verlage- erscheiuenden Romans, betitelt:
„W ollust uud Verbrechen auf dem Throu e." Als Präuüe crhalten
die Subscribenten in Oestreich die Bildnisse des Kaisers und der Kaiseriu,
die bayrischen Abnehmer aber das Porträt des Königs Ludwig ll.
Es scheint nachgerade, daß in Berlin alles Scham- uud Schicklichkeitsge-
fühl abhanden kommt. Die Berliner-Preßpolizei möchten wir nimmer-
mehr anrufen; daß aber ihr sonst so reiches Arsenal gegen solche freuud-
nachbarliche Gemeinheitm keiue Waffe besitzt, ist jedeufalls charakteristisch.

Obwohl hent zri Tage der politische Schwindel auf alles iNöglichc
übertragen wird. glarlbte man doch uoch ail einige neutrale Gebiete, auf
welchcn sich gute Bestrebuugeu ohne Parteispaltuug vereinigeu könnteil,
und dazn gehörte das Aeuerweh rw e sen. Wer zum Löschen uud
Klettern Kraft und Geschick besitzt, der gibt einen guten Feuerwehrmann;
wenn das Horn ertöut, fragt mau nicht: brenut's bei einem Groß- oder
Kleindentschen und behufs der Lebeusrettuug läßt fich auch der Liberalste
von einem llltramontanen in den Sack stccken. Jn Leipzig hingegen,
wo um einem dringenden Bedürfniß abzuhelfcn, ein deutscher Feuerwehr-
tag tagte, fand fich ein Herr Moriz Lorenz vcranlaßt, bei seinem Toast
auf die Minister in Darmstadt uud Dresden loszuschlagen! Die Angrisie
fandeir großen Beifall. Jst es dann ein Wuuder, wenn'die Herren
Dalwigk nnd v. Beust künftig mit dem Licht noch viel vorsichtiger nm-
gehen und nichts mehr fürchten, als eine Feuersbrunst? Wenn sich
bei einem Brande nicht Liberale und Conservative die Hände reichen,
wird der Kübel nicht an feinen Platz kommen.

Druck d«r vi. Wtld'schcn Buchdmck«r«i (ParcuS).
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