Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 73
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Nb'. 10 (mit Beilage Nr. 5).

Anttgart, de» t. Oktober 1894.

12. Jahrgang.

Maximilian Ernst, Graf;n Oettingvn-Baldrrn,
als Student gl Ingolstadt 1665—1667.
Vvm fiirstl. Archivar vr. Jos. Weist in Wallerstein.
Ingolstadt wurde bald nach seiner Gründung gewisser-
maßen die Hansnniversilät dcö schwäbischen GrafengcschlechteS
derer zn Dettingen. Der 28. Rektor und erste ans der
Studentenschaft ist 1486 der 1484 immatrikulierte Graf
Joachim. Zehn Jahre darnach, da Konrad Celtcs als ordent-
licher Professor lehrt und das Georgiannm gegründet wird,
treffen wir Joachims Vetter, Ludwig Xlll. Joachims Sohne,
Martin und Ludwig XIV. studieren in Ingolstadt 1514
unter Celtcs Nachfolger Jakob Locher genannt Philomnsoö
und Martin bekleidet 1517 während der Lehrthätigteit Aven-
tins, Joh. Agricolas und Joh. Ecks als Nachfolger des
Herzogs Ernst von Bayern die NektoratSwnrde. Wilhelm,
der Sohn Ludwigs XV. und Bruder Ludwigs XVI., von
denen beiden die 1731 auSgestorbene protestantische Linie
Oettingen-Oettingcn ihren Ansgang nahm, begegnet uns 1537
gleichzeitig mit Herzog Albrecht V. von Bayern als dessen
„tamilinim", wie das Matrikelbuch vermerkt. Seine Neffen
Wilhelm 11. und Friedrich der Nördlingcr gelangen wieder
1557 bczw. 1572 zn den Ehren des Rektorates. Wil-
helms II. Söhne: Wilhelm III. (Stifter der jetzt lebende»
Linie Octtingen-Spielberg), Wolfgang III. (Stifter der jetzt
lebenden Linie Oettingcn-Wallerstein), Karl, Ulrich und
Ernst I. (Stifter der 1798 erloschenen Linie Oettingcn-Bal-
dcrn) erhielten ihre gelehrte Bildung ebenfalls in Ingolstadt
1583, 1590, 1586, 1590 und 1601, wie auch Wilhelms III.
Sohn Johann Albrecht 1608 und die Söhne Erusts I.:
Martin Franz 1620 (dessen Sohn Ferdinand Maximilian
1652), Ulrich und Friedrich Wilhelm 1634. Es waren die
Zeiten, da die Universität einen Petrus CanijinS, Jak. Greiser
und Jak. Balde zn ihren Zierden rechnen durfte. Die stete
Fürsorge der nlmn mnter Duckovicn für die Erhaltung des
Katholizismus ist nicht minder auch in die religiösen An-
schauungen ihrer Söhne ans dem ötlingischen Grafenhanse,
welche gerade bei ihr in den Zeiten der kirchlichen Wirren
ihre geistige Nahrung suchten, übergegangen. Ja, das; diese
Grafen bezw. die Linien Spiclberg, Wackerstem und Bälden,
damals unentwegt beim alten Glauben verblieben sind, ist
zweifelsohne ein gewisses moralisches Verdienst jener Hoch-
schule. Und man dürfte wohl nicht zn weit gehen speziell
mit der Annahme, das; die orthodoxe Entsebiedenhcit. welche
Graf Martin für seine Lande in der Abwehr kirchlicher
Neuerungen an den Tag gelegt hat, sozusagen ihre akademi-

sche Grundlage empfangen habe in der Jngolstadter Geiste s-
lnft und nicht ohne Einflüsse Joh. Ecks, der Prorektor war
unter Martins Rektorat.
Der nächste Dettingen, der seine Schritte wiederum nach
unserer Mnsenstadt lenkte, war Friedrich Wilhelms Sohn
Maximilian Ernst.') Von dem damals Tattenbachischen
Ganowitz auö, dem heutigen Gonobitz in der Nähe Marburgs
in der Steiermark (seit 1598 führen die Tattenbach den Titel
„Freiherrn von Ganowitz"), schrieb er am 15. Juli 1664
einen gar flehentlichen rhetorischen Brief an seinen Vater, das;
er ihn doch nach Hanse nehmen möge ans dem steiermärki-
schen Winkel, wo er so ganz verkümmern müsse, ohne nach
dem Beispiel der anderen adeligen Jünglinge sei eS durch
„Exerzitien" d. h. durch Erlernen der ritterlichen Künste und
fremden Sprachen, sei es durch Reisen ins Ausland nament-
lich nach Paris eine fashionable Bildung erwerben oder
sei eS durch Kriegsdienste eine standesgemäße Thätigkeit finden
zn können. „Ob dieses zn meiner Ersprießlichkeit gereichen
sollte, wenn ich allhier ohne einzige stucliis, ohne einzige Er-
lernung der Exerzitien, in der höchsten Melancholie meine
junge unwiderrufliche Zeit also unnütz verzehren sollte? ob
dieses zn meiner Wohlfahrt ausschlagen möchte, wenn ich
allhier in unartigen Gebärde» ohne Durchreisnng der Länder
oder Erfahrung des Kriegswesens mein Leben mühselig zn-
bringe? ob dieses ckenchue zu meinem Nutzen könnte gerechnet
werden, daß ich meine, dem Höchsten sei es gedankt, von
Euer Gnaden meinem gnädigen Herrn Vätern herrührende
und cingegossenen gute tmlentn ohne einzige Eintretnng in
Euer Gnaden meines gnädigen Herrn Vater» oder meiner
lobwnrdigcn, von Euer Gnaden ans, Voreltern Fnßtapfen
mit höchsten injuriig Euer Gnaden hochansehnlichcr Familie
also elendig verbringen und vollziehen sollte? Denn Illorntius
sagtet: est in juvencis et in e^uis pntruni vi§or nec^ue
cniin imbellem teroees prc>§enernnt n^uilne columönm.
') Friedrich Wilhelm, 1618—1677, Neichsgraf zu Oellingen,
Herr ans Wallcrstein, Kapenstein, Buldern und Anshansten, kaiserlicher
Kämmerer und Hofkriegsrat, vermählte sich 1646 mit Nvsine Susanne
(st 1664), geb. Krciin vvn Trnbeneck. Sie war die Witwe des Gra-
sen Gottfried Hermann von Nheinstcin und Tattenbach und hatte
ans dieser Ehe fünf Kinder, darunter Gottfried Wilhelm, knrbayrischen
Rat und Oberstallmeister, und Franziska Jsabella. Gattin deS Grafen
-ovh. Ferdin. Alb. vvn Preysing. Friedrich Wilhelms Kinder wa-
ren: Maximilian Ern st (1647—1668), Maria Th eresia Anna
6051—1710; vermahlt 1679 mit Gras Franz Ernst Fngacr-Kirch-
berg) und Nvtger Wilhelm (1633-1693. lieber ihn val. Beil,
z. AngSb. Postztg. 1893, Nr. 42 ff.s.
Larminnm Nb. IV, 4
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