Münchener Punsch: humoristisches Originalblatt — 18.1865

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Kleine Frühstncksplaudereien.

Die „Bavrische Zeitung" hat deu Müuchuern die Zahue schou wäs-
serig gemacht uach dem höchst merkwürdigen Schauspiel eiuer Nadar'schen
Luftschisffahrt, die als Ersatz Bloudiu's im Oktober dahier stattfinden
solltc. Nun sährt aber Nadar in Amsterdam auf und wir sind ohne
Ersatz für Blondin. Die Diplomatenzusammenkünfte in München
sind zu ungesährlicher Natur, als daß sie iuteressiren könnten, und ein
kühnerer Schritt anf deu gespanuten Verhältnissen nürd nicht gewagt.

Der berühmte Cancan - Componist Offenbach macht nun auch in
Kirch enmusik! Eine Messe für 3 Stimmen mit Orgelbegleitung ist
das Prodnkt seiner weiheoollen Stnndeu uud wurde in einer Kirche bei
Paris aufgesührt. Jm sranzösischeu Babel, wo die Grisetten bereits eine
berechtigte Stellung einnehmen, kommt's schon so weit, daß, etwa um
die Miltagsstunde, eigene Oemi-Noncla-Andachten abgehalten werden und
dazu ist dann Herr Ofsenbach der rechte Palestriua. Vive lo Forlschritt I

Ottilie Geuoe, dereu Vermählung mit einem bayrischen Kammer-
herrn uud Lieuteuaut unlängst gemeldet wurde, gastirt gegeuwärtig in
Hamburg in den „Schusterbuben von Lyon" und macht iu der Titelrolle
Furore. Officieriu, Kammerherrin und Schusterbube, wie reimt sich das
zusammen?

Es hat sich jetzt gejährt, daß der bekannte und jedenfalls hochbc-
gabte Agitator Lassalle von einem wallachischen Faullenzer erschossen
und dadurch die Thätigkeit eines höchst originellen und fruchlbaren Gei-
stes vorzeitig abgeschlossen wurde. Der Gegenstand, zu dessen Gunsten
der naive Lassalle auf den Kampfplatz trat, ist bekauntlich die Tcchter
eines nicht ganz gelungeuen bayrischen, oder weuigstens bayrisch bezahl-
ten Staatsmannes. Vor einiger Zeit ging dnrch die Zeituugen die illach:
richt, die Dame habe sich mit dem siegreichen Wallachen vermählt, der
Berliner „Social-Demokral" aber berichtet, daß die ganze Partie rück-
gängig geworden, beziehungsweise nienials ernstlich gemeint gewesen sei.
Die Tegernseer werden also schwerlich mehr das Vergnügen haben, den
Herrn Baron von der untern Donau bewuudern zu können. Herr von
Dönniges soll noch immer überzeugt seiu, daß die bayrische Diplomatie,
seit er 'ihr nicht mehr angehört, ihres schönsten Schmuckes entbehrt.

Zu Anfang des IV. Quartals. — (Oktober bis Januar) — er-
ledigen die Postanstalten auch vierteljährige Bestellnngen.

Druck der I>r. Wild'schen Buchdruckrrei (ParcuS).
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