Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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DIE WELTKUNST

Jahrg. XII, Nr. 8 vom 20. Februar 1938

Nachrichten von Überall

Große Münchener
Kunstausstellung 1938
Neben der Großen Deutschen Kunstausstel-
lung im Hause der Deutschen Kunst wird auch
in diesem Jahre eine Münchener Kunstausstel-
lung, wie sie ehemals im Glaspalast und in
den letzten Jahren in der Neuen Pinakothek
stattfand, veranstaltet. Für diese Ausstellung
wurden die repräsentativen Räume des Maxi-
milianeums. Jenes erst vor Kurzem instand-
gesetzten Gebäudes zur Verfügung gestellt, das
König Maximilian II. als abschließenden Pro-

spekt seiner Maximilianstraße auf der jensei-
tigen Höhe des Isarufers errichten ließ. Staats-
minister Adolf Wagner hat in einem Aufruf
die bildenden Künstler Münchens zur Beteili-
gung aufgefordert. F.
Amerikanische Notizen
Nordhampton. Das Smith College Museum
konnte von Brummer in New York eine frühe
romanische Steinplastik, einen Petrus darstel-
lend, erwerben. Das Werk steht den Arbeiten
in Moissac nahe und dürfte um 1120 zu da-
tieren sein.
Minneapolis. Das Institute of Arts gelangte
durch Schenkung in den Besitz einer Reihe
von Jade-Arbeiten der K’ang-Hsi- und C’hien-
lung-Epoche.
Neues Versteigerungshaus
in New York
Unter Leitung von H. H. Parke, Otto Bernet
und A. Swann wurde soeben in New York,
742 Fifth Avenue, ein neues repräsentatives
Versteigerungshaus unter dem Namen
Parke-Bernet Galleries Inc. eröffnet.
Ein Alabasterrelief
für Rochester
Die mittelalterliche Sammlung der Rochester
Memorial Art Gallery erhielt im verflossenen
Monat von der Familie Walter Oakman ein
englisches Flachrelief aus dem 15. Jahrhundert
zum Geschenk. Es stellt die Dreifaltigkeit dar
und ist ein höchst bedeutsames und charakte-
ristisches Beispiel englischer mittelalterlicher
Handwerkskunst aus einer Zeitspanne und
einer Schule, die bisher in der Sammlung noch
nicht vertreten war.
Funde in Orleans
In der Kathedrale in Orleans wurden bei
Erneuerungsarbeiten zwei Bischofsgräber auf-
gedeckt, die eine große Zahl Gold- und Email-
arbeiten aus verschiedenen Epochen des 15.
bis 16. Jahrhunderts enthielten.
Glasgemälde der Kirche
zu Sumiswald (Bern)
Die Kirche in Sumiswald wurde von den
dort residierenden Deutschordensrittern 1510
bis 1512 erbaut und der damalige Komtur er-

bat als Stiftung seiner Ordensbrüder dafür
Glasgemälde, die dann auch zusammenkamen,
alle gefertigt von dem Glasmaler Hans Dach-
seihofer aus Zürich in Bern. Dazu stiftete
dann noch 1525 der Rat von Bern 2 Scheiben,
Werke des Berner Glasmalers Hans Funk. Bei
der kürzlichen Wiederinstandsetzung der
Kirche wurden auch die Glasmalereien einer
konservierenden Behandlung unterzogen und
so leuchten sie wieder in voller Pracht. Die
Kirchgemeinde Sumiswald gab als Krönung
ihrer Arbeit eine Festschrift heraus, in der
die Glasgemälde, durchwegs Wappen- bzw.

Stifterscheiben, wiedergegeben werden. Für
die Geschichte der Glasmalerei in der Schweiz
sind diese Sumiswalder Schöpfungen von Ge-
wicht und Bedeutung, zumal sie entgegen den
meisten anderen an Ort und Stelle verblieben
sind und ein in sich geschlossenes Werk dar-
stellen. W. Z.
Rembrandt im
Britischen Museum
Das Kupferstichkabinett des Britischen Mu-
seums hat soeben eine umfangreiche Schau
des graphischen Werkes von Rembrandt er-
öffnet, der die Handzeichnungen des Meisters
aus den Beständen des Museums angegliedert
sind. Die Ausstellung soll das ganze Jahr ge-
öffnet bleiben.
Versteigerung in Genf
Bei Kundig in Genf wird in dieser Sai-
son die Sammlung Emile Laffon zur Versteige-
rung gelangen. Sie umfaßt Handzeichnungen
des 18. und 19. Jahrhunderts von allererstem
Rang.
Nachahmung oder Fälschung?
Seit einiger Zeit tauchten in Semarang auf
Holländisch-Java „antike“ Hindu-Bronzen auf,
die schon ihres niedrigen Preises wegen den
Verdacht der Fälschung nahelegten. Durch
einen Zufall — einer der Verkäufer geriet an
einen holländischen Beamten in Solo — kam
man auf die Spur der Werkstätte, die sich in
einem Dörfchen bei Solo befand. Dabei ergab
sich, daß die Fälscher genau das alte Herstel-
lungsverfahren der Hindu-Bronzen anwandten,
das nicht uninteressant ist: Zunächst wurden
die gewünschten Modelle in Wachs hergestellt
und zwar mit der Hand modelliert, in Ton ver-
packt und an der Sonne getrocknet. Sobald
die Tonumhüllung hart geworden war, wurde
sie an der Unterseite angebohrt und über
einem leichten Feuer erwärmt, so daß der
Wachskern zum Schmelzen kam und durch das
Loch abfließen konnte. In die verbleibende
Tonform wurde die Bronze gegossen, nach
deren Erkalten die Tonform zerschlagen und

das fertige Gußstück auf „antik“ hergerichtet.
Man ist im Zweifel, ob eine strafrechtliche Ver-
folgung der Fälscher möglich ist, denn nach
holländischem Recht ist nicht die Flerstellung
von Nachahmungen antiker Kunstwerke an
sich strafbar, sondern nur deren betrügerische
Veräußerung. Da aber diese Bronzen trotz
ihres umständlichen Herstellungsverfahrens
für 10 Cent bis 1% Gulden verkauft wurden,
ist eine Betrugsabsicht kaum nachzuweisen.
Dr. R. Hn.
Aus dem
Pariser Museumsleben
An den Pariser Museen sind soeben zwei
Ernennungen erfolgt: M. Ladoue wurde zum
Konservator am Museum in Versailles, M.
Jean Cassou zum Conservateur-ad joint am
Luxembourg-Museum bestellt.
Ein römisches Mosaik
in Reims
In einer Straße in Reims wurde unter dem
heutigen Straßenbelag von Arbeitern kürzlich
ein römisches Mosaik des 5.—4. Jahrhunderts
mit der Darstellung eines gegen ein Fabel-
wesen kämpfenden Ritters aufgedeckt.
van Gogh auf Wanderschaft
Die auf der Pariser Weltausstellung organi-
sierte Ausstellung von Werken van Goghs
wird gegenwärtig geschlossen in Kopenhagen
gezeigt, um von hier nach Oslo zu gehen. Die
nächste Station wird dann Batavia in Nieder-
ländisch-Indien sein.
Gutenberg-Reichsausstellung
Zur Feier der 500jährigen Wiederkehr der
deutschen Erfindung der Buchdruckerkunst
findet 1940 in Leipzig die Gutenberg-Reichs-
ausstellung statt, deren Schirmherrschaft Dr.
Goebbels übernommen hat.
Ein Standbild
Karls des Großen
Der Direktor des Stadtarchivs in Magde-
burg, Dr. Möllenberg, ist auf Grund sorgfäl-
tiger Forschungen neuerdings zu der Ansicht
gelangt, daß das auf dem Alten Markt in
Magdeburg auf gestellte, aus dem 15. Jahrhun-
dert stammende und bisher als Otto d. Gr.
bezeichnete Reiterstandbild in Wirklichkeit
Karl den Großen darstelle.
Unbekanntes
Gemälde von
J. E. Hummel
In Berliner Privatbe-
sitz ist soeben ein Werk
des Malers Johann Erd-
mann Hummel, eines frü-
hen Vertreters des Rea-
lismus des 19. Jahrhun-
derts, aufgetaucht. Es
handelt sich um ein
105 :85 cm großes Ge-
mälde „Die Zauberei der
Cassidia und Sajana“, das
laut Katalog in der Aka-
demie-Ausstellung von
1848 hing und von dem
Major Georg Hummel, der
Nachkomme und liebe-
volle Biograph des Ma-
lers, eine Vorstudie im
Besitze seines Bruders
feststellen konnte. Das
ungewöhnliche Sujet des
Bildes (s. Abbild.) stellt
zwei Hetären — darunter
Cassidia, die Freundin des Horaz — dar, die
durch Zauberei ihren ungetreuen Liebhaber
zur Rückkehr zwingen wollen.
Piemontesische Kunst des
Mittelalters
und der Renaissance
Als Folge der letztjährigen Ausstellung des
piemontesischen Barock bereitet Dr. Vittorio

Viole, der Direktor des Museo Civico in Turin,
eine große Ausstellung piemontesischer Kunst
der Gotik und Renaissance vor. Zusammen
mit Kunstgewerbe und Plastik wird erstmals
ein geschlossenes Bild des Kunstschaffens die-
ser Epochen geboten, und gegenüber den an-
deren italienischen Kunstlandschaften wenig'er
bekannten Malern wie Defendente und Gau-
denzio Ferrari, Macrino d’Alba oder Spanzotti
ein breiter Raum eingeräumt werden. Die Aus-
stellung, die von Mai bis September dauern
wird und deren wissenschaftlichen Katalog
Dr. Lorenzo Rovere vorbereitet, rechnet auch
mit der Unterstützung deutscher Museen wie
Berlin. Köln, Frankfurt und Stuttgart, die im
Besitze piemontesischer Bilder sind.
Die romanischen
Wandmalereien im
Braunschweiger Dom
Die Arbeiten an der Umgestaltung der
Gruft Heinrichs des Löwen im Braunschweiger
Dom haben zwangsläufig dazu geführt, daß
auch das übrige Innere dieses im 19. Jahrhun-
dert vollständig „restaurierten“ Gebäudes
systematischen Erneuerungsarbeiten unter-
zogen wurde. So sind jetzt insbesondere die
25 an den Pfeilern angebrachten Wandgemälde
um 1200. die in den 80er Jahren von Prof. v.
Essenwein völlig im „neuromanischen“ Stil
überarbeitet wurden, von Professor Kurdt frei-
gelegt und sorgfältig gesichert worden.
Personalien
Corl Nicolai, der bekannte Berliner Kunsthändler,,
feiert am 25. Februar seinen 60. Geburtstag. Er hat
sich seit seiner Geschäftsgründung die ausschließliche-
Pflege der deutschen Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts?
zum Ziele gesetzt und diese Linie auch in schwierigen:
Zeiten mit der ihm eigenen Beharrlichkeit nicht ver-
lassen. Viele Museen und Privatsammlungen verdanken
seinem Spürsinn und seinen Kenntnissen wichtige Er-
werbungen. Sz.
Dr. Martin Schede, Direktor der Abteilung Istanbul
des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs, wurde-
als Nachfolger des im letzten Jahre verstorbenen Geh.
Rat. Th. Wiegand zum Präsidenten dieses Instituts er-
nannt.
Prof. Dr. Wilhelm Vöge, em. Ordinarius für Kunst-
geschichte an der Universität Freiburg i. B., begeht anv
16. Februar seinen 70. Geburtstag. Der Gelehrte gehört
zu den Bahnbrechern der Forschung über deutsche Kunst
des Mittelalters, insbesondere die Plastik der Gotik.
Prinz Paul Trubetzkoj, der einstmals berühmte rus-
sische Skulpturist, ist im Alter von 72 Jahren gestorben.
Seine Segantinibüste befindet sich in Berlin. Einige Zeit-
war. er ■ Lehrer, an der.. Moskauer. Akade.mJ.e. . .Später-
führte er ein Wanderleben im Auslande und wurde da-

bei ein gesuchter Porträtist. Die eigenwillige impressio-
nistische Behandlung in seinen Köpfen, Tieren und Figu-
ren fand besonders in Amerika Anklang, wo auch 'vieles
Museen Werke seiner Hand bewahren.
Als Nachfolger des verstorbenen Hauptkonservators;
Dr. Hans Stöcklein wurde Konservator Dr. Freiherr von
Reitzenstein zum Leiter des Armeemuseums in München
ernannt. F.
Vorträge
Im Münchener Alte r ti m s ve r e i n hielt
Prof. H. Jantzen einen Vortrag über „Giotto und
die französische Gotik". Das Statuarische in den Figuren
Giottos geht nicht etwa auf die Antike zurück, sondern
ist sichtlich beeinflußt von den Skulpturen der Reimser
Kathedrale, und zwar nicht nur von denen, die seiner
Zeit nahe stehen, sondern auch von den bis zu 70 Jahre
früheren. Es ergibt sich, daß der große Bahnbrecher
einer neuen Malkunst selbst in Frankreich gewesen ist,
wie schon Vasari berichtet. F.

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kunst, Berlin W 62, Kurfürstenstraße 76-77, zu richten. Anzeigenannahme bis Donnerstag beim Weltkunst-Verlag. Inseratentarif auf Verlangen. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Heinz Müller. Abdruck von Artiiceln
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fÄr JUte
(VORMALS A, S, »REX)


Joos de Momper, Gebirgslandschaft
Neuerwerbung der Gemäldegalerie Wiesbaden (Bericht in Nr. 5)

(Kl. Galerie)

Johann trdmann Hummel, Cassidias und Sajanas Zauberei. 105 : 85 cm
Berlin, Privatbesitz (Foto Privat)
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