Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 81
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1894/0089
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Erscheint monatlich zwei-
mal n.ist halbjährlich durch
die P o stz.Preisv.M. 1.90
ohne Vcstcllgebnhr; durch
alle Buchhandlungen,
sowie gegen Einsendung des
Betrags direkt von der
Expedition dcS „Dcu l-
schcn Volksblatts" in
Stuttgart, Urbansstr.94,zu
beziehen; einzelne Num-
mern, soivcit Borrat, zum
Preis von 20 Pf.; Doppel-
nummern zum Preis von
40 Pf. je exkl. Portos.


imeson-


von Schwaben.

Organ für Geschichte, Altertums,üunde, Nun st und tiulcur der !
Oioccse Gottenüurg und der angrenzenden Gebiete. r
Hcransgegeben und redigiert von Amtsrichter a. D. VevK in Ravensburg. ^
Beiträge, Korrespondenzen re., ebenso Rezensions-Exemplare, Tauschzeitschristen re. wollen stets gefl. direkt an
Amtsrichter a. D. Beck in "Ravens barg gerichtet werden.

Annoncen, Anlündignii-
kcn, Jnscrotc rc-, welche der
Richlnng dieser Zcilschrist
nicht zuwidcrlauscn, werden
von der Expcd. des „Deutsch.
Voilöbt." in Stuttgart cnt-
gegcngcnoinmen ».pr.Peni-
zcilc oder deren Raum mit
iSPs., buchhändlerischeBei-
tagen, Prospekten, dgt.nach
Ucbcrclnkunst beiechiicr —
Bestellungen und Reklama-
tionen sind stets an die Ex.
pcdilion (und nicht an die
Redaktion) zu richten.

Nr. 21 u. 22 (Doppelnnmmer). Stuttgart, den 1./15. November 1894. 12. IgchrgaMl.

Zur Rrnuknis der Werke Bartholomäus
Zeitkloms.
Von Max Bach in Stuttgart.
Im II. (1879) und IV. Jahrgang (1881) der „Würt-
tembergisrben Vierteljahrshefte für Landesgeschichte" (S. 136
bis 138; S. 104—109) habe ich Studien über Zeit-
blom veröffentlicht, die jetzt mehrfach der Ergänzung und
Berichtigung bedürfen. Auch in der seitdem angewachsenen
knnstgeschichtlichen Litteratnr ist manches früher nicht beachtete
Werk dieses Meisters näher beschrieben und gewürdigt wor-
den. Schon längst war eö daher mein Wunsch, alle in
knnstgeschichtlichen Handbüchern — welche aber leider die alten
Unrichtigkeiten und Jrrtümer meist immer noch mit sich
führen — erwähnten Gemälde Zeitbloms auf einer Route
kennen zu lernen. Dieser Wunsch ist mir nun durch das
Entgegenkommen des K. Ministerium des Kirchen- und Schul-
wesens erfüllt worden, und im nachfolgenden soll zunächst
einmal versucht werden, die unsichere Chronologie im Leben
und Schaffen des Meisters und die Provenienz seiner Werke
einigermaßen sicher zu stellen. Eine ähnliche knnsthistorische
Studie von mir ist inzwischen mit Abbildungen in Lützows
„Zeitschrift für bildende Kunst", 1893, S. 121 ff., 1894,
S. 201 ff., S. 235—240, elschienen.
Infolge der ungeschickten Zuweisung des Nördlinger
Hcce-üomo-Bildes von Herlen an Zeitblvm, hat man dessen
Thätigkeit viel zu früh angesetzt. Dieses Nördlinger Bild
trägt bekanntlich außer einem irrigerweise für das Zeichen
Zeitbloms ansgegebenen Monogramm die Jahrzahl 1468,
und diese Zahl wird leider immer noch bis in die neueste
Zeit in Galerie-Katalogen als Anfang seiner Thätigkeit an-
gegeben, obgleich schon Harzen, in seinem nachher noch öfter
zu besprechenden Aufsatz in „Naumanns Archiv für zeichnende
Künste" (1860), S. 27 ff., die Sache richtig gestellt hat.
Nach früheren Forschungen von Jäger und Weyermann (deren
Angaben bisher eine Kontrole nicht erfahren haben) tritt der
Name Zeitbloms') erstmals 1484 in den Ulmischen Steuer-
büchern auf; ein Jahr früher wird dessen Verheiratung mit
einer Tochter des Malers Hans Schühlcin angenommen.
Worauf beruht das? — Man fand in den Zinsbüchern der
Pfarrkirchenbaupflege, welche von 1485—1512 verhanden
sind, öfter den Namen Hans Schühlein; derselbe war von
1495 -1503 einer der drei Pfleger und zinst im Jahr 1499
als Inhaber eines Stuhls in Münster gemeinschaftlich mit
0 Anmerkung der Red. Die Familie Z. selbst scheint aus
Augsburg zu stammen, woselbst dieser Name in den Steuerbüchern
am Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts öfter vorkominl;
so erscheint ein Fritz Zeitblum (Zhlblum, Tzhtblum) von 1391—98;
und es ist sonach nicht unwahrscheinlich, daß bei dem damals sehr regen
Verkehr beider Reichsstädte diese Familie nach lllni nbcrsiedclte
(A. Allg. Zeitg., Jahrgang 1872, Beilage Nr. 116).

„Zeitplnom seim Tochtermann" 2 Ort. Daraus schloß man
nun: Zeitblom der Maler, muß, weil er erstmals 1484 im
Steuerbuch erscheint, 1483 eine Tochter Hans Schühleins
geheiratet haben und weiter wird daraus gefolgert, Zeitblom
müsse ein Schüler Schühleins gewesen sein. Ans spätere»
Einträgen in den Zinsbüchern ist zu ersehen, daß Zeitblom,
der jetzt auch durch seinen Vornamen Bartholomäus näher
bezeichnet wird, noch 1512 einen Stuhl besaß, für den er
2 Ort bezahlt, denselben aber bis 1509 mit seinem Schwa-
ger Daniel Schühlein teilt („Ulmer Münstcrblätter", III. und
IV. 1883, S. 93). Gewiß ist also nur, daß Zeitblvm mit
einer Tochter Schühleins verheiratet war; wann das geschah
weiß man nicht, ebensowenig läßt sich daö Schulverhältnis
zn Schühlein beweisen, denn Zeitblom, über dessen Schulung
und Bildungsgang nur Vermutungen herrschen, tritt von
Anfang an ziemlich selbständig auf, während bei Schühlein
(siehe über Schühlein meine Studie bei Lützow, 1893, a. a. O.)
eine Anlehnung an Wohlgemut unverkennbar ist.
Als ein Jugendwerk Zeitbloms, welches er in Gemein-
schaft mit Schühlein solle ansgeführt haben, wird fast in
allen Handbüchern ein Altarwerk zu Münster bei Augsburg
genannt. Ich habe darüber eingehend an dem eben voran-
gegebenen Ort geschrieben und erwähne hier nur, daß zwei
zersägte Flügel dieses Altars, dessen Außenseiten jetzt zn einer
Tafel vereinigt sind, sich zur Zeit im National-Mnsenm zn
Budapest befinden, wohin sie ans Privatbesitz gekommen sind.
Auf diesen Außenseiten sieht man eine Versammlung der
zwölf Jünger Jesn im Gemach der hl. Jungfrau, welche an
einem,Betp»lte kniet und ohne Zweifel ihren Tod erwartet.
An der Seite Marias hinter dem Pult steht Johannes in
weißem Mantel, mit der linken Hand den Arm der Maria
berührend, ein schöner, edler Kopf ganz im Geiste Zeitbloms;
rechts und links gruppieren sich teils sitzend, teils stehend,
in Andacht versunken, teilweise lesend, die übrigen Apostel.
Rechts ist die Lagerstatt der Maria neben einem geöffneten
Fenster, links sieht man ein Wandschränkchen mit allerlei
Gerät und nach außen ein schönes gotisches Bogenfenster
mit Aussicht auf eine felsige Landschaft. Auf den inneren
Seiten der Flügel sind je drei Heilige gemalt und zwar
rechts die Heiligen Papst Gregor, Jvhs. Ev. und Augustinus,
links St. Florian, Johs. der Täufer und St. Sebastian.
Unter dem rechten Flügel liest man folgende Inschrift: „und .
von Hans . Schülcin . B. Zeitblom zn ... mit gemacht ! K . ."
(die zwei weiteren Ziffern der Jahreszahl fehlen); unter dem
linken Flügel steht mit lateinischen Buchstaben: 3. Uloriair,
fsoann ,,?ap. 3. 3ebast". Darunter schimmern deutlich noch
Reste einer älteren Schrift in Minuskelbnchstaben durch; die
Hintergründe der Gemälde haben eine» schönen damascierten
Goldgrund, welcher halbkreisförmig abschließt. Der Altar
loading ...