Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 17
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von Schwaben
— zugleich Organ für deutsche Aircheugeschichte —
mit periodischer kirchengeschichtlicher Weltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nottenburg.


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Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten herausgegeben
von Or. Engelbert Hof'rle, Pfarrer in Ummendorf.
Kv r ro sp o n d e >l ze >i wollen gefl. direkt an l)r. Engelbert Hofcie, Pfarrer in Uinmendorf b. Biberach, gerichtet werden.

Nr. 5.

^Stuttgart, den 1. März 1894.

11. Jahrgang.

? Znhalt: Eine zu Grunde gegangene Pfarrei, Diirnau, OA. Göppingen.' Von Stadtpfarrer P. M. (Fortsetzung.) — Kritik der Wappen der
Minnesinger aus Schwaben. Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in Schwaben und Alamannien. Von F. Mone. (Fort-
setzung.) — Miszellen.

Eine gr Grunde gegangene Pfarrei, Dürnan,
ON. Göggingen.
Von Stadtpfarrer P. M.
(Fortsetzung.)
Damit der katechetische Unterricht im Winter nicht ver-
kürzt würde, sei er bereit, mit der erwachsenen Jugend,
so oft diese an Sonn- und Feiertagen nach Groß-Eislingen
znm Gottesdienst komme, nach dem Vormittagsgottes-
dienst eine halbe Stunde Katechese zu halten. Er werde die
Taufen und Eheschließungen in Dürnan vornehmen, des-
gleichen die Beerdigungen der Erwachsenen (also mit Aus-
nahme der noch nicht znm hl. Abendmahl Gegangenen). Kranke
werden von ihm sofort versehen werden. Die Paramente und
Kirchengeräte, die nach Mühlhausen gebracht worden seien,
müssen versprochenermaßen nach Dürnan zurückgegeben werden.
Die Kosten für Wein und Wachs können durch Aufstellung
eines Opferbeckens gedeckt werden. Da die Gemeinde zu arm
ist, um einen eigenen Schulmeister anzustellen und Knrbayern
nichts thne, solle der Schulunterricht vom evangelischen Lehrer
erteilt werden und den Kindern der Bistumskatechismns und
das katholische Evangelienbnch als Lesebücher i» die Hand
gegeben werden. „Ich ersterbe übrigens in snbmissester Ehr-
erbietung," sagt der Herr Pfarrer. Aber seine Vorschläge
blieben auf dem Papier.
Der Pfarrer Schund von Mühlhausen blieb provisorischer
Seelsorger von Dürnan. Nach manchen Verdrießlichkeiten,
— wie wir weiter unten sehen werden — kündigte er 1808
die Pastoration von Dürnan auf, und erst am 17. Mai 1810
erging ei» Dekret der Bischöflichen Regierung in Konstanz
an Pfarrer Vogel, worin es heißt: „Obschon ... es eine
anfliegende Unthnnlichkeit ist, daß die Pastorazion von der
Pfarre Mühlhausen ausgeführt werde, so war es doch von
Seite des dortigen Pfarrers Nepom. Schmid ungeachtet seines
gebrechlichen Alters ein unbemessenes Unternehmen, daß er-
den Katholiken zu Dürnan die geistlichen Dienste versagt
und öffentlich abgetündet hat, da er sich ans bescheidenere Art
mittels Rücksprache mit Ew. Hochwürden dieser Last hätte
entledigen können." Pfarrer Vogel, der übrigens seit 1809
bereits die ^ Pastoration übernommen hatte, wird sodann mit
den nötige» Vollmachten zur provisorischen Pastoration aus-
gestattet. „Eine stabile Pastorazions-Einrichtnng der Katho-

liken zu Dürnan scheint dermal und solange bis die Grenzen
der Territorien dasiger Gegend werden berichtigt werden, nicht
ausführbar zu sein."
Dies ist das letzte Wort des Konstanzer Ordinariats in
der Dürnauer Sache.
Nun griff der Königliche katholische Geistliche Rat in
Stuttgart ein und schrieb am 26. Juni 1810: „Der Pfarrer-
Vogel in Großeislingen wird anmit beauftragt, vi Eommis-
sioiris specialis in Betreff der katholischen Pastoration in
Dürnan über folgende 21 Fragen genaue Untersuchung zu
pflegen und darüber bestimmt und urkundlich anhero zu be-
richten."
Daraufhin entwickelte Vogel eine staunenswerte Rührig-
keit. Er schrieb überallhin, wo er Aufschluß hoffen konnte,
ließ sich Akten schicken aus München, Türkheim und Wasser-
burg in Bayern, untersuchte persönlich in Wiesensteig, Mühl-
hausen, Rechberghausen und Dürnan und glaubte immer noch
die Frühmeßpfründe von Rechberghausen nach Dürnan bringen
zu können. Sein diesbezügliches Schreiben an den Grafen
Degenfeld ist in mehrfacher Hinsicht von Interesse: Die Früh-
meßpfründe in Rechberghausen — sagt er — sei ex ckelectu
luuckLtionis conZruue et uliorum vom Bischöflichen Ordi-
nariat in Konstanz noch nicht bestätigt. Er habe die Inter-
essenten dort vernommen, den Pfarrer Joh. Jakob Dangel-
mair, Joseph Schmidt Frühmesser, und den Schultheiß mit
dem Bürgermeister, „die sich dann sämmtlich zur vorhabenden
Translokation geneigt und willig finden ließen, nur glaubten
Schultheiß und Bürgermeister im Namen der Gemeinde jene
586 fl. 46 kr. 3 hl., so laut Frühmeß-Rechnung von 1798
die Ortseinwohner zu verschiedener Zeit zur Fundirnng einer
Frühmeß-Pfründe beigetragen haben, mit der beigesetzten Er-
klärung reklamiren zu müssen, daß sie mit allerhöchst König!.
Bewilligung gedachte Summe thcils zur iVleliorution der ge-
ringen Pfarr-Einkünfte, theils zur Erbauung eines neuen
Schulhanses verwenden wollten." Bisher trug die Frühweß-
pfründe nur 147 fl. 21 kr. 3 hl. (nach Abzug der Steuern).
Wenn der jetzige testamentarische Nutznießer sterbe, könne sie
nicht mehr besetzt werden und müsse der Ertrag zu andern
milden Zwecken verwendet werden (?). Der beste milde Zweck
liege in Dürnan; durch Verlegung dorthin werde den Katho-
liken in Dürnan geholfen und zugleich dem alten Frühmesser
ein sorgenfreies Alter bereitet. Vogel rechnet also:
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