Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 60
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stein, Trilheim rc. behandelte Materie, welche einen Einblick
in das Handeln nnd Werken damaliger Kaufmannschaft thnn
läßt nnd daher anch von einen, gewissen zeitgeschichtlichen nnd
volkswirtschaftlichen Interesse ist. Außerdem hat N. eine An-
zahl Predigten und ans seiner reichen Korrespondenz eine
Reihe von Briefen hinterlassen; viele wichtige die Hnssitenfrage
betreffenden Schreibe» sind erst in den im Jahre 1857 zu
Wien erschienene» „iVlonumeirtn conciliorum Zenerul. snec.
XV" veröffentlicht worden. Eine Gesamtausgabe der Niderschen
Werke, soweit sie bis jetzt zum Druck befördert worden sind,
oder anch nur eine Auswahl existiert nicht; seit der letzten
Fvrmikarinöansgabe vom Jahre 1692 ist überhaupt, von
einzelnen, so durch B. Hasak gegebenen Auszügen abgesehen,
nichts mehr von N. gedruckt worden. Ein Bildnis von Nider
hat sich nicht ermitteln lassen. — Nicht zu verwechseln mit
9k. ist der hie nnd da ebenfalls 9k. genannte, zeitgenössische
Johannes de Gamundia (ch zu Wien im Jahre 1441), „der
Bater der mathematischen nnd astronomischen Wissenschaft in
Deutschland".
tJriötil et Uclrnrel. Lcriptores Orcl. Urneelicntoruirr
(Paris 1719), I, S. 792 bis 794. — Apsalterer, Lcriptores
etc. univermtutis Viennensis (Wien 1740), I, S. 112 bis
124 :e. Eigene Nachforschungen nnd Notizen des Verfassers.
— Kurz vor der Einsendung dieser Arbeit an die Red.
der „Atlg. d. Biographie" erschien in Mainz bei Franz
Kirchhcim, 1885, die erste umfassendere Biographie von
u. Schieler, in welcher auch sämtliche Schriften von 9k.
nnd eine Neihe von Quellen anfgeführt sind.

Rritik der Wa;,;irn der Minnesmgrr ans
Schwaben.
Ei» Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in Schwaben und
Alamannien.
Bon F. Mvne.
XVI.
Die zwei Fische ans dem Helme mögen vielleicht eine
Ncminisccnz an ihre Abstammung »nd an ihre Rechte am
Gnadensce beim Hegau sein. Jedoch scheint cs mir wahr-
scheinlicher, daß dieselben sich ans die Tnrniergescllschaft „zum
fische" (Hecht) beziehen, welche Grünenberg als dritte unter
den zwölf Tnrniervercinen anfzählt, nnd welche später d. h.
im 15. Jahrhundert mit der vom Falken oder Habicht zu
einer einzigen Genossenschaft vereinigt wurde. Der Wappen-
inalcr Grüncnberg (1496) zählt die Toggenbnrg aber nicht
unter den Mitgliedern der Gesellschaft vom Fische auf. Et-
was näher kommt man dem Grnndc dieser Helmzier durch
das Wappen der Hcnncberg-Colonna, ans deren gekröntem
Helme^eine wachsende Jnngfran steht, welche mit jeder Hand
einen Fisch hält, dessen Mund an der Krone ist. — Im
Mancste Codex kommen, das Toggenbnrgische Wappen und
das des WachSmnt von Künzich (Winkler von KünSbcrg)
ausgenommen, die Fische nur bei folgendem Wappen »och vor:
Nr. 75 der Düring (im Schilde nnd am Helme). Die
Fische der zwölf Himmelszcichcn folge» ans den Wassermann
nnd gehen dem Widder voran. Es lassen sich mehrere Gründe
denken, ans welchen die Fische des Tierkreises als Helmzier
gewählt worden sein können, aber das sind nur Ver-
mutungen.
Wenn die Mystiker die vier .Hauptrassen der Hunde,
welche in der Heraldik Vorkommen, nicht in ganz spezifischer

Weise symbolisch deuten und benennen würden, so könnte
man sich mit obiger Angabe begnügen. Aber zur Zeit als
Kraft I. »nd II. von Toggenbnrg lebten, haben alle Mystiker
jenen Wappenfiguren eine sinnige mitunter auch weither ge-
holte Bedeutung unterstellt. Dian brachte die Gestalt des
Hundes, insbesondere des Jagdhundes mit der sogenannten
himmlischen Jagd nach dem Einhorn in Beziehung. Bei den
bildlichen Darstellungen der sogenannten Einhornjagd, von
welcher oben in, dritten Abschnitte schon die Rede gewesen,
werde» der Windhund veritas oder justitin, der Fanghnnd
(c. Zrnjus) ebenfalls justitin, der Hetzhund (c. §nliicus)
cnritns, der Leithnnd (c. vennticus) ficles, der Spür- oder
Schweißhund (c. scoticuch spes, die Bracke pnx oder nriseri-
coräin genannt. Diese Rassen, als verschiedene Embleme
oder Symbole für Tugenden (die sogenannten theologischen
Tugenden) aufgefaßt, finden sich anch als Helmzier und ans
Grabmonumenten. AuS diesem Grunde glaube ich, muß der
Kund im Toggcnbnrgischen Schilde als Sinnbild der Hoff-
nung (spes) erklärt werde».
Um sich entscheiden zu können, welches der angeführten
Wappen dem Dichter von Toggenbnrg als das richtige znzu-
sprechen sei, muß man ans die persönlichen Verhältnisse des
letzteren und ans die in der Familie herkömmliche Mystik
Rücksicht nehmen. Der Bischof Heinrich.von Basel
war der Oheim des Sängers, dessen Todesjahr Stälin,
Württcmbergische Geschichte, Band 2, Seite 767, in das Jahr
1259 setzt, indem er hiebei Friedrich Heinrich von der Hagen,
Minnesinger 4,54 folgte. Stälin entscheidet sich also für den
Grafen Kraft I v. Toggenbnrg, den energischen Gegner von
Rudolf von Haböburg. Er war wie es scheint der Vater
der Klementine von Toggenbnrg, welche den Hesso von Uesen-
berg (gest. 1305) heiratete nnd deren Wappen mit dem ihres
EhegemahleS unter denjenigen der lcmcintores, ctonntoreL ek
clonnli'ics-; in der Klosterkirche der Cistercienserinne» in
Wonnenthal bei Kenzingen auf den Wänden abgebildet war
(wie in Manlbronn nnd Salem). Man darf annehmen, daß
schon um 1305—1310, also gleichzeitig mit dem Manesse-
Codex, die Schilde von Hesso von Uesenberg nnd Klementine
von Toggenbnrg an die innere Wand jener Klosterkirche ge-
malt wurde. Diese Wappen wurden um 1760 zum letzten-
male kopiert. Die 1305—1310 bestehende Kirche war näm-
lich im 16. oder 17. Jahrhundert schon abgebrochen worden
und damals hat man zum erstenmale die Donatorcnwappen
abgezeichnet nnd in die neue Kirche übertragen. Im wesent-
lichen halten sich diese Erneuerungen doch treu an das Origi-
nal. Die jüngste Kopie ist veröffentlicht in: „Schan-ins-
Land" 20. Jahrgang, Seile 3. In der Mitte des 13. Jahr-
hunderts von 1250 an bis gegen 1280 war es eine verbreitete
Sitte, die Wappenfignr, wenn diese ein Hund oder Vogel
war, znrückblickcnd (sog. Kopf widergekehrt) darznstellen. Ans
diesem Grunde halte ich das Wvnnenthaler Wappen der
Toggenbnrg für das ältere nnd das allein richtige des Dich-
ters. Nach dieser etwas langen Erörterung über das Toggcn-
bnrgische Wappen ist man wiederum in der Lage, festznstetlen,
daß hier im sogenannten Manesse-Cvdex keine ganz richtige
Zeichnung vorliegt. Daraus ergiebt sich die weitere Schluß-
folgerung, die jetzt in Heidelberg liegende illustrierte Liedcr-
handschrift sei nicht der ursprüngliche und echte Manesse-Eodex,
wie dies Stälin schon 1850 angedenlct hat.

Stuttgart, Buchdrnckerei der Aktieugesellschast „Deutsches Bolksblatt".
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