Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 51
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letzte» der Mingdynastie »»gehörige» Kaisers Ciuiichi» (auch
Tschong-tsching, Chnm-Chinm, Hoa-tsong, Hva-itS rc. genannt;
1627—44), der Kölner U. Adam Schall, Ferd. Werbieß,
Zeh. Gr»ber; Kilian Stumpf, Ath. Kircher »nd viele andere,
welche wie ihr Bahnbrecher Ricci mittels der Uhrentünde sich
mittels Pflege der bei den Chinesen überaus hochgeschätzten
mathematischen Wissenschaften, namentlich der Astronomie und
Kalenderkunde, cinznführen gewußt hatten. Den größten
Aufschwung hatte aber das Christentum in China unter dem
der Mandschudynastie angehörigen, namentlich den Jesuiten
wohlgewogenen Kaiser Kang-Hi (oder Cham-hi), dem Nach-
folger des im Jahre 1661 jung verstorbenen Kaisers ibnn-Chy,
während dessen langer segcnSvoller Negiernngszeit von 1669
bis 1722 genommen. Dieser Regent hatte nicht nur die kurz
zuvor vertriebenen Missionäre wieder znrückgerufen, die Ver-
breitung ihrer Lehre geduldet, sondern sie auch auf jede Art
begünstigt. Das vorzüglichste Mittel, durch welches die klugen
und gelehrten Väter der Gesellschaft Jesu die Gunst dieses
großen Fürsten zum Besten der aufblühenden Kirche in jenem
weiten Reiche sich zu erwerben und zu erhalten verstanden,
waren auch jetzt wieder die mathematischen Wissenschaften.
Sie unternahmen es nämlich, das ganze chinesische Reich und
dessen einzelne Provinzen auszumessen und eine Zeichnung
von demselben zu entwerfen, wodurch die Chinesen zuerst eine
etwas richtigere Vorstellung von der Lage und Gestalt ihres
großen Reiches erhielte», von welcher sie früher die sonder-
barsten Vorstellungen gehabt hatten, indem sic glaubten, China
liege inmitten der Erde, welche sie als ein großes Viereck sich
dachten. Der Kaiser, welcher sich nicht nur von der Unschäd-
lichkeit der christlichen Religion, sondern selbst von dem gün-
stigen Einflüsse derselben auf die Gesittung und Bildung
seines Voltes immer mehr überzeugte, erließ schließlich im
Jahre 1692 jenes merkwürdige Edikt, durch welches diese Re-
ligion als ganz unschädlich erklärt und allen seinen Unter-
thanen erlaubt wurde, sich zu ihr zu bekennen, auch Kirchen
zu erbauen und den christlichen Gottesdienst öffentlich auözn-
übcn gestattet wurde, so daß man, dank den Jesuitenmissionen,
die christlichen Gemeinden nach Hunderten zählte und an die
Bekehrung des ganzen Reiches mit der Zeit gedacht werden
konnte. Dies sollte aber nicht von langer Dauer sein und alle
diese Erwartungen wieder zu nichte werden, als nach dem
Ableben dieses Herrschers dessen Sohn und Nachfolger Ijong-
Tsching (1722—1735) das Christentum gänzlich verbot. Die
Missionäre wurden nach Kanton verbannt; mehr als 300
Kirchen wurden teils niedergerissen, teils in heidnische Tempel
verwandelt. Die wenigen Väter der Gesellschaft Jesu, welche
überhaupt noch am kaiserlichen Hofe geduldet wurden, blieben
nur als mathematische Beamte, ohne das Amt ihrer Sendung
auSübcn zu dürfen. Dieser Zustand der Unterdrückung hielt
während der ganzen Negierung dieses Fürsten, d. h. durch
13 Jahre an. Und — auch unter dessen Sohn und Nach-
folger Kie n-Lou n g, dessen Handlungsweise das vorliegende
Drama zum Vorwürfe nimmt (1735—1795), ging es in
dessen ersten NegierungSzeiten in der bisherigen Weise fort;
z. B. wurde im Jahre 1740 von einem Provinzialstatthalter
ein Befehl zur Enthauptung eines katholischen Priesters und
zur Bestrafung mehrerer Christen gegeben, und bei diesem
Anlasse die früheren Edikte gegen das Christentum wiederholt
streng eingeschärft; und einige weitere solche Ermordungen von
Missionären, so von fünf Dominikanern — welchem Orden
die Thätigkeit der Jesuiten die Wege nach China geebnet
hatte — und von zwei Jesuiten durch die Vizekönige von
Fo-Kien und Nan-Kicn macht die nachfolgende Tragödie zu

ihrem Gegenstand. Später ging wieder ein besserer Stern
für die christliche Lehre ans. Der Kaiser widerrief zuerst ins-
geheim, hernach aber auch öffentlich die Befehle beziv. Ver-
bote seines Vaters, duldete und begünstigte die Glanbenö-
boten, und zeigte, sowie überhaupt gegen seine Untcrthanen,
so auch gegen die Christen, eine sehr milde und freundliche
Gesinnung; Tempel stiegen nun wieder ans dem Schutte der
Ruinen empor, und Gemeinden von Christen sammelten sich
allmählich wieder. Er war auch der erste Kaiser von China,
welcher den Gesandten der europäischen Mächte öffentlich Au-
dienz erteilte. Wieder arg schlimm wurde es unter dem nach-
folgenden Herrscher Kia-King (1795—1821) und nicht viel
besser unter dessen Nachfolgern Tav-Kuang (1821— 1850)
und Jnschu; und auch die dermaligen Zustände lassen bekannter-
maßen — nicht zum wenigsten dank der Eifersucht der
Mächte — sehr vieles zu wünche» übrig.
In lebhafter Erinnerung an all' diese zahllosen Leiden
und Verfolgungen der christlichen Kirche im Reiche der Mitte
ist nun unser Xuo-TUmm entstanden und giebt diesen Empfin-
dungen auch eine reichhaltige und rührsame Musik cnsprechenden
Ausdruck; die einzelnen Akte sind durch Chöre unter einander
velbnndcn. Der historische Untergrund des Stückes beruht,
wie angegeben, auf einem unzweifelhaft zuverlässigen Berichte
des Jesuiten Franz Keller in dem 35. Teile des „neuen
Weltboten", sowie auf andern chinesischen Nachrichten aus
dem Jahre 1748. Leider ist der Verfasser des Textes —
sicherlich ein Konventual — nicht bezeichnet. Der Komponist
der Musik war, wie angegeben, k. Jöiried K a y s e r, damals
Klosterpfarrer in Sauggart, einem WU Stunde vom Stifte
entfernten Marchthalschen Dorfe. Die Schauspieler sind lauter
Marchthaler Klosterstndenten, welche mit ganz wenig Aus-
nahmen sämtlich ans Oberschwaben stammten; die eine oder
andere Familie wird im Spiclzeltcl (v. ,,8^1labus pemormrum")
mit Vergnügen vielleicht einen Vorfahren herausfinden. Das
Stück ist in 4° (16X21 cm) auf starkes Papier, ans acht
(unpaginierte, vollbedruckte) Bll. Fraktur gedruckt. Der
Titel nimmt die volle erste Seite ein; die Rückseite des Titel-
blattes enthält die lateinisch - deutsche Inhaltsangabe. Am
Eingänge des Textes ans Blatt 2 a oben ist eine nicht un-
schöne Vignette angebracht, welche eine offene Halle und durch
diese hindurch eine Landschaft mit einer —- fast möchte man
es meinen, dem Bussen, dem hl. Berge von Oberschwaben
nicht unähnlichen — Bergkirche zeigt. Am Schlüsse auf
Blatt 8d unten figurieren drei einfache Sterne.
(Fortsetzung folgt.)
Kritik der Wappen der Minnesinger aus
Schwaden.
Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mpstik in Schwaben nnd
Alamannien.
Van F. Mvne.
XV.
Nr. 60 Tafel 30. H artma nn Onwer (von Ow en).
lieber den Namen, das Wappen und die Heimat dieses Dich-
ters sind verschiedene Hypothesen aufgestellt und verworfen
worden. Eine kritische Untersuchung ist deshalb nicht über-
flüssig. Der Vorname oder Taufname Hartmann ist daS
einzige, was von dieser Persönlichkeit zweifellos festgestellt ist.
Hartmann ist eine Deminutiv- oder Koseform von Gerhart
oder Gotthart oder Gebhart, Wolfhart und ähnlich gebildet,
wie Christmann (Christian), Thomann, Antelmann und Tel-
mann, Tilmann (Anton), Nulmann (Hieronymus), Liebmann
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