Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 33
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von Schwaben
— zugleich Gegan für deutsche Wrchengeschichte —
mit periodischer kirchengeschichtlicher Weltschau.
Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt für die Diözese Nvtteubnrg.


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Mit einem Vereine von Geistlichen und in Verbindung mit Geschichtsgelehrten heransgegeben
von Ov. Engelbert Hnfele, Pfarrer in Ummendorf.
Karrespv nd enze n >volle» gefl. direkt an l)r. Engelbert Hofele, Pfarrer in Ninniendarf b. Biberach, gerichtet werden.

Nr. Stuttgart, den 1. Mai 1894. 11. Jahrgang.

Inhalt: Kritik der Wappen der Minnesinger aus Schwaben. Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in Schwaben und Alaniannien.
Von F. Mone. (Fortsetzung.) — Das ehemalige Doininikaner-Franenklvster Nilgacker in Linzgan. Von v. Benv. St. — Litterarisches.
— Miszellen.

Kritik der Wappen der -Minnesinger aus
Schwaben.
Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in Schwaben und
Alainannicn.
Von F. Mone.
XI.
In gleicher Weise hat die lanretanische Litanei mit ihren
sinnbildlichen Anrufungen der hl. Jungfrau die symbolischen
Wappenfignrcn für die Marienkirchen und deren Pfarrgcmcin-
den veranlaßt. — Es lag hierauf nahe, die Attribute der-
jenigen Heiligen, welche Himmclspatrone der betreffenden Kir-
chen und Pfarreien waren, als Wappensigur zu wählen, wie
den Schlüssel für den hl. Petrus (Worms, Bremen, NegenS-
bnrg, St. Emmeran), das Andreaskreuz für den hl. Andreas,
das Schwert für den hl. Paulus. An die Stellen der heid-
nischen Figuren setzte man berühmte Heilige mit ihren Attri-
buten, wie für den Wärwolf den hl. Gangolf (Gangwulf)
und Wolfgang, für Wodan auf weißem Roß den hl. Martin
n. s. w. S. K. A. Oberle, Ueberreste germanischen Heiden-
tums im Christentum, 1883. Daß noch im 17. Jahrhundert
beim Volke sich viele heidnische Anschauungen erhalten haben,
wurde in der Prvgrammbeilage, von Karl Ämcrsbach: „Aber-
glaube, Sage und Märchen bei Grimmelshausen", Baden-
Baden 1891, nacbgewiescn.
DaS gewöhnlichste Tier in den Wappenschildern ist der
Löwe, entweder springend oder stehend. Da erst durch das
Christentum, die Psalmen und die Krcuzzüge dieses Tier den
Deutschen allgemeiner, aber nicht wissenschaftlich bekannt wurde,
so muß man annchmcn, dasselbe sei durch die Christianisierung
an die Stelle des heidnischen Wer- Wehr- oder Wärwolfes
getreten. Unter diesem fabelhaften Wesen verstand man den
Teufel (circumiirsessio diuboli) oder eine» Niesen, welcher
die Gestalt eines Wolfes annehmen tonnte und wie ein Wolf
heulte. Ich verweise hier auf Leubnscher, über die Wär-
wölfe und Tierverwandlungen, Berlin 1850, und auf Karl
Meyer, Aberglaube des Mittelalters und der nächstfolgenden
Jahrhunderte, Basel 1884. — Sehr sinnig hat die katho-
lische Kirche den Wärwolf aus der Heraldik durch den Löwen ver-
drängt, indem sie denjenigen Löwen dem Menschen vor Angen
stellte, den er in dem wichtigsten Momente des Lebens anrnft,
d. h. wenn die Seele den Körper verläßt und das irdische
Leben aufhört, daS ist beim Sterben. Der Priester reicht

dem Sterbenden daS Kruzifix znm Kusse mit den Worten:
ecce crucem domiui — luZite partes udversae (der Teufel)
— vielt ieo de tribu )udu! Da der ganze Zweck des
Lebens des Christen ein seliger und glücklicher Tod sein soll,
so hat man als Emblem oder Symbol den Löwen vom Stamme
Inda, d. h. Christus selbst als Wappensigur gewählt, weil
die Anrufung desselben die letzten Worte des selig sterbende»
Christen sind. — Wenn G. LoniS Leckere Bnffon von dem
Löwen sagt: le liou u duns su pbz-sionomie un me1un§e de
nodlesse, d'ussuruuce^ de Zravite et d'uuduce n. s. w.,
so darf man dem entgegenhalten, daß in dieser Weise der
Löwe nicht immer in der Bibel anfgefaßt wurde und daß er
nicht von dieser Seite dem christlichen Volke bekannt war.
Außer dem Löwen spielt besonders der Hund in der
Heraldik eine Nolle, aber nicht in dem heute herrschenden
Sinne als Symbol der Treue oder der Wachsamkeit, sonder»
nach der Einhornjagd der Mystiker als Sinnbild der Gerechtig-
keit, des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Wahrheit
und des Friedens (oder der Bannberzigkeit). Da ich hierüber
bei der Einhornjagd, Forschung III bei Nr. 17 Gottfried
v. Reifen schon gesprochen habe, so kann hier auf Nr. 3
dieses Aufsatzes verwiesen werden.
Der Ziegenbvck (Euper Idrcus), wie auch der Stein-
bock (Euper Ibex), welcbe als Wappenfignren nicht selten
sind, wurden ans der germanischen Mythologie entlehnt. Am
Fuße der Weltesche weiset eine Ziege, der Wagen des Donner-
Gottes ist mit Ziegen bespannt n. a. m. Da der Stcinbock
die Wappensigur von Granbünden ist, durch welches die kaiser-
licke Straße über die Alpen nach Nom führt, so haben die-
jenigen Adeligen, welchen die Bewachung und Sicherung dieser
Straßen anvertrant war, den Steinbock oder die Hörner
desselben in ihr Wappen ausgenommen, wie die Bodman,
Lntrnm (Lentrum), Bock, Böklin, die Enzenberg, Gebsattel,
Zillenhart, die Gremlich und Nenbrnnn. Die Hörner als Helm-
zier nahmen die Markgrafen von Verona-Baden an, weil sie
mit der Bnrghnt von Hohenbodman bei Owingen an dieser
Straße belehnt waren.
Der Falke, später als Adler gezeichnet und erklärt, ist
die deutsche Auffassung der Harpyien, was schon die Ety-
mologie zeigt, denn burpe beißt der Falke, der Schreiadler
(kuico uuevius). Von den Nachtranbvögeln sind einige aus
naheliegenden Gründen wie das sog. Leichenhnhn (5l,ix
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