Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 5.1910

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Bemerkungen.

Naturalistische Kunsttheorien.

Von

Emil Utitz.

Tun • 61C W'rC* man ^eu*e e'ne Erörterung des Naturalismus ähnlich finden dem
Wohl r lerwer|r, die nach verlöschtem Brande anrückt; aber man wird doch
brun , zuSeben geneigt sein, daß es sich empfiehlt, nach einer großen Feuers-
verj.j , überlegen, durch welche Maßregeln in Zukunft ein derartiges Geschehnis
entp-g e!/ Werden kann. Als die Hochflut des Naturalismus vor einiger Zeit uns
zuwirk andete' fulllte sicn die Kritik durchaus nicht dazu berufen, eindämmend
Anerk ' sont^ern verfolgte im Gegenteil alle naturalistischen Taten mit begeisterter
den K" ""^ lm<^ s*e"*e e'n ganzes kunsttheoretisches Dogmengebäude auf, das
finden \ wesentlich erschwerte, aus den Sackgassen den Weg ins Freie zu

Und I u enn W'r c'en Naturalismus, die möglichst treue Nachahmung von Natur
heute n "urch die Kunst, wirklich »überwinden« wollen, und davon wird ja
lung. __ Vlel gesprochen, heute — in dem Jahre der Hans von Marees-Ausstel-
Wenn '• Sehnsucht nach einer Kunst großen Stils in aller Herzen brennt,

beWufji r anach ringen, uns völlig von ihm zu befreien, so müssen wir trachten,

w erkennen, warum eine naturalistische Kunstrichtung eigentlich verfehlt ist.
"ehe F u111 niussen Wlr uns klar machen, daß der Naturalismus als kunstgeschicht-
Dessoj einung etwas anderes ist, als der Naturalismus als Kunsttheorie. Max
Und o- i 16S bereits auf die Notwendigkeit dieser wichtigen .Unterscheidung hin
Natural" ^^ *re^ende Charakteristik der kunstgeschichtlichen Erscheinung des
ergibt q- u S' ^er s*e's nacn einem Bruch mit der Überlieferung auftritt. »Daraus
lieh von • a" zweiter Stelle die Rückkehr zur Natur. Je freier man sich näm-

UlT1gekeh i er ad'*'on niacht, desto sicherer greift man auf die Natur zurück; und
!'cher m . iert man desto schneller die Berührung mit der Natur, je ausschließ-
d'e von d m de" gewohnten Formen fühlt. Diesem Gesetz entsprechend kommen
Und dies er>a'ten ^unst Unbefriedigten fast willenlos zur Nachahmung der Natur.*
gefährlich 1<kenr zur Lehrmeisterin Natur ist als Gesundungsprozeß zu begrüßen;

(J°ch nur ^6S S'Cl1 aber die Sache dann, wenn man die heilsame Medizin, die

Im { ein Mittel sein kann, als letzten Zweck feiert.
^""stricht genden wol'en wir nicht von naturalistischen Stilepochen sprechen, nicht
^ege ers hv^" °C'er Kunstwerke werten, sondern von Kunsttheorien handeln. Zwei
naturalis+f , en sich uns da: der eine leitet zur ästhetisch-kritischen Sichtung der
andere fQu ,en Tneorien, wie sie nacheinander im Laufe der Zeit auftraten, der
^ögHchke't ZU.einer Prüfung des naturalistischen Problems auf seine ästhetischen
matische A " ^'r wollen uns für den zweiten Weg entscheiden, da die syste-

Frage Weit 0rdni,ng eine viel reinere Problemstellung gestattet und der Kern der
Verwirrunp-mehr getroffen wird. Dem ersten Wege folgend, müßten wir auf alle
des Problems eingehen, und die systematische Einsicht würde da-
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