Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 77
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von Schwaben.
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cese Gotteudurg und der angrenzenden, besonders der zum früheren
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Nr. 20.

Stuttgart, den 15. Oktober 1894.

12. Jahrgang.

Das grohe Nbkeiwappen des Prämonstra-
tenserklosters Weiffenau.
Von Pfarrer K. A. Bnsl in Hochberg.
Veranlassung zu dieser heraldischen Studie gab die Wahr-
nehmung, daß über fraglichen Gegenstand vielfach irrige An-
schauungen herrschen. So erklärt z. B. Binder in seiner
württembergischen Münzkunde, das Wappen der Abtei sei
„ein stehender Löwe, in dem linken Vorderfnß einen Ring
haltend". Ein solcher, schwarz in Not, ist jedoch das Fami-
lienwappen der Acbte Anton I. Nnold von Wolfegg (1724—
1765) und Anton II. (1774—1784). Der Umstand, daß
namentlich der crstere dieses Wappen in seiner langjährigen
Negierung sehr häufig anbringen ließ, veranlaßte den Irrtum.
Das große Abtenvappen von Weissenau, jedenfalls schon
seit dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts, vielleicht auck —
wofür mir das Material fehlt — schon früher nachweisbar,
setzt sich zusammen aus den dem 2. Stifter König Rudolph
von Habsbnrg, und dem 1. Stifter Ritter Gebizo von
Bisenberg zugewiesenen Wappen, dann ans demjenigen des
Konvents, dem eigentlichen Klvsterwappen im engeren
Sinne, und dem persönlichen Wappen des jeweiligen
Abtes, welches in dem gewerteten Schild meist das dritte oder
vierte Quartier cinnimmt, während die anderen, übrigens in
wechselnder Anordnung, gewöhnlich die Quartiere 1, 2, 3
(beziehungsweise 4) besetze».
Wegen seines hohen Ranges erhält König Rudolphs
Wappen häufig das erste Feld. Er hat die überschuldete
und dem Untergänge nahe Abtei durch Bezahlung einer großen
Geldsumme und Erteilung eines Schutzbriefes gerettet, ihr
auch nach der Ucberliefernng die Heiligblutreliqnie (1283) ge-
schenkt, welche er von Straßburg erhalten hatte, und gilt
deswegen als der zweite Stifter, für den und dessen Familie
am 18. Juli, im 17. Jahrhundert am 7. August, ein feier-
licher Jahrtag gehalten wurde?) Für Nndolph erscheint im
ersten goldenen Feld des quadrierten Schildes der schwarze,
doppelköpfige Adler mit der zwischen den Köpfen schwebenden gol-
denen Krone. (Dies die spätere Bildung; früher, vor König
Sigismund, war er einköpsig.) Der erste Stifter von Weis-
senau ist der welfische Ministerielle Gebizo von Bisenberg
in Ravensburg 1145. Am besten möchte sein Wappen im
2. oder 4. Felde zu blasonnieren sein: in Schwarz ein silber-
u /obn, bistorill Lanoniue Llinor-tUAiensis, Lonst. 1763, pax.
38 sg. Bnsl, Zur Gesch. des Prämoiistratenserklosters Weissenail, Ra-
vensburg 1883, S. 9. Lion. 6erm. Llecrol. I 160, 161.

ner Fünfberg, Mit einem, im Winkel am Schilvfnße einen
silbernen Dreibcrg einschaltenden, bis zum Schildhaupt reichen-
den roten Sparren belegt. In der neuen Seylerschen Be-
arbeitung des Wappenbuches von Siebmacher (IV. 1. Bd.
5. Abt. S. 88) ist irrig angegeben, daß der Dreiberg grün
sei, was er anderweitig allerdings in der Regel ist, und der
Sparren silbern. Auf dem allegorischen, den Verschluß eines
ReliquicnschreineS am St. Norbertnsaltar in Weissenau bil
denden Gemälde hat das Wappen gleichfalls irrig einen roten
Sparren in Gold, Fünfberg und Dreiberg sind auch golden
und nur schaffriert. Es ist offensichtlich, daß der Maler ein
korrektes Wappen gar nicht geben wollte.
Häufig im 3. oder 1. Quartier findet sich das Kon-
ventswappen von Weissenau; in Blau ein senkrecht mit
der Spitze nach oben gestelltes Schwert, darüber zwei ins
Andreaskreuz gelegte goldene Schlüssel/) weil zu Patronen
des Klosters von Anfang an die hl. Apostelsürsten erwählt
waren?) Das 4. oder 3. Feld war dem Wappen des je-
weiligen Abtes Vorbehalten.
Die Nichtigkeit der Deutung der drei Felder ist, abge-
sehen von inneren Gründen, dadurch gesichert, daß die ans
der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammende, in der Sa-
kristei von Weissenau verwahrte Gütertafel der Abtei, die
Quartiere trennend, je eines in die Ecken setzt und so, wie
oben, erklärt.
Auf der wertvollen Landschaftstafe?) von )o. anicireus
R. au cli, ?ictor, OeoZr. et LlioroArnpli. in Wangen 1622
zeigt das 1. Quartier das Konventswappeu (das Blau ist
in Schwarz verdorben), das 2. das Wappen König Rudolphs
von Habsburg, das 3. das persönliche Wappen des damaligen
Abts Johann Christoph Härtlin von Ältshausen (1616—1654):
in qnergeteiltem Schild oben ein großer, silberner Ring in
Rot, unten auf grünem Dreiberg eine rote, mit ihren zwei
Zipfeln nach rechts gewendete Flagge in Silber; das 4. das
Wappen Gebizos. lieber dem Schild erheben sich in halber
Figur in der Mitte Bischof St. Norbert, der Stifter der
Prämonstratenser, zu seinen Seiten die Patrone Petrus als

tz In erster Linie war Patron St. Petrus. Lola 8. ketri tu
eck. Lauinunn 1877, PL§. 11.
2) Besser wird der eine Schlüssel golden, der andere silbern
tingiert-
„Designation der schönen Landschasft und gelegenheit umb das
Ehrwürdig Reichs-Gotteshauß Weissenow und Statt Ravenspurg.
Verzeichnis; deren Landmarken Hocher obrigkeit zwischen der Land-
vogtey Schwaben und Statt Ravenspnrg". (Jetzt im Kameralamt
Weingarten.)
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