Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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DIE WELT KUNST

Jahrg. XII, Nr. 34/35 vom 28. August

1959





Gemälde erster Meister des 15. bis einschließlich 19. Jahrhunderts
Antiquitäten «Einrichtungen des 18. Jahrhunderts
ANGEBOTE ERBETEN

MARIA ALMAS
München • Ottostrasse 1b

Katalog — wenn auch ungenügend — abge-
bildet, scheint bisher jedoch weiter nicht be-
achtet worden zu sein.
Das Gleiche' gilt auch für das liier zum
ersten Mal veröffentlichte Bild der F. W. Bre-
derloschen Sammlung in Riga, die jetzt in
einem Seitenflügel des Rigaer Stadtmuseums
untergebracht ist. 1892 wird das Bild, damals
noch mit der Sammlung Brederlo in einem
Hause in der Sünderstraße aufbewahrt, in der
„Baltischen Monatsschrift“ als „Verblasen und
manieriert“ gekennzeichnet. Tn einer sehr viel
älteren, undatierbaren, Aufstellung der Ge-
mälde des 1862 verstorbenen F. W. Brederlo,
heute in der Rigaer Stadtbibliothek, Abteilung
„Livenica Minora“, Konvolut „Rigasche Aus-
stellungen“, treffen wir das Bild als „Friedrich,
Nachtstück" ebenfalls an. Es ist höchstwahr-
scheinlich, daß der Rigaer Ratsherr Friedrich
Wilhelm Brederlo, dessen Sammlung 1841 in
den „Rigaschen Stadtblättern“ lobend genannt
wird, noch zu Lebzeiten Friedrichs den „Ost-
seestrand bei Mondschein“ erworben hat.
Landschaften von Karl Morgenstern, die 1832
datiert sind, von Christian Morgenstern, 1833
datiert, und von Ludwig Richter, 1834 datiert,
sämtlich in der gleichen Sammlung, geben uns
Anhaltspunkte für die Zeit, in der das Bild
Friedrichs nach Riga gekommen sein mag.
Brederlo liebte es, bei Künstlern selbst zu
kaufen: über seine Verhandlungen mit Ludwig

Richter und Friedrich Gau ermann sind wir unterrichtet. Da die in grau-
schwärzen, hellgrauen und silbrigen Tönen gehaltene kleine Ostseeland-
schaft (23 cm : 50 cm) eine Stimmung wiedergibt, die sich auch am Strande
bei Riga in Sommernächten häufig beobachten läßt, kann eine persönliche
Bestellung des Sammlers beim Künstler angenommen werden, bei der
Gegenstand und Charakter des Bildes mündlich oder schriftlich verein-
bart wurden. Niels v. Holst
Barockzeichnungen aus der Slg. Artaria
Als letzte große Neuerwerbung der Graphischen Sammlung Alber-
tina in Wien aus dem Jahre 1937 ist der Ankauf barocker Zeichnungen
aus der ehemaligen Sammlung Artaria zu verzeichnen. Der Name Artaria
ist in Wien mit dem seit vormärzlicher Zeit bekannten Kunst- und Musik-
verlag verbunden, dessen letzter Inhaber Besitzer einer bedeutenden Gra-
phiksammlung war. Bei ihrer Auflösung kamen die Handzeichnungen
der österreichischen Künstler des 18. Jahrhunderts geschlossen in
die Albertina. Fiervorragend ist der Hauptmeister des österreichi-
schen Barock, F. A. Maulbertsch, vertreten, und zwar mit einer schönen
Farbskizze für ein Fresko und mit dem Entwurf für das Altar-
bild in Berlin, ferner mit einer Reihe (seinerzeit im Barockmuseum
vorübergehend ausgestellter) sehr wichtiger Bleistiftstudien, welche die
einzigartige Durcharbeitung auf Raum und Licht, die den Zeichnungen
von Maulbertsch eigen ist, in vollkommener Weise zeigen (s. Abbildung).
Von Dan. Gran ist ein aufgelöstes Skizzenbuch vorhanden. Mehrere
wertvolle Federzeichnungen von P. Tröger führen die großzügige
und sichere Strichführung dieses Malers vor Augen (s. Abb. S. 4).
An diese Hauptblätter schließen sich eine größere Zahl von Werken
anderer Meister, von denen noch J. M. Schmidt, B. Altomonte und F. Wa-
genschön genannt seien. B.

dem abgebrochenen Karl Theodor-Palais stam-
men, an den Wänden verteilt (s. Abb. S. 1).
Am Platze sind auch die Marmorplastiken von
Canova, Thorwaldsen, Schadow u. a., die sich
darunter hinziehen. Man kann nichts Günsti-
geres zu dem festlichen Schmuck dieses Saales
sagen, als daß er wirkt, wie wenn er von An-
beginn vorhanden gewesen wäre.
In den eigentlichen Ausstellungsräumen

der Klassizismus durcü
v. Kobell, P. von Hess, ft
Hess, Kellerhoven, Ange'
Kauffmann, Stieler. Es f°l'
die Romantiker (Reinhart-

ganzen
Jahren,
werden
Münche-
an-
vernichteten
Aus-

Ein Spitzweg-Prozell
Ueber einen Rechtsstreit vor der Z'A
kammer des Landgerichts München, der S1C
um die Echtheit einer Anzahl Spitzweg-B1"
dreht, sind Nachrichten in die Presse gelaär

(Foto Albertina)
sind die Wände mit Seidendamast in verschiß'
denen hellen Tönungen bespannt worden und
zwar nicht bis zur vollen Höhe, so daß den
Gemälden auf den großen Flächen der räum-
liche Halt gewahrt bleibt. Bei der Erneuerung
der Räume wirkte Baurat Hocheder mit, die
umfangreichen Reinigungsarbeiten an den
Bildern wurde von der Restaurierungsabtei-
lung der Staatlichen Gemäldesammlungen
unter Leitung von Professor Lischka durch-
geführt. In hohem Grade wird der ästhetische
Genuß der Sammlung erhöht durch die Ver-
wendung echter Rahmen. Es entspricht der
Herkunft, namentlich der Bilder des 18. Jahr-
hunderts, daß hierzu vielfach prachtvolle-
z. T. hochkünstlerische Rahmen vorhanden
sind. Bei den Arbeiten von Effner oder Cu-
villiers weiß man manchmal nicht, ob das Bild
oder der Rahmen mehr zu bewundern ist.
Ueber den Aufbau der Galerie ist folgendes
zu sagen. Sie verteilt sich auf 9 Säle und
14 Kabinette. Der erste Südsaal enthält die
Malerei des 18. Jahrhunderts (Desmarees, Zie-
senis, Lisziewska, Tischbein, Gainsborough-
Lawrence, Beich, Schüz, ein neuer Franz Hol-
zer u. a.). Mit dem zweiten Saal hebt der Klassi-
zismus an (Kobell, Hackert, Dörner, Edling? r>
Graff, Flüger etc.) (s. Abb.). I"1
dritten und zwei weiteren setz1
sich
(W.
von
lika
gen
Catel. Fries, Klenze, Schadow-
Overbeck, J. A. Koch, L. Rich-
ter, Blechen, Rottmann usw-
Daran schließt dann die Mün-
chener Malerei der zweiten
Jahrhunderthälfte organisch an
(Schleich, Lier, Stäbli, Lenbach-
A. v. Keller, Gebhardt, Defreg-
ger, Gysis u. v. a.). Dann di?
Deutschrömer (Feuerbach, Böck-
lin, Marees, Müller). Schließ-
lich der Leibikreis in schöne1
Vollständigkeit und Hagem?1'
ster, Lugo, E. Zimmermann e1C’
Bei den Kabinetten wieder-
holt sich diese Folge sozusagen
in detailierter Ausführung'
Menzel, Busch, Romako, Ober-
länder, Spitzweg, Rayski, Pf? '
ler u. v. a. kommen hinzu, A"
Neuerwerbungen der letzt?1'
fünf Jahre enthält die Sanin1'
hing über 70 Gemälde.
In der heutigen Form ka11"
man die Galerie als eine N?"
Schöpfung bezeichnen undzw3
als eine solche, die der Hauptstadt der KuH
zur Ehre gereicht.

Franz Anton Maulbertsch (1724—96), Christus und die Ehebrecherin
Bleistiftzeichnung. Neuerwerbung der Graphischen Sammlung

Hans von Witten (?), Vesperbild
Hildesheim, Roemer-Museum
g: Hannover, Landesmuseum (Kl. Landesmuseum)

Die neue Pinakothek
(Fortsetzung von S. 1)
18. Jahrhunderts hinzu.
Dieses Gesicht behielt
die Neue Pinakothek im
großen und
bis vor vier
wo sie geräumt
mußte, um der
ner Künstlerschaft
stelle des
Glaspalastes für
Stellungszwecke zu die-
nen. Gewiß, es war eine
Notwendigkeit, aber un-
sere Leser werden sich
erinnern, daß wir Jahr für Jahr auf die große
Lücke hingewiesen haben, die im Bestände der
Münchener Sehenswürdigkeiten entstanden
war. Gerade in diesen vier Jahren zeigte es
sich, wieviele treue Freunde die Neue Pinako-
thek im In- und Ausland hat.
Nunmehr ist sie ihrer Bestimmung wieder
zugeführt worden: als Galerie des 18. und
19. Jahrhunderts hat sie Generaldirektor Dr.
Buchner wieder erstehen lassen. Der neue
Geist, der hier am Werke war, tritt uns schon
in dem weiträumigen Treppenhaus entgegen,
wo die Riesengemälde von W. von Kaulbach
(Zerstörung Jerusalems und Seeschlacht bei
Salamis), K. von Piloty (Triumphzug des Ger-
maniens) und Schorn (Sintflut) in ihrer monu-
mentalen Wirkung zur Geltung kommen. Sie
sind ohne die Rahmen eingepaßt und machen
nun den Eindruck von gewaltigen Fresken,
während sie früher die schönsten Räume ver-
dunkelten.
Eine weitere Ueberraschung erleben wir im
großen Empfangssaal. Dort hat man in ge-
messener Höhe als einzigen bildlichen
Schmuck die 16 Fresken aus Amor und Psyche
von dem noch unter dem Einfluß von Cor-
nelius stehenden jungen Kaulbach, die aus

Neueröffnung der Neuen Pinakothek München - Saal mit Werken von Ferd. u. W. Kobell,
Hackert, Dörner, Graff, Edlinger, Füger etc. (Foto Neue Pinakothek)

Bildschnitzerei zwischen Weser und Elbe

Es war ein guter Gedanken von der Direk-
tion des Landesmuseums Hannover,
durch eine umfangreiche Ausstellung den
großen Reichtum darzustellen, den das Land
Niedersachsen an Werken der spätmittelalter-
lichen Bildschnitzerei aufweist. In mühevoller
Arbeit haben Dr. Stuftmann und seine
Mithelfer unter tatkräftiger Unterstützung von
Landeshauptmann Dr. Gesser und Schatzrat
Dr. Hartmann all das ausgesondert und
ausgewählt, was in den großen Museen zu
Nürnberg, Braunschweig, Hildesheim üsw., in
vielen Kirchen und Kapellen im Lande Nieder-
sachsen an Altären und Einzelfiguren dieser
Zeit, also von Anfang des 15. Jahrhunderts bis
zur Mitte des 16., verfügbar war. Nicht alles

konnte so zur Darstellung kommen, wie es
wohl zu wünschen gewesen wäre, denn man-
ches war zu umfangreich, anderes mochte man
nicht einen längeren Transport aussetzen, von
vielem wollten sich die Besitzer nicht trennen,
aber durch eine stattliche Sammlung von aus-
gezeichneten Photos hat man das tatsächlich
Gezeigte bestens ergänzt. Außerdem hat man
in den angrenzenden Sälen des Landes-
museums Gelegenheit, Vergleiche zu ziehen
mit den dort ausgestellten Werken. Wie in
der Einleitung zu dem Kataloge ganz richtig
betont wird, ist bisher wenig von der Bild-
schnitzerei in Niedersachsen bekanntgewor-
den, auch in den kunstgeschichtlichen Hand-
büchern wird dieses Gebiet im Gegensatz zu
anderen Landschaften kurz ab-
getan. Selbst die Fachwissen-
schaft hat sich nach den guten
Anläufen von V. C. Habicht
nicht viel um dieses Gebiet be-
kümmert, und dabei beweist
schon der erste Blick in die
Ausstellung, daß Niedersachsen
den Vergleich mit anderen
Ländern Deutschlands nicht zu
scheuen braucht. Schon jetzt
konnte man dem Künstler der
bekannten Pieta in der Jakobi-
kirche zu Goslar (s. Abb.j, den
man neuerdings mit Hans Wit-
ten, Köln, identifiziert hat, eine
ähnliche Darstellung aus dem
Römer-Museum in Hildesheim
(s. Abbildung) zuweisen. Auch
die immer noch nicht ganz ge-
klärte Frage der Wiederher-
stellung von Kunstwerken, ge-
rade von mittelalterlichen Holz-
figuren, wird durch diese Aus-
stellung wieder zur Debatte
gestellt und hoffentlich einer
Lösung zugeführt werden. Auf
diesem Gebiete ist früher und
auch jetzt noch in letzter Zeit
viel gesündigt worden, wie der

Vesperbild aus der Jakobikirche in Goslar
Meister Hans von Witlen?

„restaurierte“ Altar der klei-
nen Kirche von Everloh bei
Hannover zeigt. F. W.
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