Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 14
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selbst der Lech mit einem Arme eine Insel. Hier cm diesem
einsamen Orte wurde die znm Feuertod verurteilte Christin
gemartert. Wie der Begräbnisplatz — die St. Afrakirche,
die jetzige St. Ulrichskirche — so wurde auch diese Marter-
stätte der hl. Afra von den ersten Christen Augsburgs hoch
in Ehren gehalten. Bald entstand auch hier ein Kirchlein,
das wie die St. Afrakirche bei Augsburg gar oft verwüstet
wurde. Schon im Jahre 1169 soll hier ein eigener Priester
gewesen sein; bald entstand ein ganzes Dorf, das den Namen
Lechfelden führte; es wurde samt dem Kirchlein im Jahre
1632 im dreißigjährigen Kriege von den Schweden gänzlich
zerstört. Das Dorf wurde nicht mehr aufgebaut, wohl aber
das Kirchlein. Derselbe prachtliebende Prälat Willibald Popp,
dem die St. Ulrichskirche soviel verdankt, baute auch die St.
Afrakapelle im Jahre 1701 wieder auf. Zwei Türme zierten
das Kirchlein; der geräumige Chor ruhte ans sechs Pfeiler»,
vier Altäre schmückten das Innere. 1712 wurde sie von
Bischof Alexander Sigismund eingeweiht. Die nengeweihte
Kirche bildete den Zielpunkt unzähliger frommer Wallfahrer,
bis im Jahre 1796 dieselbe durch französische Kriegsheere
entweiht und nach dem Kriege vom bayerischen KriegSministe-
rinm zu einem Pulvermagazin bestimmt wurde. Nun ver-
schwanden die Altäre, die Türme wurden abgetragen, die 16
Fenster zugemauert und eine hohe Mauer ringsum aufgeführt.
Tag und Nacht hielt Militär Wache. Erst im Jahre 1876
wurde ob der für Augsburg und Friedberg bestehenden Gefahr
das Pulver entfernt und die entweihte Kirche um 13000 M.
zum Abbruch versteigert. Doch die geringe Summe erhielt die
Genehmignug nicht, und so gelang es dem sel. Wallfahrts-
direktor Al. Welcher, im Vereine mit mehreren Wohlthätern
die Kirche im Jahre 1877 um 15 000 M. anzukaufen und im
folgenden Jahre mit einem Kostenaufwand von 60 000 M.
zu restaurieren. Am 1. Juli 1878 wurde die St. Afra-
kapelle neu eingeweiht. Jeder, der die von Hochzoll und
Fricdberg aus leicht zu erreichende Kapelle besucht, wird er-
staunt sein, nicht bloß über die Größe derselben, sondern auch
über deren inneren Schmuck. Während der Plafond mit
Stuccaturarbciten belebt ist (am Chorbogen sieht man das
Wappen des AbteS Willibald Popp), sind die Wände mit
lebensgroßen, schön geschnitzten Apostelstatuen geschmückt; die
Hauptzierde aber bilden die drei Altäre. Das Altargemälde
des linken Seitenaltars zeigt uns den römischen Statthalter
Gajus; in der roten Tunika sitzt er auf seinem Nichterstuhle
und verlangt eben von Afra gebieterisch, daß sie opfere; ob-
wohl im Hintergründe bereits die Schergen harren, weist Afra
diese Zumutung entrüstet zurück. Angethan mit einem lang-
wallenden weißen Gewände und einem blauen Ueberwurf, er-
innert sie etwas an Kaulbachs Thusnelda. — Das Altarbild
des rechten Seitenaltars stellt die Taufe der hl. Afra dar.
Nareissus, Bischof von Geruud in Spanien, ein frommer
Greis mit weißem Bart, angethan mit seinen hohenpricster-
lichen Gewändern, nimmt die heilige Handlung vor. Der
Diakon Felix steht zur Seite. Afra, eine echte deutsche Jung-
frau, mit langem, blonden Haare, beugt ihren Nacken, um
das heilige Sakrament zu empfangen; ihr Gesichtsausdruck
erinnert an Magdalena. Im Hintergründe stehen zwei Paten
mit brennender Kerze. — Das Mittelbild des Hochaltars ist
ein Meisterwerk der Holzschneidekunst. Afra, auf dem Scheiter-
haufen stehend, an einen Baumpfahl angebunden, ist soeben
gestorben; das Haupt senkt sich, der linke Arm fällt entseelt
herab. Während zwei Mägde (Eunomia und Eutropia) auf
der Seite, die dritte Dienerin (Digna) zu Füßen ihrer Herrin
die Stricke lösen, fängt die Mutter den Leichnam auf, an den

sie sich liebkosend anschmiegt. Bildhauer wie Faßmaler haben
es meisterlich verstanden, den bereits eingetretenen Tod der
christlichen Heldin anzndeuten, dagegen in den Mienen der
Mutter und der drei Mägde neben der Trauer über den Ver-
lust auch der Freude Ausdruck zu verleihen, daß Afra nicht
verbrannt sondern nur erstickt ist. — Der heilige Leib ward
da, wo jetzt die St. UlrichSkirchc ist, bestattet; noch ist er
dort der Gegenstand unserer Verehrung. P N. l?.
(Beil. „Augsburger Postztg.")

Eine in Grundr gegangene Pfarrei, Dürnau,
ON. Göggingen.
Von Stadtpfarrer P. M.
(Fortsetzung.)
1793 starben zwei gefangene französische Dragoner auf dem
Transport nach Oesterreich. In Gammelshausen erhoben sich
noch zweimal Schwierigkeiten bezüglich des Begräbnisses
von Katholiken: 1789 protestierten die Gammelshauser und
ihr Vogt gegen das Begräbnis eines dort verstorbenen vn^us
und 1801 wollten sie, daß katholische Zwillingsgeschwister in
Gammelshanseit begraben würden; es war schon alles dazu
hergerichtet, aber auf Betreiben des ?. Superior wurde alles
wieder rückgängig gemacht und die Kinder am 13. resp. 23.
Januar in Dürnau beerdigt. „Den Streit hat der Schul-
meister von Gammelshausen erregt." Bezüglich des näheren
ist auf das (nicht vorliegende) „Handbüchl" verwiesen. Im
gleichen Jahr starb in Eschenbach (etwa ^ Stunden von
Dürnan entfernt) Maria Elisabeth Wittlingerin, »cle primu
notu cakövlicL«, obgleich ihr Mann von der katholischen
Religion, in der er 20 Jahre gelebt hatte, abgcfallen war;
sie entschlief »plerm cmnis et meritm« und hatte bis in ihr
hohes Alter die Kirche in Dürnau fleißig besucht.
„XZ'fs übernehmen Jhro Churfrst. Durchl. die Aufstel-
lung und Besoldung des catholischen Organisten, Meßners
und Schulhalters in Geld und XaturLlieir mit der Verbin-
dung, daß das Amt eines Organisten, Meßners und Schul-
halters, wie gegenwärtig, also auch zu ewigen Zeiten durch
eine einzige Persvhn zusammen versehen werden . . . wohin-
gegen
XI^ die Herren Grafen von Degenfeld Schonburg ver-
sprechen, demselben eine anständige Wohnung zu verschaffen,
das ist, wenn über kurz dessen bisherigen Aufenthalt im
Schlosse der Herrschaft eine Veränderung vorzunehmen gefällig
sehn wird, ihn mit einem anständigen Wirthquartier, wonon
gräfl. Degenfeldischer Seits das Bestandgelb bezahlt werden
soll, keineswegs aber mit einem eigenen Hanse zu versehen,
auch demselben Sechs Klafter Holz sammt dem daraus fallen-
den Neisach . . . unentgeltlich für das Haus abgebeu und führen
zu lassen."
Man sollte meinen, daß damit der Fortbestand der Pfarrei
gesichert gewesen wäre.
Allein mit dem Anfang unseres Jahunderts weigerte sich
das katholische Knrbayern, seinen vertragsmäßigen Verpflich-
tungen nachzukommen.
Am 11. November 1802 erwiderte Graf v. Degenfeld
aus Eybach dem?. Superior auf ein Bittgesuch: „So herzlich
ich das Ew. Hochehrwürden und die übrigen Herren Untres Cnpu-
cino3 betroffene Schicksal bedauere, so wenig bin ich doch
dasselbe zu remedire» im Stande." Mit Verweisung auf den
Anfang des Artikel III im Vertrag von 1770 sagt der Graf:
„Sowohl die verhandelten Akten, als auch die unwidersprech-
lichsten notorischen Thatsachen beweisen es nur allzugewiß, daß
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