Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 34
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noctua) cm Stelle der Wcilkyren getreten. Der grüne Pa-
pagei vder Sittich (ksitkacus T^Iexanckri) erscheint bekannt-
lich schon im 12. Jahrhundert als das Symbol der hl. Jnng-
fran Maria und die weiße Taube war don jeher dasjenige
für den hl. Geist, die dritte Person der Gottheit. Als Sinn-
bild Christi und als Emblem der clrarta caritatis der Cister-
eienser und der göttlichen Liebe ist der Pelikan (Uclecanus
onocrotalus) mit seinen Jungen schon im 14. Jahrhundert
aufgekommcn. Vom hl. Benedikt und hl. Meinrad wurde der
Nabe (Kvlrabe corvus corax) durch die Benediktinerklvster
für die Wappenkunde entlehnt. Dem Aberglauben verdankt
seine Aufnahme in die Heraldik der Unglückshäher (corvus
iulaustus).
Das Huhn wurde der Göttin Hel bei den Deutschen,
der Venus bei den Römern, der Hahn bei den Griechen dem
AeScnlap geopfert. Das Christentum hat aber dem Hahn
eine andere Verwendung angedeihen lassen, welche ans den
Christen ethisch cinwirkte. Er wurde das Emblem der Wach-
samkeit und der Erweckung der Neue. So kam er in das
Wappen der Hahn von Ueberlingcn, der Blarer in Konstanz
und die Henne in das Hennebcrgische Wappen. Im Mancsse-
Cvdex führt ans dem Helme der Dichter N. 9k. von Buch-
heim (pseudonym) den weißen Hahnenhals, welcher un-
zweifelhaft in irgend welchem Zusammenhänge mit der Wappen-
anfschrift steht:
minus Zinne Nvinxet,
strals guake dringet.
Diese Verse sind nach Franziskus von Assisi (2. Gesang)
gedichtet :
amor Ni caritate (Christas)
percbe m'bai si serito?
Io cor tritt' do pnrtito
et nrNe per nnrore.
Die Taube, das Symbol des hl. Geistes, ging in vielen
Wappen mit der Zeit in den Falken oder Adler über, wie
bei den Zäringern, den Fürstenberg, den Langenstein, den
Toggenburg n. a.
Dafür, daß heidnische Wappenfiguren umgewandelt oder
ganz beseitigt wurden, hat man Beispiele ans dem 12. Jahr-
hundert. Die fünf Kröten der Capetinger wurden fünf Lilien,
die fünf Lerchen des Herzogtums Oesterreich wurden durch den
weißen Niegel oder Querbalken in rot verdrängt. Die Wieder-
holung der Wappenfignr — dreimalig oder fünfmalig — stellt
allegorisch die drei- vder fünfmal wiederholte Anrufung von
höheren Wesen vor.
(Fortsetzung folgt.)

Das ehemalige Domirrilranee-Feanenkloster
Nngacker im Lin;gau.
Von ?. Benv. St.
Auf dem höchsten Punkte des Heiligenbergeö, etwa zwei
Stunden östlich von dem prächtigen Bergschlosse und Markt-
flecken Heiligenberg, ist ein Weiler, der nach seiner Lage
„zum Höchsten" heißt und wegen der großartigen Aussicht,
die sich dort bietet, von zahlreichen Fremden besucht wird.
Wer aus dem Aachthale über Deggenhansen den Weg
dahin macht, der kommt fast oben an einem etwas länglichen
zweistöckigen Wohngebäude vorbei, das links auf einer Abstufung
(kanni fünf Minuten vom höchsten Punkte) steht und an dem
von Osten her ein kleines Bächlein vorüberfließt, das sich
nachher in die Aach ergießt. Dieses Gebäude mit dem dazu
gehörigen Gute ist der Hof Nngacker.
Dieses Gut wird schon frühzeitig in Urkunden genannt:
Durch Urkunde 6. 6. Salem, 27. März 1294, verkaufte und

schenkte der Edle Swigger von Teggenhnsen (Deggenhansen)
seine ihm eigentümlich gehörigen Besitzungen „Nngakker" und
in Nengartswiller (Negnatsweiler) an das Kloster Salem um
12 Pfund Konstanzer Pfennige. Zeugen waren der Vize-
pleban Heinrich Mentelli von Bermatingen und die Mark-
dorfer Bürger Konrad Faber, Rudolf Faber, Heinrich Geren-
berg und Konrad Stvltcli, sowie der dortige Schulmeister
(rector xuerorum) Heinrich und der Salemer Mönch Br.
Heinrich GretarinS. H Gemäß Urkunde 6. 6. Markdorf,
21. Januar 1328, verzichtete Heinrich von Urndorf für sich
und seine Erben auf alle Ansprüche und Rechte an das Gut
zu Nngakker, genannt des Hawenars gut, das er von Herrn
Ulrich Oswalt von Marchtorf Ritter gegen eine jährliche
Summe von fünf Schillingen zu Lehen hatte, mit dessen Ge-
nehmigung gegen das Kloster Salem?) Unterm 1. März
1328 beurkundete zu Markdorf dieser Ritter Ulrich Oswalt
von Marktvrf, daß er mit Abt und Sammlung von Salem
wegen des Stoßes, den er mit ihnen hatte, um die Güter zu
Clustern — drige jnchart naiS vier —, die er Bnrkart dem
Sund geliehen und die in Bontinhof gehörten, und um die
Güter zu Nngaker, genannt des HavenarS gut, die er Hainrich
von Uerendorf geliehen, und wegen aller seiner Ansprüche an
vorgenanntes, mit Rat und Unterweisung seiner Oheime, Herrn
Johans von Bodmin des ältern und Herrn Johanö des Truch-
sessen von Walpnrg, dahin übereingekommen sei, daß er gegen
eine Entschädigung von 70 Pfund Konstanzer Pfennige, Hain-
rich von Uerendorf und Bnrkard den Smit abweise und die
Güter gänzlich ledig mache?)
In alten Zeiten war das Hofgut Nngacker eine Besitzung
des Herrn v. Erlebach oder Ellerbach (bayerisches Bezirksamt
Dillingen), welche da über ihre Hofangehörigen (Huber und s
Zinslente) dortiger Gegend die Ding-, Hub- und Nnggerichte
abgehalten haben sollen, weshalb der Hof so genannt worden
sei. Dieses Gut schenkte nachher ein Ritter v. Ellerbach einem
Schwesternvcrein, welche das Hofgebände zu einem Klvsterlcin
machten, dabei ein kleines Kirchlein erbauten und im Jahre 1414
die Regel des Dominikanerordens annahmen. Sie gingen zum
Gottesdienst in die nahe Pfarrkirche zu Oberhomberg, dessen
Pfarrer auch die Seelsorge zu Nngacker besorgte und zuweilen
auch in der Klosterkapelle Messe und Gottesdienst abhielt.
Unterm 31. Januar 1424 verkaufte in der Konstanzer Vor-
stadt Peteröhausen Klara von Homburg, Witwe des Ritters
Hermann von Braitenstcin, in ihrem daselbst gelegenen Hofe
und in Gegenwart des Magisters Johannes Huber Thesanrars
und des Nikolaus Maiger, Kanonikus des Stifts St. Johann
zu Konstanz als hieznberufener Zeugen, sowie des Johannes
Keller alias Schulmeister, Kleriker der Diözese Basel und
kaiserlichen Notars, an ihre anwesende Schwester Elisabeth von
Homburg, Witwe des Heinrich v. Ellerbach, ihr Hofgnt, ge-
nannt „der Nngacker" bei Homberg in der Nähe von Teggen-
hansen um 150 Pfund Rheinisch?) Durch Urkunde vom

0 Fürstend. Urknndb. Bd. V, Nr. 268.
-) Dis bechac zu Marchtorf, do man zalt von Cristes gebnrt
drnzenhunderth jar nnd ath nnd zwanzige jar an saut Agnesnn lag
(Cod. Sal. III, 12).
°) Dirre brief wart gebin ze Martorf do inan zollet von CrisiiS
gebnrt tnseng drnhnndert nnd dar nah in dem ahtnnnczwaingostim jar
an sant Albini tag ains bihters, da ze gegin waren dise geznge: Herr
Johans von Bodmin und Herr Johans der drnhsatze von Walpnrg von
Walpnrg die vorgcnantin, Bnr. min amman (Cod. Sal. III, 13).
0 Diesen Hof hatte die Verkäuferin 1421 sritag vor st. Johans tag
zu Snnwenden (20. Juni) vom Domkapitel zu Konstanz gegen einen
halben Hof zu Deggenhansen, dessen andere Hälfte schon dem Kapitel
gehörte, eingetanscht. Fürstend. Urknndb. Bd. VI, Nr. 21W.
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