Weber, Gregor [Editor]
Kulturgeschichte des Hellenismus: von Alexander dem Großen bis Kleopatra — Stuttgart: Klett-Cotta, 2007

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VON ALEXANDER ZU KLEOPATRA.
DIE POLITISCHE GESCHICHTE
von Jürgen Malitz
Alexander, der Sohn Philipps II. — und des Gottes Ammon, wie er selbst am Ende
seines Lebens gerne sagen hörte —, wurde mit 20 Jahren König der Makedonen,
hatte mit 25 Jahren fünf glanzvolle militärische Siege errungen und die größte
Kriegsbeute in seinem Besitz, die die Welt je gesehen hatte; mit erst 32 Jahren
starb er als Bezwinger des Perserreichs und Eroberer eines für antike Vorstel-
lungen ganz unermeßlichen Gebietes, das von der heutigen Türkei im Westen
bis nach Pakistan im Osten reichte, von der Nordgrenze Afghanistans bis nach
Ägypten im Süden.1 Es dauerte nicht lange, bis er von den Griechen als »der
Große« bezeichnet wurde.3
Sein früher Tod hinderte Alexander an der Ausführung weiterer Pläne und
hat ihn davor bewahrt, im Falle des Scheiterns den Nimbus des jugendlichen
Kriegers und Welteroberers zu verlieren. Die hohen Offiziere, die den Feldzug
überlebt hatten, sahen sich einem schweren Erbe gegenüber, das sich für einen
einzelnen Nachfolger als zu groß erwies. Erst im Verlauf von jahrzehntelangen
Kämpfen nahm die Welt der hellenistischen Monarchien Gestalt an.
Vater und Sohn
Alexander ließ sich nur ungern daran erinnern, daß der politische und militäri-
sche Erfolg seines Vaters eine wichtige Voraussetzung der eigenen Leistung war,
denn er wurde als Sohn eines Herrschers geboren, der im Begriff war, Make-
donien durch die Sicherung der Nordgrenzen und die Gewinnung neuer Res-
sourcen in Thrakien auf den Weg zur unbestrittenen Großmacht in der Welt der
Griechen zu machen.3
Schon von seiner Mutter Olympias her, die aus dem epirotischen Königshaus
stammte, hatte Alexander den Rang eines Kronprinzen, zumal aus den anderen
politisch motivierten Verbindungen Philipps mit weniger angesehenen Frauen
ausschließlich Töchter sowie ein etwas jüngerer, aber geistig behinderter Bruder
VON ALEXANDER ZU KLEOPATRA. DIE POLITISCHE GESCHICHTE 13
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