Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse [Editor]
Die Weltkunst — 12.1938

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DIE W E E T K U N S T

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J^Hrg. XII, Nr. 34/35 vom 28. August 1938




<lie dem wahren, Sachverhalt teilweise nipht
entsprechen. Auf Grund genauer Information
sei hier der Tatbestand festgestellt.
Eine Kunstfreundin in Bielefeld hat im
Jahre 1956 fünf Spitzwegbilder um 152 000 RM
erworben. Im Vorjahre ist die Echtheit sämt-
opher Gemälde von autoritaiver Seite in Ab-
rede gestellt worden. Daraufhin hat die
Käuferin die Rückgängigmachung des Kaufes
'erlangt. In der Verhandlung hat die Klage-
Partei noch weitere Gutachten berufener Sach-
kenner vorgelegt, die ausnahmslos und z. T. in
sehr energischer Form die Echtheit bestritten.
Als schwerwiegendes Verdachtsmoment wurde
auch geltend gemacht, daß sämtliche Bilder
auf Sperrholz mit einer Auflage von Okume-
holz gemalt sind. Hinsichtlich dieser afrika-
nischen Holzart lagen verschiedene Bestätigun-
gen — darunter die der Holzforschungsstelle
uer Technischen Hochschule München — vor,

daß sie nicht vor 1889, d. h. vier Jahre nach
Spitzwegs' Tod, in Deutschland bzw. Europa
eingeführt worden ist.
Den Gutachten der Kunstsachverständigen
stellen die Beklagten einige andere gegenüber,
die für die Echtheit eintreten und hinsichtlich
der Malbretter vertreten sie den Standpunkt,
daß die Bilder möglicherweise auf neue Bild-
träger übertragen sein könnten.
Ehe wir zu dieser Angelegenheit weiter
Stellung nehmen, muß die in Kürze zu erwar-
tende Gerichtsentscheidung abgewartet wer-
den. Berichtigend sei einstweilen nur bemerkt,
daß die Bilder nicht — wie behauptet worden
ist — aus Münchener Privatbesitz stammen,
sondern unbekannter Herkunft sind. Sie haben
ihren Weg über zwei Münchener und eine
Frankfurter Kunsthandlung genommen und
sind durch einen Freiherrn von R. in Berlin
an die Dame in Bielefeld verkauft worden. F.

Alte Kunst
in Salzburg

Ein unbekanntes Bild von Ferdinand Olivier

Chilenische Kunst
Das älteste Bild auf einer jetzt im Ver-
ein Berliner Künstler stattfindenden
Ausstellung chilenischer Malerei und Plastik
Stammt wahrscheinlich noch aus dem Schüler-
Kreise des in Chile tätig gewesenen französi-
schen Malers Monvoisin. Es ist ein Porträt,
das auf den ersten Blick seine Zugehörigkeit

nutzen, werden überwiegend der Landschaft
gewidmet. Israel Roja V., der vor allem als
flotter und vielseitiger Aquarellist auftritt,
steht zahlenmäßig in dieser Ausstellung an der
Spitze. Eindrucksvoll schließt sich ihm als
Tiermaler Rafael Correa an. Leuchtende Im-
pressionen von der chilenischen Küste geben
Alfredo Melossi und Aug. Izquierdo Matte,
schöne Stilleben der ältere Juan Feo. Gonza-
les. Dieser mit seinen
feintonigen Bildnissen
leitet bereits zu den Por-
trätisten über, unter de-
nen Pascual Gambino,
Maria Tupper de Ag. und
Pablo Vidör auffallen.
Ihre Koloristik wird oft
von den Farbigkeiten der
Gewandungen unter-
stützt. Denn die Freude
am lebhaft Bewegten
und strahlend Bunten ist
Kennzeichen des Volks-
charakters eines Landes,
von dessen Kunst und
Literatur wir bisher
kaum etwas wußten. Chi-
les Malerei und Plastik
hat keine spröden Züge,
weil sie von einem le-
bensnahen und sinnfro-
hen Menschenschlag ge-
tragen wird. Zeeck

hing und der alle drei Jahre stattfindenden
Ausstellung der dekorativen Kunst einen vier-
jährigen Rhythmus und vereinigt alle vier

Jahre das, was als wertvoll sich aus den zahl-
reichen Ausstellungen der Staatsverbände für
bildende Künste ergeben hat. Die Leitung der

Ferdinand Georg Waldmülle

r , Geschwisterliebe. Im Besitz der Firma Maria Almas, München
(Foto Almas)

Oesterr. Lichtbildstelle)

33 : 49,5 cm, Neuentdeckung

JULIUS BÖHLER

und Bildhauerwerken.

ALTE GEMÄLDE, ANTIQUITÄTEN

UND ALTE MÖBEL

KUNSTVERSTEIGERUNGEN

MÜNCHEN

BRIENNER STRASSE 12

Eberhard Hanfstengl

durch dies aus Privatbesitz aufgetauchte Bild,
das dankenswerter Weise der National-Galerie
als Leihgabe zur Verfügung gestellt worden
ist. Den genannten Zeichnungen steht das Ge-
mälde zeitlich sehr nahe und wie Dr. L. Grote,

Ferdinand Olivier, Der Graf von Habsburg.
Leihgabe an die Nationalgalerie, Berlin

Das nicht gar große Lebenswerk von Fer-
dinand v. Olivier hat sich in der letzten Zeit
überraschend bereichert. Einmal durch die
Ende Mai bei Boerner zur Versteigerung ge-
langte schöne Serie von Zeichnungen und nun

Die III. Quadriennale
Die große italienische Landesausstellung der
modernen Kunst hat bekanntlich im Gegensatz
zu der internationalen zweijährigen Ausstel-

In
mica
eine
eindrucksvolle
Kunst

der staatlichen Kunstgewerbe-

(Foto Nietzsche)
dessen umfassende Olivier-Biographie hoffent-
lich demnächst erscheinen wird, festgestellt
hat, ist dieser „Graf v. Habsburg“ um 1815—14
in Wien entstanden, etwa gleichzeitig wie der
„Hubertus“ im Besitz des Herzogs von Anhalt
und der Pilgerzug im Städel zu Frankfurt.
Auf einer Ausstellung in Wien 1816 erschien
das Bild unter dem Titel „Rudolph von Habs-
burg bietet dem ihm mit dem Hochwürdigsten
begegnenden Priester sein Pferd an“ — ein
Thema, das damals öfters behandelt wurde —
bald darauf muß es in Privatbesitz über-
gegangen und durch Erbschaft in den Besitz
einer Nürnberger Patrizierfamilie gekommen
sein, die es wohl sorglich, aber als „von unbe-
kannter Hand gemalt“ aufbewahrt hat. Das
farbig köstliche, auf Goldgrund gemalte Bild
(0,55 : 0,495 cm) zeigt noch die enge Anlehnung
Oliviers an altdeutsche Vorbilder, zugleich be-
weist sich aber in der Empfindung und Form-
gestaltung der Landschaft, in der innigen Nai-
vität der Erzählung und der Geziertheit der
Figuren ein ganz persönlicher künstlerischer
Ausdruckswillen. Gerade bei den früheren Ar-
beiten Oliviers verbindet sich unter Zu-
sammendrängung in kleinstem Format eine
kristallinische Klarheit und Strenge der Form
mit liebevoll beseelter Hingabe au die Einzel-
heiten.

den, und die davon
dende Rolle dieses Gebiet in der österreichi-
schen Kunst seit dem Mittelalter gespielt hat.
Gerade die hoch- und spätmitelalterliche
Kunst, so aus St. Peter und vom Nonnberg, ist
mit Meisterwerken vertreten; aus Bischofshofen
ist das romanische Rupertus-Kreuz (s. Abb.)
zu sehen. Reich ist auch die Auswahl
gotischer Skulpturen und Bilder, vom beson-
deren Interesse die nunmehr gereinigte Ma-
donna Michael Pachers aus der Franziskaner-
kirche, das einzige sichere Werk der letzten
Zeit des Künstlers.

Programm
worden. Die
gibt einen
Ueberblick
Kunstschätze,

Romanisches Hubertuskreuz aus Bischofshofen
Ausstellung Alter Kunst in Salzburg (Foto
?Ur Kunst des 19. Jahrhunderts erweist. Zum
Kreise Monvoisins gehörte auch der auf dieser
Vchau nicht vertretene Mandiola, der wohl als
'/''ster Maler Chiles bezeichnet werden darf.
K>ie Kunst dieses sich durch über 58 Breiten-
Krade erstreckenden südamerikanischen Berg-
endes am Großen Ozean hat sich erst seit der
^'Veiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts unter
europäischem Einfluß entwickelt. Nachdem zu-
nächst französische und italienische Vorbilder
tonangebend waren, machten sich später auch
Einwirkungen neuerer spanischer Malerei be-
merkbar. Neuerdings hat die um Hebung des
Kunstunterrichtes bemühte chilenische Regie-
l,lng einen Deutschen an die Escuela de beilas
artes in Santiago berufen, den Berliner Maler
'■ W. Rössner. Die Doppelseitigkeit der Stel-
U1'g, das Verarbeiten fremder Einflüsse und
U'e Aufgabe, Motive der heimischen Land-
sJ'haften und aus dem Volksleben mit einer
übernommenen Formen- und Farbensprache
1,1 Einklang zu bringen, zeigt die chilenische
Kunst am Anfang ihres Weges. Der eigent-
'che chilenische Bestandteil aller dieser Be-
gebungen ist vorläufig in Webereien und
Keramiken _' ’ ” ,.
pUule des Landes stärker spürbar, als in den
E’emälden
. Frische und Temperament werden immer
''erkmale eines Volkes sein, das noch viel un-
gebrauchte Kräfte in sich birgt. Was die
,eUtige chilenische Kunst auszeichnet, ist
eEendigkeit des Vortrages und der Form-
|®Vung, die deutlich zeigen, daß alle diese
Künstler noch Suchende sind. Ein Plastiker
16 Samuel Roman Rojas, bei dem an Metzner
Mestrovic gedacht werden könnte, benutzt
[,as vielfältigste Material und bevorzugt die
owegungsmotive.. Die große ausholende Linie
Jjer „Schnitterin“, die geballten Formen der
j/' edsbraut“, die Darstellungsfreudigkeit in
I /‘Vefs und die scharfe Charakteristik in Por-
].."'s enthalten stark wirkende Elemente der
antasie. Als zurückhaltender in der plasti-
p ’en Prägung werden die feinbeobachteten
i /'trätköpfe des in Deutschland schon be-
a,lnten Totila Albert empfunden.
j. Elie starken und festlich klingenden Farben,
1 die chilenischen Maler mit Vorliebe be-

der Aula Acade-
in Salzburg wurde
umfangreiche und
Schau
alter Kunst aus dem
Lande Salzburg eröffnet,
die von Dr. J. Mühl-
man bearbeitet wurde.
Zuletzt war im Jahre
1911 eine Ausstellung mit
ähnlichem
veranstaltet
Ausstellung
guten Ueberblick über
die Kunstschätze, die
heute noch in Kirchen,
Klöstern und privatem
Besitz verwahrt wer-
erzählen, welch entschei-
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