Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 9
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die Diözese Rottenburg und
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Württemberg M.3.15., im
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von Schwaben
— zugleich Grgnu für deutsche jstircheugeschichre
mit periodischer kirchengeschichtlicher Weltschciu.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nottenbnrg.

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werden.

Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten heransgegeben
von Dp. Eilgrlstrrt Hofele, Pfarrer in Ummendvrf.
Korre sp o nd e >i z e ii wollen gcsl. direkt an Or. Engelbert Hofele, Pfarrer in llininendorf b. Biberach, gerichtet werden.

Nr. 3. Stuttgart, den 1. Februar 1894. 11. Jahrgang.

Inhalt: Eine zu Grunde gegangene Pfarrei, Dürnau, OA. Göppingen, Von Stadtpsarrer P, M. (Fortsetzung.) — Kritik der Wappen der
Minnesinger ans Schwaben, Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in Schwaben und Alaniaunien, Von F-, Mone. (Fort-
setzung,) — Litterarisches. — Miszellen. — Beilage: Ans einem schwäbischen Reichsstiste im vorigen Jahrhundert, Von Amtsrichter
a, D. P. Beck. — Einige Mitteilungen über die Gmünder Lateinschule aus dem Anfang dieses Jahrhunderts.

Eine zu Grunde gegangene Pfarrei, Dürnau,
ON. Göppingen.
Von Stadtpfarrer P, M.
1802 verloren die Kapuziner dnrck einen Schlaganfall
auf einer Wiese ihren pater apiritualis, Schulmeister, Orga-
nisten und Meöner Jvh. Ev. Steinlehner; er war »vir cle
nodis meriti85imu8, Oeo et llomimbrm öilectus, cufus
memoria in beneOictione e3t.« Daneben ist auch eine »ülia
illeAltima ex gallo« eingetragen.
Widerwärtiger wurde die Lage für den Pfarrer Schmid
von Mühlhausen, der nach Abzug der Kapuziner pastorierte
und noch einige Einträge in die Totenliste machte. 1804
wurde ei» katholisches Kiud vom lutherischen Pastor beerdigt,
ebenso 1805 eine von Pfarrer Schmid versehene Frau, nach-
dem der Amtövogl dem katholischen Pfarrer die Erlaubnis
zur Beerdigung verweigert hatte. Auch 1806 wurde eine
wiederholt versehene piissima piwmme gestorbene Fran ohne
katholischen Pfarrer und eine andere gleichfalls versehene vom
protestantischen Geistlichen beerdigt.
1807 starb eine Frau unversehen und diesmal war
Pfarrer Schmid so glücklich, sie beerdigen und eine Leichenrede
in der Kirche halte» zu dürfen; der Sohn der rasch Verstor-
benen, baumwollener strümpfe Weber, Matthäus Schröck, 39
Jahre alt, regte sich über den Todesfall so auf, daß er nach
8 Tagen — versehen — starb; auch er wurde katholisch be-
graben; ebenso 1808 eine alte Fran und endlich 1809 ein
»juvenm iimocenti38imu3, per unckecim mmo3 cancre vel
alio (!) mordo mcurabili laborLN8«; nur unterblieb bei dessen
Begräbnis das Geläut der Glocken, U. I. ?.
Das Verzeichnis der Mitglieder des dritten Or-
dens beginnt mit dem Jahre 1732. ?. Jngenninus aus Ober-
schneidheim, Concivnator in Dürnau, war von seinem Pro-
vinzial ?. Jordan v. Wasserburg zur Einführung des dritten
Ordens bevollmächtigt worden; im ersten Jahr traten 13 Per-
sonen ein, darunter 7 Jungfrauen ans Westerheim, nachdem
dort am 7. Juli eine Predigt bezüglich deö dritten Ordens
gehalten worden war; sonst sind es meist Personen aus dem
„Thäle" , eine Oeclcingana, Oau5pLcllen5i3, IVlilllLU3Lna,
Oixenbaclren^ rc., 1-—2 im Jahr; mit dem Jahr 1775
hört das Verzeichnis auf.

Da beim Eintreffen der Kapuziner im Jahre 1689 „das
ganze Dürnau außer wenigen Personen im völligen Luthera-
nismo begriffen" war, ist das allmähliche Anwachsen der
Katholiken auch durch Uebertritte von Protestanten erfolgt.
Die Konvertiten liste verzeichnet von 1742 —1789
zusammen 64 Personen. 1742 trat eine Frau mit drei Töch-
tern zur katholischen Kirche über, 1743 und 1744 je 3 Frauen;
1745 1 Mann und 1 Frau; 1746 eine ledige Frauensperson
und 1747 4 Frauenspersonen und ein Karl Christophorus
Satter ans Heidenheim, Sohn des »katholischen Pastors,
welcher zuerst 23 Jahre lang die Stelle eines »katholi-
schen Pastor in Sebnrg bekleidet hatte »Haute ckiviuo
Xumine errorem 8uum 53t clare 3grio8cen3 lutlreranam
llaeremu in Xccleaia ura 5pectaute populo uro cllriatiano
aecgue acatlrolicia maximo cum kervore 8piritu3 alchuravit«.
1748 konvertierten 4 Männer und 1 Frau. Fast in jedem
Jahr fanden 2, 3, auch 4 Konversionen statt, 1763 7; von
1765—1774 dagegen keine; 1774 und 1776 je eine; dann
ist letztmals 1789 ein Mann aufgeführt. Unter den Konver-
titen sind aber sicherlich eine Anzahl solcher, die nicht in
Dürnau ansässig waren; auch solche, die vor Eingehung der
Ehe konvertierten und im Eheregister eingetragen sind als:
»priu8 convema«, »aubaecuta mox convemionc« rc.
Auf den letzten Blätter» des Binderschaftsbuchs hat
Pfarrer Schmid von Mühlhausen den 8tatu5 animarum catlro-
licarum nach Abzug der Kapuziner im Jahre 1804 zusammen-
gestellt; es waren 80 Seelen; 1805 83; 1806 62; 1807 57
und heute sind cs noch 2 (!) Seelen in Dürnau; in der
That „eine zu Grunde gegangene katholische Pfarrei". Wer
ist daran schuld? Die Kapuziner nicht. „Nachdem Jhro
Churf. Drl. in Bayern Maximilian Emmanuel anno 1681
den Uvuckum Ouum foannem T^nckream Xmpler Lam-
bergensem Umnconem 33. HUgiae Ooctorem, anhero nach
Dürnau für einen IVIiaaionarium allergnädigst angestöllt, ist
selber gewisser Ursachen willen, wiederum entlassen und solche
Mission von hochgedacht Sr. Churs. Drl. denen ??. Capu-
cinern gdst. deferirt, welche dann von 7V U. ?. Urovincial
?, Victore lVlounc und gesambter Definition, als U. ?.
7^.tkiau33io IVlounc: U. ?. T^clriano XVilckeuau: U. p. foaeplro
lVlouac: und U. ?. Xrlrarcko Uiberdaclr: darum angenommen
sin Betrachtung selbe reiffers erwogen, was; masten unser
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