Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 39
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Wohl daö frühoste (1187) Rmtswappcn, welches im
Ntanesse Codex vvrkvmmt, betrifft zwar keine» Säuger eins
Schwabe» oder Alamannien, sonder» einen Franken von WormS.
Aber man darf darüber einige Worte aus dem Grunde sagen,
weil daraus erkenntlich ist, wie die Wappen in jener Lieder-
handschrift entstanden sind. Als Nr. 3 führt die Manessc
Handschrift den: König Tyrv von Schotten und Fride-
brant seinen Sohn ans »nd giebt ihm einen sogen. Schotten-
mönch oder irischen Einsiedler mit schwarzer Knkull oder Ka-
pntzmantel und weißer Tunika mit Wanderstab in Gold als
Wappen. Offenbar ist der Tyro König von Schotten kein
anderer als ein IZwoltus oder Diervlf, welcher Schirmvogt
(nUvocntriL) der irischen Einsiedler »nd Klosterfrauen i»
WormS und Mainz war und scherzweise „König" genannt wurde.
Die Namen einzelner Dichterlinge im Mancsse Codex,
welchen kein Wappen bcigefügt ist, können ebenfalls nur als
Amtstitel oder Spott- und Ucbcrnamcn erklärt werden. So
findet sich als Nr. 134 ei» Meister Sigchcr als Dichter
anfgeführt. Bei näherer Betrachtung des Wortes Sigehrr
stellt sich dieses als ein Schreibfehler von Hadlanb heraus, es sollte
Sigel her heißen. Unter den Siegelherrn, auch Schlüssel-
herrn (in Speyer 1304 genannt) verstand man eine Kommis-
sion des kleinen Nateö in der städtischen Verwaltung, welcher
daö große Sladtsiegel anvcrtrant war. Ein Sigelher ist mit-
hin ein Ireeper o5 tlre seal, oder ALrUe Ues scmux, ^riarrla
mtPUi. Ans dem Amtsnamen oder Titel wurde mit der Zeit ein
Familienname», welchen die Patrizier Siegler in Ueberlingen
führten. Bekannt ist diese Familie dadurch, daß sie nm 1560
den schöne» Altar von Bronzinv im dortigen Münster malen ließ.
Die obengenannten Beispiele von Pseudonymen und von
fingierten oder Standes- und Bernföwappen im Mancsse Codex
können noch nm einige vermehrt werden, wie das Wappen des
Barthel (Berthvld?) Regen bogen, welches nichts weiter
ist, als das Wappen der Schmicdeznnft in Landau, und
wahrscheinlich auch in Speier.
Es ist jedoch lediglich unsere Aufgabe, daö Verfahre»
zu kennzeichnen, welches Johann Hadlanb anwendete, als er
den Mancsse Codex anfertigte, um in den einzelnen
Fällen seine Wappcn-Nckonstrnttiow nachznweiscn. Aber ge-
neralisieren darf man hierin in keiner der unten zu besprechen-
den Frage». Namentlich darf dieses nicht geschehen bezüglich
der Motwe, welche den einzelnen Dichter veranlaßten, anonym
oder pseudonym oder unter dein Zunft-, oder Pfarrei-, Kirchen-
vder Amtssiegel und Wappen seine Persönlichkeit zu verstecken
und zu verbergen. Es können mancherlei und verschiedene
Gründe obgewaltet habe», welche die Anonymität, oder ein
fingiertes Wappen n. s. w. rechtfertigten. (Fortsetzung folgt.)
Vas ehemalige Peämvnsteatensee-Feanenl'.lestee
Lvchgaeten Uei Mergentheim.
(Non e. Ne»v. St. in Würzbnrg.)
Ungefähr in der Mitte zwischen den beiden Pfarrdörfern
Bernsfelden und Harthansen, etwas abseits von der Mergent-
heimerstraßc, liegt in einer herrlichen, rings mit Wald um-
gebenen Thalschlncht der Hohenlohisch-Langcnbnrgischc Hof
„Loniögarde," welcher außer den Wohn- und Oekonomiege-
bänden 277 Morgen Feld und einige Morgen Wald umfaßt.
Hier lag ehemals daö Franenkloster Lochgarten, ans dessen
Geschichte nachstehend daö Wichtigste mitgcteilt werden sotl.
Der hl. Otto, Bischof von Bamberg, stiftete in dem
fruchtbaren Ochsenfnrter Gau um daö Jahr 1138 das Prä-
monstratenserkloster zu Tückelhausen und zwar als Doppelkloster:
für Männer und Franc». Doch schon bald erfolgte die Ver-

setzung des letzteren nach Lochgarten?) Die dem Kloster
Tückelhausen zugewiescnen Güter erwiesen sich für de» Unter-
halt eines Doppelklostcrs zu gering »nd so kam es ganz ge-
legen, daß die Brüder Konstantin und Giselbert, Angehörige
des Klosters Lorch, ans ihrem väterlichen Gute zu Locardcn
(Lochgarten) ein Franenkloster zu stifte» sich entschlossen.
Gemäß der Urkunde, wodurch König Konrad III. im Einver-
ständnis der Herzoge Friedrich des älter» und des jünger»
von Schwaben als Schntzherrn von Lorch diese Snflnng im
Jahre 1144 bestätigte, sollte cs ein Franenkloster nach der
Regel dcö hl. Augustin seit?), seine Regel und Einrichtung
aber vom Prälaten deö Klosters Nonkis 3. Nnmderti er-
halten; außerdem sollte dasselbe dem Kloster Lorch zinspflich-
tig sein und jährlich einen Goldpfennig im Werte von zwölf
Würzburger Pjennigen dahin entrichten?)
Magma» nun annchmcn, daß unter diesen ölons. 3. iUam-
bmrti das allerdings ans einer Anhöhe gelegene und allenfalls
dem hl. Lambert geweihte Tückelhausen und unter der Regel
dcö hl. Augustin die vom hl. Norbert dem Prämonstratenser-
Ordcn als einer Reform deö Ordens der Angnstinerchorherrn
vvrgeschricbene zu verstehen ist oder nicht.') Thatsache. ist,
daß die Prämonstratenscrinncn von Tückelhausen unter Bischof
Embriko von Würzburg (ch 1146) und mit dessen Zustimmung
nach Lochgarten übersiedcltcn, was Embrikos Nachfolger Ger-
hard im Jahre 1150 urkundlich bestätigte?) Kaiser Fried-
rich I. nahm daö KlostcrLochgarten in seinen nnmittclbare» Schutz
gemäß der Urkunde 6. U. Würzbnrg, 29. Oktober 1155.°)
Im Anfänge dcö 14. Jahrhunderts wurde daö Kloster
Lochgarten mit dem kaum zwei Stunden davon entfernten
Prämonstratenser-Nonnenkloster Scheflersheim a. d. T. ver-
einigt?) Im Jahre 1324 verschrieben sich die Meisterin und
die Sammlnng des Klosters Scheflersheim, für zwei Franc»
wöchentlich eine heilige Messe in der Kapelle zu Lochgarten
lesen zu lassen?) Durch eine im Jahre 1367 ansgestellte
Urkunde wnrde dem Kloster Scheftcröhcim der ruhige Besitz
U Im Jahre 1307 verliehen auch die Prämonstratenser Tückel-
hausen und vereinigten sich mit ihren Milbriidern in dem vom heiligen
Norbert selbst 1>26 gestifteten Kloster Oberzell bei Wnrzbnrg; in Tückel-
hausen ließen sich nun die Karlhänser nieder.
'0 Bekanntlich ist der Pränionstralenser-Orden nur eine Reform
der Angustiner-Chorherrn, und so kann man, wie hier geschehe», statt
„Prämonslratcnserinnen" auch „Angustinerinnen" sage».
°) Die betreffende Urkunde ist abgcdruckt im Wirtembergcr Urknnden-
bnch II, 32.
') An die Benediktinerklöster St. Lambert in der bayerischen Rhein-
pfalz und St. Lambrecht in -Oesterreich ist jedenfalls nicht zu denken.
Diese Urkunde findet sich ebendaselbst S. 54. Daraus ersehen
wir, daß die Trennung der Nonnen vvn den Mönchen „ob uiinmm
temporalium sadsiclivi-am penurmirw geschah, daß aber anfangs in
ihren gegenseitigen Beziehungen sonst keine Acndernng eintreten sollte;
namgue kratres secunclum pristinum volcbat cle labors soroium
vestici, iilae sutenr e Lonvcrso ex opeeidus kealruin Lidari et omnia
sic unum vivere ut priclem, guanilo sub Ullius loci renebamui- com-
na^iae. Man sah aber bald ein, daß damit weder den einen noch den
andern gedient sei, »nd so erfolgte die Gütertrennung; doch hatten die
Nonnen zu Lochgarten unter der geistlichen Leitung der Mönche von
Tückclhansen zu bleiben. Eine dieser Urkunde fast gleichlautende stellte
dann Bischof Heinrich vvn Würzbnrg zwischen 1192 und 1197 ans.
Siehe ebenda S. 273.
°) Abgedruckt ebendaselbst S. 94. Darin ist auch bemerkt, daß
Friedrich vvn Bilrieth (einer seit 1390 zerstörten Burg im Oberamt Hall),
welcher die Advvkatie oder Bvgtei über das Kloster „Lonkharthen" „jure
denekciai'io" befaßt, dieselbe dem Kaiser Friedrich ansgab, Vvn ihm
aber als „äelensor nävocatus" dieses Klosters eingeseht wnrde.
') Das Pramonstratenser-Nonnenklvster Schestershcini wnrde im
Jahre 1162 von Herzog Friedrich von Rothenburg, anS dem Geschlcchte
von Hohenstaufen gestiftet, 1172 von Kaiser Friedrich I., vollendet und
reichlich mit Gütern in der Umgegend beschenkt.
°) Wibel, Lock, cltpl. Hohen!. II, 269.
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