Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 5.1910

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BEMERKUNGEN. 451

Umfrage der Psychologischen Gesellschaft Berlin

über

Die Psychologie des motorischen Menschen.

Einführung.

Das Unternehmen, für das wir hierdurch die Beteiligung der Leser dieser Zeit-
schrift erbitten, hat für den Fachpsychologen ein doppeltes Interesse. Erstlich
g*'t es, die Frage zu beantworten, ob es gesetzmäßige korrelative Erscheinungen
gibt, die einen universellen Vorstellungstypus zusammensetzen, oder ob, wie kürz-
lich erschienene Arbeiten vermuten lassen, jedes Gebiet geistiger Tätigkeit seinen
lokalen Typus hat und diese Teiltypen in keiner notwendigen Verbindung stehen,
Zweitens wäre es ein wesentlicher methodischer Fortschritt, wenn es sich zeigte,
daß das zuvor von Bourdon geübte Verfahren der Selbstbeobachtung, in der hier
Segebenen systematischen Ausgestaltung, ebenso übereinstimmende Resultate lieferte
^'e die experimentelle Forschung; denn auf dem Gebiet der Vorstellungstypen
nähert sich das Experiment den Tatsachen immer nur indirekt und unter Zuhilfe-
nahme vieler deduktiver Interpretationen, die Selbstbeobachtung dagegen erfaßt sie
Unmittelbar und ist überdies technisch geeigneter, große und räumlich getrennte
ersonengruppen zu prüfen.

Dem Ästhetiker gibt unsere Umfrage Material für die Probleme der »inneren
Nachahmung« und der musikalischen Erinnerung. Ist sie erfolgreich, so würde sich
eine ähnliche, die bildende Kunst betreffende Untersuchung, wie sie vordem schon
Von Vernon Lee versucht worden ist, leicht anschließen lassen.

Endlich ist auch der Pädagoge an unserem methodologischen Problem inter-
essiert, denn bei Studenten, Primanern und Seminaristen ist das Verfahren syste-
matischer Selbstbeobachtung anwendbar.

Bisher sind unsere Fragebogen ausschließlich von stark motorischen Personen
beantwortet worden, die in ihnen ihr inneres Konterfei erblickten. Daher fehlt es
uns noch an allem Vergleichsmaterial, ein Fehler, der behoben werden muß, wenn
unser Unternehmen nicht trotz der Fülle der schon gelieferten interessanten Selbst-
beobachtungen schließlich scheitern soll. Wir richten also auch an schwach oder
nicht motorische Personen die Bitte, die kleine Mühe der Fragebeantwortung nicht
zu scheuen.

I. Vorbemerkungen.

L Für den Zweck des vorliegenden Abdrucks mußte unser ursprünglicher Frage-
°gen einige Streichungen und Zusätze erfahren. Da aber die Numerierung, um
Ie einheitliche Verarbeitung der Antworten nicht zu stören, die gleiche bleiben
mußte, so ist sie an einigen Stellen springend geworden.

2- Das scheinbar buntscheckige Durcheinanderwürfeln verschiedenartiger Fragen
Und »Versuche« entspricht bestimmten technischen Zwecken.

3. Jugendliche Personen unter 20 Jahren sowie Berufsrechner (Buchhalter,
Kassenbeamte) werden gebeten, sich nicht an der Beantwortung der Umfrage zu

eteiligeri) da bei ihnen spezielle Gewöhnungen vorzuliegen pflegen, die das übliche
•ld der Vorstellungstypen stören.

4. Manche Erscheinungen, nach denen wir fragen, verlieren sich in vorgerücktem
ter, können aber trotzdem für den, der sie besessen hat, charakteristisch sein.
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