Beck, Paul   [Hrsg.]; Hofele, Engelbert   [Hrsg.]; Diözese Rottenburg   [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 72
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Aman. Sine rege

fine lege

propria gens commoratur,
per provincias vagatur.
Regi,

Legi

Noflrie totus eft diverfus,
per provincias difperfus :
quin & novis
loco quovis
populus hic ritibus
ulitur, & litibus.

Aria.

Hujus .ni licentias
velis Rex! fentiri,
aut ni infolentias
ipfus experiri
fac pereat
intereat

hic populus tarn malus
fic regni noilri falus
incipiet oriri.

Affuerus. Age quod planet tibi: meum en! annulum ibi, de-
creto tuo liunc apprime, populumque rebellem pro poffe fupprime.
Aman. Tertia decima die Nifan menfis hanc gentem vindex, fi planet,
trucidabit enfis. Affuerus. Placet. Ephebus Esther. Regi

Affuero, qiuero, num vacet. Egeus. Adventum tuum Regi nun-
tiabo . . . alloquium tuum petit Ephebus Eftheris, ifthoc, Rex maxime !
liunc, qusefo! digneris. Affuerus. Introeat, hoc fceptro veniae fignum
dabo - - - Ephebus Eftlier. Esther Regina commendat fe.

Affuerus. Loquere, quid velit, audiam te.

Ephebus Efth. I.

A te
feit fe

Intimi Esther amari:
unied

ifthsec & amat te,
per quid,
die, id

valeat aptd teftari.

Aria.

2.

Vivam

fi velis, te prsefta convivam:
unick

vult id, quD3 amat te,
a te
quse fe

intime credit amari.

Affuerus Recit. Tu cito, Aman! ad Eftherem ito; die ut paret
fe, venturum me, te comite. Aman. Abeo, adimplebo, qum juffa
habeo Quis hic, veflitus fic, in quem, tuperi! oculos conjicio?

Mardoch. In indutum facco, & cilicio. Aman Mardochmum, num
video Judmum? Mardoch. Ipfiffimum. Aman. FJe6te genu more
fupplicum.

[Fol. 4a.] Trio.

Aman, Mardochseus, & Ephebus.

Aman. Serve!

proterve!

Num Domino genu non fledtes?

Num moras jam herum nedtes ?
an nefeis, quis ego jam fim ?

Mardoch. Sum fervus,

nequaquam protervus:

Nec cultum cceli Domini
fledtendo dabo liomini

prseftolor vel ultimam vim.

Ephebus. Amane ! defifte:

Tu nefeis quis ifte.

Et cuius DEI veri
eft proprius Eftheri,

ne fpernas hunc qusefo!
lioc fcilicet Isefo
Movebitur ira Affueri.

Aman. In gratia Regis,

juftitiä legis

Vindiftse fundabitur fpes.

Eplieb. Efth. Nec iftis fecurus fat es,

Scis, Regis
fi pedtus vino caleat
vel legis

quam parüm vigor valeat:

Amane! fecurus liaud es.

Mardoch. In DEO

fat meo

Vindidtie fundabitur fpes
Aman. - - - In genua rue!

fi velis fic tuse
confulere vitse

Mardoch. - jam confulam ritd
mihi & populo meo.

fupplex fi procidam DEO.
en ! ruo.

Domine! Parcito populo tuo.
(Fortsetzung folgt.)

Nkks Vogler tu Nlut (d offen Orgelkonzert int
Münster) — eine Säknlarerittnerttng.

Von Amtsrichter a. D. Beck.

Der berühmte Orgelspieler und Komponist Georg Joseph
Vogler, gewöhnlich Äbt (auch Abbe) Vogler genannt, einer
der vielseitigsten und gründlichsten Tonmeister seiner Zeit, auch
ausgezeichneter Lehrer, u. a. von Gäusbacher, P. v. Winter,
Kart Maria v. Weber, Mcyerbeer, Winter ic. (gcb. im Jahre
1749 zu Würzburg, wo er sich zunächst auch ansbildeie,
f 1814 in Darmstadt, wo er sich vom Jahre 1807 an anf-
gehalten), war zuerst um das Jahr 1775 Kapellmeister in
Mannheim, wo er eine Tonschnle gründete und Mnsikvor-
lesnnge» hielt, ging dann aber lange, viele Jahre auf Konzert-
reisen, kam auf einer solchen Tournee auch in hohen Norden
nach Stockholm, woselbst er zum „Direktor der Kgl. Akademie
der Musik" ernannt wurde. In seinem vielbewegten Musi-
kantenleben kam er u. a. im Jahre 1790 nach der Reichs-
stadt Ulm, in welcher in der zweiten Hälfte des vorigen Jahr-
hunderts ein ziemlich rcgeö, musikalisches Leben herrschte, ivohnte
hier im Gasthause zum „Greifen" des bekannten, auch von S ch u-
bart gefeierten Greifenwirts Schüler, und gab im Münster am
26. September ein großes, zahlreich besuchtes, geistliches Orgel-
konzert. Einsender ist noch im Besitze des auf starkes Lösch-
papier, ohne Angabe des Druckers bezw. der Druckerei, wahr-
scheinlich aber in der Wagnerschen Offizin gedruckten (21 cm
langen, 17 'I2 cm breiten) Konzertzettels, welcher der Kurio-
sität halber im Wortlaute folgt:

Geistliches
Orgel-Co ncert
anfgeführt

in dem Münster zu Ulm
den 26. September 1790.

Abends von 5. bis 7. Uhr,
von

Herrn Abt Vogler,

Direktorn der Königlichen Akademie der Musik in Stockholm,
in wirkt. Diensten Sr. Maj. des Königs von Schweden.

Erster Theil.

1) Praeludium: Adagio:

Allegro Fugato.

2) Cantabile.

3) Glockenspiel.

4) Die Belagerung von Jericho.

a) Israels Gebet zu Gott.

b) Trompetcu-Schall.

c) Umstürzen der Mauern.

d) Siegreicher Einzug.

5) Freye Phantasie._

Zweyter Theil.

1) Flöten Cvncert. Allegro.

Andante.
Statt Rondo eine Chinesi-
sche Arie, die der Kaiser von
China neuerdings nach Lon-
don gesandt.

2) Adagio melto.

3) Die Hirtenwonne vom Don-
nerwetter unterbrochen, ec.

4) Das große Halleluja von
London zu 2 Themen fugirt.

Die Eingangs-Billelö zu 36 kr. das Stück sind im Gasthanse
zum Greifen bey Hrn. Schüler zu haben.

Von diesem Cyncerte nehmen die Armen Theil.

*) Bei dergleichen Art Concerten, so wie sie in der Fürstbischöflichen
Domkirche zu Münster, i» der Dvminikanerkirche in Danzig, in den
Franziskaner-Kirchen von Halberstadt und Wezlar ic. und in anderen
Kirchen von allen Religionen anfgeführt waren, werden die Thiiren
geschlossen gehalten, und Niemand ohne Billet eingelassen.

Stuttgart, Bnchdrnckerci der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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