Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 41
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rchiv
ron Schwaben
— zugleich Organ für deutsche liircheugeschielire
inil periodischer kircheugeschichtlicher Wellschau.
Ülegelmäßige Beilage zum Pastoralblatt sür die Diözese Nolienburg.


Durch al l e Buchha n d- ;
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Mil eiuem Bereiue vou Geistlicheu uud iu Verbindung mit GeschichtSgelehrlen herausgegeben
vou Or. EngLlvort Kvsoli.', Pfarrer iu llmmeudvrf.
Kv r > e jp v ud c u z e u >vc>lten qesl. dirckl au ttr. Euqetbcrl Hoseie, Pfarrer iu ttunueuüarf b. Bilierach, gerichtet iverde».

Nv. 1l. Stuttgart, deu 1. Juni 1894. 1l. LahrgNNg.

Inhalt: Krilit der Wappen der Minnesinger ans Schwaden. Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mhslik in Schwaben und Alaniannien.
Von F. Mvne. (Z-vrlsctumgtt — Die ehemaligen Kapnzinerkliister in Ilcderlingen nnd Bcartdvrf. Nvtl 1'. Beim. Sl. — Beilage: Aus
einem schwäbischen Neichsslislc im vorigen Jahrhundert. Ban Amtsrichter n. D. P. Beck.

Kritik der Wappen der iMinnestnger anü
Schivaken.
Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in Schwaben nnd
Alaniannien.
Ban Mvne.
xm.
Als Resultat unserer bisherigen Untersuchung dürfen wir
festhaltcu: es liegen im Manesse-Eodex Beruf- und Standes -
wappcn vor, wie bei Lit sch ower, Homberg, Regen-
bogen, Burggraf von Nietcnburg, B. von Regens-
b »rg ». a. Ferner sind sprechende Wappen, wie bei Franen-
lob, Reifen, Te fehler in der genannten Handschrift ent-
halten. Ein Teil der Dichter hat unter eigenem Namen,
ein anderer pseudonym, oder unter fingiertem, oder unter dem
Spott- oder Uebernamen, wie der Kanzler, der König
von Schotten (Dierolf von WormS), Spervogel, Bnch-
hcim (von Hahn oder Blawrer), Marner, Tan »Häuser
(Pilgrin voll Tatlne), Franenlob (Heinrich von Meißen)
seine poetischen Leistungen in die Welt gesch'ckt. Daß manche
Sänger daS Wappen der Mutter anstatt tcö Baters führten,
oder ein zweites antiquiertes s?) Familienwappen gebrauchten,
wurde oben bei K vn ra dvon K ir ch berg—B erg—S chelk-
lingen nachgewiese». — Bon den absichtlichen oder unab-
sichtlichen Entstellungen der Namen oder von Schreibfehlern, wie
Endilhart für Orendilharl, Sigehcr für Sigel her,
Gast für Stnndengast war auch schon die Rede. Auch
sind bei den Wappen absichtliche Entstellungen vorgetommen,
wie bei König Heinrich VII. ein goldenes Feld anstatt dcS
silbernen, bei Wolfram von Eschilbach, bei Stammheim brau-
ner Vogel in Gold anstatt grüner Sittich in schräggeteiltem
Schilde. Die entsprechenden Dichter wollten vielleicht — mit-
unter nicht unter ihrem wahren Namen nnd richtigen Wap-
pen bekannt werden! — Das ist auch möglich.
Der subjektive Grund könnte auch bei manchem adeligen
Dichter der gewesen sein, daß er nicht mit den herumziehenden
Vaganten nnd Bacchanten-Dichtern in einen Topf in der öffent-
lichen Meinung geworfen werden wollte. Die Ehre seiner
Familie hat ihm daö nicht gestattet. Aehnliche Vorurteile be-
stehen noch heutzutage, indem sich nicht wenige Männer da-
gegen sträuben, zn den Litteraten, Künstlern, Agenten, Pro-
fessoren, Theologen, Apotheker», Mireankraten, Advokaten,
Schulmeistern oder Kurpfuschern gezählt zn werden. Solche

Vorurteile herrschten auch im 16. nnd 17. Jahrhundert bei
gebildete» Nationen. Ich erinnere nur an Lord Schrewsbury,
der unter dem Namen William Shakspeare Theaterstücke schrieb.
Ans ähnlichen Gründen kennt man mit Sicherheit bis jetzt
noch nicht die Namen der Dichter des Nibelungenliedes oder
der Nibelungenlieder nnd der Gndrn». Rücksichten auf ihre
kirchliche Stellung oder auf ihre Familie (?) veranlaßle jene
Poeten, anonym anfzntreten.
Ein schlagendes Beispiel, wie selbstgewählte Namen und
Wappen der Dichterlinge von Mancsse Hadlanb mißverstan-
den nnd deshalb entstellt wurden, bietet der unter Nr. 57 anf-
geführte Sänger Hirttillmrt von ^.UelburZ mit den zwei
KrebSscheercn am Helme. Sein richtiger pseudonymer Name
ist Orenckelkurt Wclebor, d. h. der wie Orendcl (Orientale)
hin- und hcrziehendc Storch. (Adebor ist der Name des Stor-
chen in der Tiersabel.) Die Orendelsage ist daö Gegenstück
znm hl. Wendel und erzählt die Fahrten eines ruhelosen
OrienlfahrcrS. Nach W. Scherer, Geschichte der deutschen
Litteratnr, ist diese Sage erst nach 1187 anfgekommen (waS
ein Irrtum von Scherer ist), vgl. H a r k e n s e e, Untersuchun-
gen über daö Spielmannsgedicht Orendel (Kiel 1879). Ob-
schon cü evident ist, daß hier ein Pseudonym nnd ein Schreib-
fehler vvrliege», hält Zangemeistcr doch an dem Wortlaute der
Hadlanbschen Handschrift fest nnd sicht in dem Namen Adelen-
bnrg, Adelnbnrg, Adelbnrg an der Lader (an welcher ?), in
Bayern ein historisches Adelsgeschlecht, dem der Dichter ange-
hört baben soll. Man könnte ebensogut an das Prämonstra-
tenserkloster Adelberg, gestiftet 1181, in Wirtemberg denken.
Die Krcbsscheeren sind aber Symbol des Unglückes, schon
daraus erkennt man, daß hier ei» allegorischer Name in Endil-
hardt von Adelbnrg versteckt sein muß. sHOb Endilhart von
Adelbnrg identisch ist mit dem Dichter des Tristrant, rer
Eilhard von Oberge genannt wird, um 1170 lebte nnd
bei Hildcsheim zn Hanse war, darüber wird unten die Rede
sein. Um der Entstehung des fingierten Namens Orendclhart
Adebor näher zn kommen, habe ich versucht, eine Adelsfamilie
anfznfinden, welche den Storch im Wappen führt nnd in
welcher der Vornahme Orendcl verkommt. Es hat sich aber
kein Resultat ergeben. Nur die Familie. von Weiler im
Speßhart führt einen silbernen Storch mit, zwei Hälsen im
blauen Felde. Die Orendelsage ist eine Parabel. Der ruhe-
lose Wanderer Orendel ist der sündhafte Mensch, der in der
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