Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 69
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iökkfan-


von Schwaben.

Organ für Geschichte, AltertuniMunde, liuust und Kultur der Oiü-
cese Gattenüurg und der angrenzenden, desonderK der znm früheren
schwäbischen Kr bist und Vorderöstcrreich gehörigen Gebiete.

Hcvansgegeben in eigenem Verlage von Amtsrichter a. D.

in Navensbnrg.

i Annoncen. Anknudigun-
; gen, Inserate rc., ivclche der
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j von der Expcd. des „Deutsch.
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: Bcstellung'-n und Neklama- !
j lionen sind stets an die Ex- t
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Beitrüge, Korrespondenzen re., ebenso Rezensions-Exemplare, Tanschzeitschriften rc. wollen stets gcfl.
wörtliche Redaktion: Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg gerichtet werden.

direkt an die verant-

Wr. IN.

Stuttgart, den 15. «September 1894.

12. Jahrgang.

Schwäbisches ans Schweizer Archiven.
Bon Staatsarchivar Or. Th. v. Lieben an in Luzern.
I. Zur Biographie (Tötung) des G e u e r a lv i k a r s
Gebhard Croaria?)
Als Magister Nikolaus Gundelfiugcr, Propst zu Bero-
münster, im Jahre 1469 seiner laugen Thätigkeit als Ge-
neralvikar Fes Bischofs von Konstanz durch den Tod entrissen
wurde, betrachtete sich der Konstanzer Domherr Or. Gebhard
Croaria, genannt Sattler, als dessen Nachfolger. Wohl er-
nannte ihn der Bischof (Hermann III. von Breiten-Lauden-
berg) znm Gencralvikar; die eidgenössische Tagsatznng in Ba-
den empfahl ihn auch unter dem 22. Juni 1469 zur Wahl
ans die reiche Propstei Münster. Um eher znm Ziele zu ge-
langen, erwarb Croaria auch das Bürgerrecht von Luzern.
Allein der einflußreiche Schultheiß Heinrich von Hunwyl wirkte
sür seinen Neffen, den talentvollen Jost von Silincn, der als
Bischof von Grenoble und Sitten später im Dienste des
Königs von Frankreich sich hervorthat. Silincn wurde wirk-
lich zum Propst von Münster gewählt. — Wie sein Amts-
vorgänger wurde auch Croaria gleich nach seinem Amtsantritte
vielfach befehdet, aber nicht wie Gnndelfinger nur mit spitziger
Feder, sondern mit roher Gewalt. Schon am Gallnstag
1469 wurde Sattler in einer Fehde des snngen Herrn Eber-
hard von Nischach verwundet und der 17. Oktober wird im
Nekrolog des Klosters Magdenan (Laumann Xecrolo^ia II,
453) als Todestag des Vikars genannt. — Da Sattler, frü-
her Nat und Kaplan des Abtes von St. Galle», in der Eid-
genossenschaft einflußreiche Freunde besaß, war zu befürchten,
die Lnzerner möchten nach dem nachfolgend sub a) mitge-
teilten Ansuchen Jes Abtes von St. GallenZ) an den Mör-
dern ihres Mitbürgers Rache nehmen. Der Vater des junge»
Herrn von Nischach suchte dnrch einen gleichfalls sub b) näch-

st Die Cr v aria waren eine nunmehr längst ansgestvrbene Kon-
stanzer Patrizierfamilie, welche um das Jahr 1484 auch in das Ra-
vensbnrger Patriziat ausgenommen wnrde, in RavenSbnrg aber im
16. Jahrhundert wieder verschwand. Um das Jahr 1303 war der
angesehene Jurist Hieronymus cke Lioarm aus Konstanz, ein Freund
des Konr. Celles und des Locher kbiloiousus Professor an der Hoch-
schule von Ingolstadt.
st Dies war der bekannte, zu Wangen im Allgäu im Jahre 1426
als eineS Bäckers Sohn geborene Prälat (1463—1491) Ulrich Rösch,
genannt der „rote UHU", welcher als ein ausgezeichnet thäliger, intel-
ligenter, gewandter und unterrichteter Geschäftsmann dem damals, in-
folge zwiespältiger Abtswnhlen, der Lebensweise seiner adeligen Mit-
glieder, der Fehden mit der Stadt St. Gallen und den Appenzellern
sehr drohenden Verfall des Klosters steuerte, dessen Wohlstand und

folgenden summarischen Bericht über den Vorfall die Lnzerner
zu beruhigen. Diese Relation enthüllt wohl ein düsteres Bild
von dem häuslichen Leben Nischachs, verschleiert aber Ursache
und Verlauf der Fehde. Vermutlich bildet dieser Todesfall
eine Episode in der Fehde zwischen Angehörigen der Abtei
Reichenau und des Konstanzers Ulrich Grünenberg mit dem
Stifte Salmansweiler, sür welches der Stiftsvogt HanS Truch-
seß von Waldburg ausgetreten war (September 1469). Der
Abt voll Salem gab sich damals schon Mühe, die Lnzerner
von der Teilnahme an der Fehde zurückzuhalten. Für das
Stift Neicbenan scheint besonders der Freischarenhänptling,
Schultheiß Heinrich Haßsurter von Luzern, an den Tag-
satznngen in Winterthur und Franenfcld gewirkt zu haben.
a) 1469, 27. October.
Dem kursicbti^en ersamen vnd v^sen Lcbultbe^ssen
vnd Unkte Untrem vnsern Herrn und lieben §ekrrnven
Zuttcn fründen.
Vnser krüntlicb cvilli^ dinst vnd rvas rvir eren liebs
vnd Autx vermuten ru vor. fursicbtiZen ersamen vnd
rv^ssen berrn vnd besunclern Heden vnd Autten iründ.
blacb dem vnd der ercvirdi^ bocbAelert IVIaister Llebbart
Zatler, vnser Unk vnd diener gewesen nrnvlicb elendblicb
vmbbomen ist, dem §ot der allmecbti§ erbarmbertiÜA
sin rvölle, s)-en rvir von sinen fründen tronn^enlicb
nndert, snen AeZen vrver ersambeit mit vnser kurdernuss
bilkklicb vnd erscbutUicb xu sin, damit s^ vcd dester
fürderlicber anZeleAen vnd sr notturkkun§ betracbtet rverd
vnd von vns der genant lVlaister Oebbart säli^ vormalen
d)- sinem leben lieb §esin, aucb krüntlicb Aervessen ist,
so s^-en rvir dester mer ru sinen fründen vnd ?u srem
bitte §enaiAt, uvver ersam rv^ssbait barumbe mit Annt/.em
vlibs ernstlieb okt vnd rvir boenen vnd mu^en bittende,
sr rvölle nacb billicben dingen vcb dem genanten ab-
ZLNAnen ru lieb sine lrüncl beuolcben sin laussen vnd
bierjnne von vnser rve^en vcb §e^en snen in allen §e-
purlicben dingen so vns betlicben sind ru becv^sen, das
s^ enpliinden mu§en, vnser kurdernuss genossen baden.
Das bompt vns vmb vrver kursiebtiAbait in allen Aepmr-
licben sacben 2u bescbulden vnd ^u verdienen. Oeben
vtk vnser pballant^ 2u sank fallen am sr^ta§ näcbst
Ansehen in jeder Beziehung wiederherstellte und so gewissermasjen der
zweite Stifter desselben wnrde (nach Jtdeph. v. Arx, Gesch. von St.
Gallen II S. 301 f. 432 war R. „ein starker, vierschrött, rothaarigter
Mann").
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