Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 40
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seiner Güter und Gilten iin Lochgcivtcn n»d Umgehend ver-
sichert.-) Im Bauernkriege wurde das Klvstcr Scheftersheün
zerstört und dei Ort bald darauf prvtestaiuisch. Im Jahre 1528
kam daS Klostorgnt einschließlich Lvchgarten an Hohenlohe.
1561 wnirde Lvchgarten teilweise nnigebant und die Oekononiic
neu eingerichtet. Letztere wurde durch Bestandbaucru, nachher
durch herrschaftliche Penhlev betrieben. 1569 wurde das alte
ThorhänSlcin abgcbrvcheu und 1570 dabei ein See gegraben.
DaS Jnsclschlvß, welches später den Namen „LvniSgardc"
erhielt, hat eine sehr schöne Umgebung.

Schwütusche Künstler in der Narthanse Vnx-
lir'in, Ochsenlzansen. Ottodenren, Einsiedeln,
Weingarten, Notiz, Schnssenried.
(Aus eiueni Aussatze Becks im „Archiv für christliche Knust" v. 1892,
S. 88-91 (über „Kunsthandwerker früherer Zeilen" ic.)
I» der in der Nähe vvn Ottvbenreu (oder Memmingen)
gelegenen Karlhause Buxheim sollen nach begründeter Tradition
um daö Jahr 1600 die unvergleichlichen, im Jahre 1883 lei-
der zur ewigen Schande heransgerissenen und im Herbst des-
selben Jahres verkauften Chorstühlc der ehemaligen Kloster-
kirche von den dortigen Karthänser», welche als Bildhauer
hier höchst Bedeutendes geleistet, hergestellt worden sei» »nd
die Arbeit eine Zeit von 50 Jahren in Anspruch genommen
haben. Diese Bnxheimer Chorstühle, welche mit dem groß-
artigen Portale samt Thüre, mit ihrem Originalbcschläge und
Schloß in reichster schönster Schmiedarbeit, ein zusammen-
hängendes, drei Wandflächen bedeckendes Ganze bilden und
31 Cinzelsitze, getrennt durch rcichfigürlich und ornamental
geschniuene, durchbrochene Zwischenwände, enthalten und an
denen alles ohne Ausnahme in Eichenholz gearbeitet ist, sind
von solcher Pracht , solchem Reichtum der Arbeit und Ideen
und von so meisterhafter Durchführung und Vollendung, daß
wenige Werke der Holzschneidekunst und Bildhauerei inncr-
nnd außerhalb Deutschlands ihnen an die Seite gestellt wer-
de» können. Jede einzelne der 31, in Nischen an der Wand
über den 31 Sitzen befindlichen, frei in reich geschnitzten Um-
rahmungen stehenden Heiligenfiguren, von denen nur drei
Stücke fehle», ist ein Meisterwerk der Schnitzerei für sich;
das mächtige, von den Stnhlscheidewändcn getragene Gesimse,
mit Jrnchtgehangen reich profiliert, trägt teils eine in reichster
durchbrochener Arbeit hergestelltc Ornamcntalschnitzerei, teils
eine Anzahl vvn altlestamentlichen »nd andern Figuren von
wunderbarster Konzeption und künstleriscbcr Vollendung bis
inö Detail. In ähnlicher Weise erweist sich die Brüstung
mit der erstaunlichen reichen Zeichnung und Schnitzerei, mit
ihren Friesen und Karyatiden von Engeln und Engelsköpfen,
ihren herrlichen Füllungen der Vorderseite, selbst als hoch-
künstlcrischcö Meisterwerk der Bildncrei, und als solches re-
präsentiert sich auch die Thüre mit reichem Schnitzwerk und
üppigen Füllungen, mit dem sic umrahmenden, Prächtig ge-
schnittene» Portale und dem herrliche» Nenaissanceanfsatze nebst
seinen drei freistehenden EngelSfignren. — Archiv für christ-
liche Knnst, Stuttgart, 1892, Nr. 10.
Im Jahre 1673 lies; das Bencdiklinerstift Ochscnhanscn
die ihm unterstehende Pfarrkirche zu Steinhaufen a. Rottum
durch den Klosterarchitckten Pater Benno Waid mann neu
erbauen, in welche der Bildhauer Laienbruder Bonifaz ans dem
Benediktiucrklvster Jsny das Schrcinwerk und die Bildhaner-
arbcit lieferte.
') Wibel, a. a. O. I, 91.

Der großartige Plan zur vollständigen Erweiterung des
Klosters zu Ottobenren, welches Schwabens Eseuriat ge-
nannt wird, rührte zum größten Teile vvn einem Konven-
tualen Pater Christoph Vogt ans Dietenheim her.
Noch vor Ottobenren hat Einsiedel», die Königin der
süddeutschen Stifte, in den Jahren 1721 bis 1735 seine
Stiftskirche neu erbaut; in der Glaserwertstätte daselbst
arbeitete der Bruder Benedikt Sch eff old ans Schwaben.
Bei der in den Jahren 1715—1724 nach dem Entwürfe
des württembergischcn LandbandirektorS Joseph Frisoni
ans Laino am Kvmersee erbauten großartigen Kloster- bezw.
Pfarrkirche von Alldorf Weingarten fungierte n. a. der dortige
Laienbruder Andreas Scheck ans Bregenz als anSführen-
dcr Baumeister. Ebendaselbst kennen wir einen Klosterschreiner
Joseph Koch, der bei der Herstellung des Chorgestühls
und der Schnitzwerke in der Sakristei behilflich war, sowie
einen Laienbruder Franz Heine 1724—1752, welcher n. a.
Fassung und Vergoldung deö Orgclgehcinses besorgte; gegen
Ende deS vorigen Jahrhunderts als Orgelmacher den dortigen
Klosterbruder Matthäus Hefele anö Hofen ch 1704.
Bei dem ganzen, erst zu Ende des vorigen Jahrhunderts
unternommenen Ban der herrlichen Kirche zur hl. Verena zu
Roth (vulgo Mönchroch) leistete kein Architekt vvn Profession
Dienste, sondern der Prälat selbst, Willibold Heß, deö
dortigen Prämonstratenserreichöstifies entwarf mit einigen seiner
Konventnalcn, nämlich dem Pater Binder als Banansseher,
dem Pater Johann Martin Barten als Nißentwcrfer
und dem Pater Mauritius Sohler als Verfertiger der
Modelle, den Riß und leitete die Ausführung. Ein Pracht-
stück der inneren Einrichtung dieses Tempels sind u. a. die
ans der alten Kirche herübcrgekommenen Chorstühle vom
Jahre 1693, vielleicht auch eine Arbeit eines Klosterbruders.
Ans Schnssenried nennen wir den Klostcrschmied Tobias
und den Orgelbauer »nd nachherigcn Baumeister Pater Ever-
mod Schmid.
Miszrllen.
Ein tapferer Ul in er Sohn. Bei der am 12. April >809
erfolgte» Einnahme der vvn den Bagern besetzten Stadt Hall bei
Innsbruck nnd der Gefangennahme eines bayerischen leichten Jnsanterie-
bntaillons unter dem Oberstlientcnant von Bernela» durch die Tiroler
Insurgenten wollte sich - so nach Haller Lokaluachrichten — ein an
der Ji,„brücke ansgestcllles bayerisches Piket absolut nicht ergeben und
verteidigte sich gegen alle Angriffe aufs tapferste und hartnäckigste.
Der Kommandant der Tiroler, der Landesschützenmajor nnd bekannte
kürzlich auch im Drama von Karl Domnnig (derselbe, Jvs. Straub,
eine Episode ans dem Tiroler F-reiheilSkampfe, Innsbruck, Verlag
der Wagnerschen Verlagsbuchhandlung, 1885) verewigte Haller Kronen-
wirt Jvs. Ignaz Straub ließ den kvmmandierenden Lieutenant
Merkel — den Sohn eines Handelsmannes anS Ulm — wiederholt
anssordern, sich zu ergeben nnd sich nnd seine Leute nicht unnützer
Weise noch länger zu widersetzcn. Allein der mnwvlte Offizier ent>
gegncte: „Ich werde mich solange niclst ergeben, als ich noch einen
Mann habe, und mir das NaStnch im Sacke nicht brennt." Ans diese
Erklärung ging Straub selbst von zwei seiner besten Schützen begleitet
gegen daS Piket vor nnd gleich der erste Schuß streckte den tnpsern
Offizier nieder. Im Verlaufe wurde dann das Piket überwältigt und
gefangen genommen. Der brave Offizier war nicht tot, aber kötlich
am Halse verwundet. Der biedere Straub nahm sich sofort des Ver-
wundeten an, wie ein Vater seines Sohnes sich annimmt, nnd hatte
die Freude, daß dieser echt spartanische Kriegsmann in verhältnismäßig
kurzer Zeit glücklich hergcstcllt, mit nassen Augen Abschied nahm. -eü.
In oirionor Sache. Die geehrten Herren „Pfleger" werden
höfl. ersucht, gelegentlich bei ihren archivalischen Forschungen Material
für das Diveesan-Archiv,.nebenher zu sammeln. Von 1895 ab
alodann ein stattlicher Bqicko als Jahresschrift wie das Frei-
burger Diveesan-Archiv. De. Hofelc.

Stuttgart, Bnchdrnckcrei der Alliengesellschast „Deutsches Volksblatl",
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