Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 56
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riimptcr Geselle n. auch sich by »nö in sine» Wcicken ivvl
gehalten, Jo wollen llch ine empfolen lassen sin n. im das
Merck gönnen vor cim andern. Daran bcwisen Ir uns snndcr
Gefallen, in Gnaden zu bedcncken.
Datum Nnffach »f Fritag nach saut ThomanS Tag
Npostoli anno clomini l^XXX.
Miszellen.
Eine Eriinicrniig an die Spencer-Bibliothek. Diese
berühmte, z»m Verkauf ausgeschrieben gewesene Bibliothek ist nn» glück-
licherweise de», Schicksal des Anscinandergcrisscnwerdens entgangen und
als ein Ganzes von Mrs. John Ryland s in Manchester für 200 000
Psd. Sterling (— 4 Millionen Mark) angekaust inid der ncngegründcten
John llihlands Nemoriul Librar)- cinverleibt Ivvrden. Bis zmn Jahre 1790
war diese merkwürdige Büchersammlnng nichts anderes als eine Familien-
bibliothck, die ansangs zu Wormlcigthon in Warwickshire, später im
Spencerhonse zu London nnsbewahrt >t»d von dem ersten Earl Spencer
ansehnlich vergrößert wurde, durch den Ankauf der an alten englischen
Drucken reichen Bibliothek des De. George Head, ölaster ok Ltou. Doch
den eigentlichen Grundstein zur heutiger Xibllotbecu Spencerianu legte
in obcngenniintem Jahre Georg John, der zweite Earl Spencer, durch
den Erwerb der gegen 45 000 Bände umfassenden Bibliothek des Für-
sten Rcwickzkp, seiner Zeit österreichischer Gesandter am englischen
Hofe (welcher im Jahre 1784 einen 1794 wieder aufgelegten Katalog
seiner Sammlung als „Xibliolbeca Oraeca et Latiua" veröffentlichte),
jener bekannten Sammlung griechischer und römischer Klassikeransgaben.
Sciit Hauptaugenmerk richtete Spencer, besonders nachdem er 1807 seiner
öffentlichen Thätigkeit entsagt hatte, ans den Erwerb von Wiegen-
d r n ck e n jeder Art; es war kein Wunder, das, bei der hohen soziale»
Stellung, die Earl Spencer cinnahm, und den für damalige Zeiten fabel-
haften Summen, die er für Bücher anlegtc, er bald eine so große An-
zahl von Inkunabeln znsammenbrachte, daß Dibdin schon 1812 mit
dein großartig angelegten, beschreibenden Katalog der Bücherei beginnen
konnte: I) Xibliolbeca Speuceriana, or a Descriptive catalo§ue ok
tbe Xoobs prlutell io tbe Likteentb ceutur)-, a of man): valuable
Iglest Lllilions ln tbe Librar)- os Leor^e Jobn Larl Spencer, 1814
bis 15, 4 Bände. 2) Helles ^.Itborpianae, or an account of tbe
blansion, Xoobs, anll Xictures at liltborp, cvitb a Supplement tc> tlre
Xlliliotbeca Speuceriana, 1822, 2 Bände. 3) OataloAue of tbe
Lassan» Librar)-, nocvin tlre possession of Larl Spencer, u-ltb
Oeneral Inclex tc> tlre above evorbs. 1823. Dibdin, der große
Bibliograph, war es namentlich, dessen Urteil »nd Rat der Gründer
der Bibliothek bei Neuanschaffnngen gerne in Anspruch nahm und der
die Ucbcrsiedclnng der Büchcrsammlnng vom Spcncerhanse in London
und ihre Ausstellung in Althorp überwachte; hiezu war er aber auch
geeignet, wie nicht leicht ein anderer — hatte er doch fast alle Bücher-
sammlnngcn des Kontinents besucht. Den Glanzpunkt der Althorpschc»
Bibliothek bildete das von den übrigen Büchcrränmcn, als der Lon§
Library, dem Xapbael Xoom, 016 Xreabfast Xoom, Domcnicbino
Xoom, wnte Xilliarll Xoom, Xilliarll Xoom, tbe Oallery ganz ge-
trennte, feuersichere 016 Xoob room, das Prnnkzimmer der ganzen
Bücherei, in dem die Cimelien nnter den reichen Schätzen anfbewahrt
ivaren, jene wenigen (4361) nicht zum geringsten Teile ans Deutschland
stammenden Bände, die den Ursprung und die Entwicklung der Bnch-
drnckerknnst veranschaulichen und die zum großen Teile Unika, haupt-
sächlich den Weltruf der Spencer-Bibliothek begründet haben. Hier hatte
vor allen das unschätzbare „Laus virxinis" genannte Manuskript seine
Ausstellung gesunden, welches den ältesten datierten Holzschnitt des
hl. Christophorns vom Jahre 1423 (s. Beck in diesem Blatte X, 1893,
Nr. 15, Seite 59/60, lieber die ältesten Holzschnitte Schwabens) uns be-
wahrt hat. Hier war ferner die Xiblia pauperum, der Lnnllbrist n. a.
Holztafeldrncke zu sehen, ferner die mit Metallbnchstabcn gedruckten
Ablaßbriefe Nikolaus I., von denen keine weiteren Exemplare existieren.
Hier ivaren nntergebracht alle die ersten Drucke eines Gntenberg, Fuji,
Schösser, Pfister von Bamberg, Mcntelin von Straßbnrg u. s. w. eines
Sweynhepm »nd Pnnnartz, die die schwarze Kunst in Italien entführten,
eines Gering, Crantz und Friburgcr rc. Besonders aber entzückte das Auge
des Beschauers eine mehrere hundert Bände starke Miniatnrbibliothek.
Psalter, Meß- und Andachtsbücher wechselten mit griechischen, lateinischen,
französischen und italienischen Klassikern. Alles, was durch sein Format
sich eignete, Halle ein Recht, in diese Kollektion von „kleinsten" Büchern
eingereiht zu werden. Biele dieser Diamantdrucke ivaren dazu ans Perga-
ment gedruckt oder enthielten Miniaturen von besonderer Schönheit. Auch
fehlte eS in dieser Sammlung nicht an herrlich illuminierten Manuskripte»,

und nicht am wenigsten interessant war cs, die Miniatnreinbäude zu
betrachten; war doch einer dieser kleinen Einbände mit 60 Edelsteinen
besetzt. So groß auch die Zahl der Schätze war, die in dem 016 Xoob
Xoom anfgespeichcrt ivaren, ebenso groß, wenn nicht bedeutend größer,
war die Anzahl der littcrarischcn Seltenheiten, die in den schon ge-
nannten Räumen unter lausenden von minderwertigen Büchern ver-
schwanden und nn denen das Auge des Beschauers achtlos und crmüdel
vvrbcisticiftc — man denke nur an die große Anzahl von alten und
seltenen Bibel», von Pcrgamcntdrncke», die raren Ausgaben der Kirchen-
väter nnd die reichhaltige bibliographische Abteilung, eine nicht minder
interessante Auswahl von Elzcvierdrncken. Dem inneren Gehalte ent-
spricht fast durchweg die Außenseite mit den kostbaren Einbänden ans
der Hand der alten Bnchbindcrmeister Grvlier, Maioli, Carncvari,
Pasdelonp, Dcromc, Roger, Pnyne, LevniS, Hering rc. rc. Mit ganz
geringen Ausnahmen kam die ganze Spencersche Bibliothek voll Althorp
ivcg; 41 057 Bände wurden nach Manchester überführt; es dürfte indes
noch einige Jahre anstehen, bis der für die Ausnahme der Bibliothek
daselbst bestimmte Prachtbau sertiggestcllt ist nnd letztere für den allge-
meinen Gebrauch eröffnet werden kann. ° -cbj
Die Grnndstcinlegttng des neue» Klostergebändes in
Schnssenried am 8. Juni 1752. Bei derselben wurde eine zin-
nerne Kapsel mit verschiedenen Relignen nnd einer unter der Regierung
der Kaiserin Maria Theresia geprägten Silbcrmiinze eingesenkt und
darauf eine Zinnplatte gelegt, in welche der damalige Personalstand
mit folgendem Wortlaut cingraviert war:
Ilic Lapis Xrimarius
Xro blonasterio Soretbano ä funllameutis
Xoviter cellilicanllo solenuiter positns est anno
post Lbristum Llatum ölDLLLII „blensis jsuny
Die VIII"
Xeverenllifsimo ac Lmplilsimo 3. X. P Xrmsule
Domino, Domino öl/VOXO.
Xroefatl Lollsgy Abbate Vigilantilsimo.
Xroesentibus Dnis, Dn!s Lauonicis
X. X. D. X. ^cllriano Scbeucb, Xriore: tV. X. D. X. Lllalrico
XIancb, Sub-Xriore. XX: XX: Lvermollo Lorinser, Sen. jubil. joanne
Xapt. Ilaittinger, Xenellicto Vle?1er, Oaiolo Xorrom. Xalli, Oollefrillo
Sartori, Anselm« blocb, blorberto Leibbammer, Xerin^ero IIer?o§,
Nartino Xaurscbafkter, Laureutio Lberle, Xancratio Llotbelfker, Va-
lentin« Lieger, XIasio Xlueber, Antonio blartini, Julla Lballllmo
^immermann, ^.loysio Xeukltle, Xemigio Ilger, Oerlaco blercb, Lil-
berto Scbü?., Lri6erico Lebner, Oonra6o Xa/ser, Xicolao Oloos,
Innoeentio klüller, Sedaltiano ölüller, Dominico Steiner, Xlermanno
Xaicller, Iskriclo Strobel, Vincentio ^Ver6er, OscvaI6o Xanrscbaklier,
jsacobo Oebele, Xernarllo IInn6, X. L. jsgnatio Len?., Diac. XX: XL.
Xnvitijs, jsoanne Xepom. Stampf, Lbristopboro Xraucble, 'Xilrerio
Keller. XX, LL. Oonversis: Xetro iValrl, Xaulo Dier, Lraneisco Li?.,
Oeorgio Xriel.
Orbem clrristianum felicitsr eo tempore rexit
Xeneclictus XIV. Summ. Xont.
Impsrio Xomano prcefuit
Lranciscus I. Imperat.
Dicecesin Lonstantiensem nbtinuit
Lranc. Oonracl. 6e Xotb Lpise.
Opus piä incoeptum Deus O: HI: peröciat, atgue pro gloria
Llominis sui conservet usgue all 6nem munlli. tVmen.
All' dies Ivnrde in dem ersten Stein verwahrt nnd eilige
mauert. Von all' den bei der Grundsteinlegung zugegen gewesenen
Konventnalen, von welchen bloß ein einziger (Brauchte) die Katastrophe
der Säkularisation noch erlebte, dachte wohl keiner, daß dieser großartige
Ban schon nach 50 Jahren verlassen werden nnd als Kloster anfhören
mußte! -cb.

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Die Redaktion.

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