Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Seite: 80
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der» lange her nicht eingehalten wird, sondern wenn auch
schon solch Geld nach Wunsch eiuging, ist mir doch nicht zu
Sinnen, dieses zu Deinen unuöthigen Ausgaben mißznbrancheu.
Wonach Du Dich also zu richten und zu hüten. Waller-
stein den 14. Mai 1666."
Der Kostfrau wurde in ihrem Briefe eingeschärft: „wo
er bei Nacht über die rechte Zeit sich säumen und nicht an-
heim kommen würde, ihn sonder alle Scheu hiuauszusperren."
(Schluß folgt.)

Beiträge zue Geschichte einzelner Pfarreien —
Rothenbach, Laudkapitels Waldsee.
Von vr. I. Vochezer.
In der Beschreibung des Oberamts Waldsce — Er-
weiterter Sonderabdruck ans: „Das Königreich Württemberg"
Band III — S. 17 heißt es bei Röthenbach: „Kirche zum
hl. Jatobus 1784 an Stelle einer alten Kapelle, deren Turm
noch steht, erbaut und zur Pfarrkirche erhoben". Neu fand
ich jüngst als Einband eines alten Verzeichnisses der Leib-
eigenen der Herrschaft Wolfegg eine Pergamentnrknnde, welche
Interessantes über die Erbauung dieser Kapelle enthält. Ich
gebe von derselben folgendes Regest:
1486 Juni 3. (Samstag vor Bonifatiustag) (Wolfeg gs.
Eberhard Vilziug, des Grafen Johannes von Sonnen-
berg Logt zu Wolfegg, au alle Geistlichen und Laien. Die
Maierschaft des Dorfes Röthenbach, in der Herrschaft Wolf-
egg gelegen, hat auf Eingebung deö hl. Geistes und wegen
der großen Entfernung ihrer Pfarrkirche neulich eine Ka-
pelle gebaut nnd dieselbe zu Ehren unserer lieben Frau, St.
Jakobs des Mehrern (mnjoris), St. Leonhards, St. Se-
bastians und St. Barbaren weihen lasse» und dazu einen
Glockenturm mit zwei Glocken gebaut, auch hat sie die Ab-
sicht, darin eine ewige Messe (also eine Kaplanei) zu stiften.
Das kann sie aber ohne die Hilfe und ohne das Almosen
christgläubiger Leute nicht vollbringen. Da nun aber uns
bei Gott dem Allmächtigen nichts mehr zur Seligkeit verhel-
fen mag, als unsere guten Worte und Werke, die wir hier
in Zeit der Gnade in göttlicher Minne vollbracht haben, und
da "das hl. Almosen und Gottesgeben den Menschen seiner
Sünden und Missethatcn fast entladen und ihm einen gewis-
sen Eingang zur Seligkeit bereiten, hierum „weil denn das
hl. Almosen zu diesem Zwecke wohl angelegt ist, so bitte er
alle, sie wollen dem Vorzeiger dieses Schreibens, der sonst
nichts als seinen ziemlichen Taglohu davon habe, ihr hl.
Almosen gütig mitteilen, ihn auch schützen, schirmen, beher-
bergen u. s. w. Dafür werde sie Gott belohnen; auch habe
der Bischof diese Kapelle mit sonderen Gnaden und Ablässen
begabt, und er selbst, der Vogt, werde es um alle, welche
solches thnn, unterthänig, dienstlich und willig verdienen und
beschulden." Der Vogt siegelt. Das Siegel wurde entfernt,
als die Urkunde zum Einband benützt wurde. Wolfegger
Archiv Nr. 10090.
Nile Zeitungen in Oberfchwaben.
Wenn es anders richtig ist, so wäre schon um das
Jahr 1626 bezw. 1630 zu Ravensburg eine Zeitung er-
schienen, wohl die älteste in Oberschwaben (siehe Nr. 1 dieser
Zeitschrift von 1894, Seite 1—4). Die nächstälteste wäre
dann die seit dem Jahre 1714 erscheinende „Riedliuger.Zei-
tung" (siehe Nr. 9, Seite 36, von 1890 dieser Zeitschrift).
Nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts kam aber auch zu
Alldorff genannt Weingarten bei Buchdrucker Jos. Jakob Do-

nat Herckncr, daselbst ein Wochenblatt (14 cm breit,
17 cm hoch) heraus, wohl in zwei Blättern (vier uupag.
Seiten). Seit wann nnd wie lange dieses Blatt herausge-
geben wurde, hat sich im einzelnen bis jetzt noch nicht ermit-
teln lassen. Vor uns liegt eben das erste Blatt folgender
iblummero 41. TVnno 1758. Den 14. Oktober.
Wöchentliche Ordinär!., Neichs-Post-Samstags-Zeitung.
Mit Jhro Römisch. Kayserl. Majestät :c. :c., allergnädigst-
ertheilten Privilegio.
Welche zu haben bey Jos. Jakob Donat Herckner, Buch-
drucker zu Altdorff genannt Weingarten.
Den Text eröffnet die eingcstochcne Figur eines Postreiters
mit einem Artikel vom
„Dvnaustrohm vom 28. Sept."
Hierauf folgt eine Korrespondenz aus Wien vom 5. Okt., wei-
ter eine solche aus dem Kays. König!. Feldlager bei Stolpeu vom
27. September und aus Cassel vom 1. Oktober. Das zweite
Blatt fehlt leider. Ein kompletes Exemplar der ganzen
Zeitung, welche wohl ein Ableger der damals in Süddeutsch-
land ziemlich verbreiteten „Augsburgischen Orcimnri - Post-
Zeitung" war, von Zeit ihres Erscheinens bis zu ihrem Auf-
hören ist nicht bekannt geworden. — Dem citierten Aufsätze wäre
ferner noch nachzutragen, daß auf Georg Fidel Herckner um
das Jahr 1820 Jos. Franz Häfele als Buchdrucker in
Weingarten folgte, welcher namentlich viele Brudcrschaftszettcl
u. dgl. druckte. Leck.
Miszellen.
Hclf' Gott! Im Jahre 1405 herrschte durch gang Deutschland
ein Stickhusten, der besonders auch in Oberschwaben viele Menschen
tötete. Manche mußten so lange und so heftig nießen, bis sie erstickten.
Bon dieser Zeit her soll sich, wie der Chronist des Bencdiktincrklosters
Ochsenhansen, HieronymnS Wirth, berichtet, in Schwaben der fromme
Brauch bei dem Landvolke erhalten haben, daß man den Nießcnden
„Helf Gott!" zürnst. Diese Sitte soll indes; nach den Angaben des
Kardinals Cäsar Barvnins im 8. Bande seiner „aanales ecclesmstici",
Gregors des Thanmatnrgen (Wnndcrthäters) nnd des berühmten Phi-
lologen Karl Sigvnins (geb. 1520 zu Modena, h 1584 in Bologna)
schon im Jahre 1590 in Rom durch Papst Gregor d. Gr. eingeführt
worden sein. Damals wütete nämlich in Nom eine schreckliche Seuche,
bei der Leute, die oft nießen und gähnen mußten, darauf eines plötz-
lichen Todes starben. Daher soll nun die Sitte entstanden sein, daß
man den Nießenden Gesundheit wünscht, daß die Gähnenden aber das
Kreuz machen. Letzterer Brauch ist jedenfalls längst abgekommen. —clc.
Briefkasten.
Ans verschiedene Beschwerden wegen Nichtannahme der Bestellung
des „Diöcesanarchiv" bei der Post, sowie wegen Nichtlieferung von
Nummern zur Nachricht: Das „Diöcesanarchiv" lauft in der württem-
bergischen Zeitnngsliste unter Nr. 83 nnd muß von jeder Poststelle
die Bestellung ans dasselbe angenommen werden. Abonniert kann
werden zurzeit bloß halbjährlich zum Preise von 1 Mk. 90 Pfg. nnd
15 Pfg. Postgebühr; vom 1. Januar 1895 auch ans das ganze Jahr;
vierteljährliche Abonnements gibt es n i ch t. Das halbjährliche Abon-
nement ans das laufende Halbjahr vom Jnli/Dezember 1894 begreift
die Nummern 13—24 in sich, von welchen die bereits erschienenen
Nummern nachgeliefert werden müssen, ev. gefl. zu reklamieren sind.
Erhält ein Abonnent die eine oder andere Nummer durch die Post
nicht, so wolle derselbe sofort bei der Poststelle, bei der er bestellt,
reklamieren; nnd genügt hiezu, wo dies nicht an Ort und Stelle münd-
lich abgemacht werden kann, folgende schriftliche Reklamation:
Reklamation an
tit. Poststelle .
Die Nr. des bei Wohlderselben bestellten „Diözesanarchiv
von Schwaben" ist (sind) mir nicht zugekommen und wird (werden)
hiemit reklamiert.
(Ort) den ten 18.
(Unterschrift.)

Die Red.
Stuttgart, Bnchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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