Münchener Punsch: humoristisches Originalblatt — 18.1865

Page: 249
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/muenchener_punsch1865/0257
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
M«nche«er

Em humoristischcs Originalblatt vou M. E. Schleich.

Achlzehnter Vand.


6. Aug. 1865.

„Mr weiß's schon!"

^.iberale Preßorgane, denen die Jdee der preußischen Spitze,
wenn auch zurückgedrängt, doch noch im tiefen Busen schlummert,
fällen, wenn von gewissen Schändlichkeiten die Nede ist, ein
Verdammungsurtheil nber das „ofsieielle Preußen", gleichsam
im Gegensah zu einem volksthiimlichen, das von dem ersteren nur
vorübergehend unterdriickt, und an Allem, was jetzt das „übrige
Deutschland" empört, unschuldig sei. Jn Bezug aus die innere
Politik mag eine solche Unterscheidung Platz greisen, der schleswig-
holsteinischen und deutschen Frage gegenüber gibt es jedoch nur
ein Preußen! Es wird wenig Bürger dieses Staates geben,
die zugestehen, daß sie sich nicht zur deutschen Führerschaft mit-
bernfen fiihlen. Die Berliner Volkszeitung, welche den schiichternen
Versuch machte: Freiheit, resp. Selbstbcstimmungsrecht höher zn
stellen als das Großpreußenthum, also die Einsackungspolitik zu
bekämpfen, gerieth in Gefahr, ihre sämmtlichen Abonnenten zu
verlieren.

NL' Nach aussen, d. h. uns gegeniiber sind fie alle
Bismarke!

Wenn es Hrn. Classen-Kappelmann gelänge, mit dem Polizei-
Direktor von Köln sertig zu werden, so wäre er ein ebenso eisri-
ger Annerionist, wie die Andern auch. Auf Herzog Friedrich
und das gute Recht der Schleswig-Holsteiuer hätte man im Gür-
zenich gewiß keiuen Toast gehört, wenn es die preußischen Herren
uur erst so weit gebracht hätten, daß sie sich zu Tische setzen
dürfen, wo sie wollen! Es ist daher ein kleiner

IWM- natioualvereinlicher Jesuitismus
den Klang von einem „ofsiciellen" und „nichtofficiellen" Preußen
loading ...