Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

Page: 93
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von Schwaben.

Organ für Geschichte, AitertnmDnnde, Liunst und tiuirnr der j
Diurese Gottendurg und der angrenzenden Gebiete.
Heransgegcben und redigiert von Amtsrichter a. D. Vrstk in Ravensburg.
Beitrage, Karre spvndenzen re., ebenso Rezensi ans-Exemplare, Tauschzeitschristen rc. wallen stets gefl. direkt an
Amtsrichter a. D. Beck i» Ravensburg gerichtet werden.

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Nr. 24.

Stuttgart, de» 15. Dezember 1894.

12. Jahrgang.

Einladung znm Nlwnnemenk auf das „Diocrfan-Nrchiv von Schwaden".
Obwohl die Abonncmentsbeteilignng auch im zweiten Halbjahr von 1894 sehr gering anSficl und nicht entfernt die
Druckkosten deckle, will es die Unterzeichnete doch noch einmal versuchen, die Zeitschrift, wenn auch mit schweren persönliche»
Opfern, weiterznführe»; und werden hiemit die hochw. Geistlichkeit wie Laien angelegentlich zum zeitigen (halbjährlichen) Abonnement
sowie zur Mitarbeit am „Diöcesau-Archiv" von 1895 eingeladeu, welches doch als einziges auf katholischem Standpunkt stehendes
provinzial- bczw. lokalgeschicbtlichcö Organ in Württemberg eine Existenzberechtigung hat. Von 1895 ab erscheint die Zeitschrift
in handlicherem Format eines Doppelbogens zn 16 Seiten einmal monatlich (je am 1.) znm bisherigen Preise von I M. 90 Pf.
bei der Post (württb. Zeitnngsliste Nr. 83) halbjährlich ohne Postgebühr; direkt von der Expedition und im Buchhandel be-
zogen kostet das Blatt halbjährlich 2 M. 10 Pf. bar nnd außerhalb des deutsch-österreichischen Postvereins 2 M. 20 Pf.
Im November 1894. Redaktion nnd Verlag
des „Diöcesan-Archiv von Schwaben".

Kritik der Wappen der Winnesinger aus
Schwaden.
Ein Beitrag zur Geschichte der chustllchen Mystik in Schwaben und
Alamamiien.
Von F. Monc.
XVIII.
Daß ein Kriegsman» nnd Haudegen, wie Graf Werner
von Homberg einer war, in jener Zeit am Anfänge des
14. Jahrhunderts, und daß ein Mann vom Adel, der mehr
znm Schwertführe», als znm Dichten und Schreiben geboren!
schien, sich im Versemachen und Neimeschmieden versucht hat,
befremdet uns einigermaßen. Aber es ist doch sehr wahr-
scheinlich, daß es im Geiste des Anfanges des 14. Jahrhun-
derts lag, daß auch Kriegsmänner und sogenannte Neislänfcr
der Contemplation der Mystiker sich hinneigten? Man kann
diese nnd ähnliche Fragen wohl nur so'beantworten: der
Graf Werner von Homberg war ein Vorläufer oder Vorbote
der mystischen Richtung, welche die höheren Stände in Deutsch-
land erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts er-
griffen hat. Denn der selige Suso erzählt von einem auf
Abenteuer, Welt- und Franendienst ausziehenden Ritter, mit
welchem er um das Jahr 1325—1330 von Konstanz über
den Bodensee fuhr, und schildert denselben als einen von
inneren, religiösen und contemplativen Leben noch himmel-
weit entfernten Menschen.
Der Geschichtschreiber Matthias von Nenbnrg (bei Hage-
nau?), welcher Stiftshcrr in Lantcrbach im Oberelsaß (1332
bis 1352) war, scheint den Werner von Kwmberg persönlich
gekannt zn haben. Er war etwa zehn Jahre jünger, als der
letztere, von welchem er schreibt 1312: V/ernlleru5 comes
Oe HonOerog relictus in Uombnrckm ^ c;uot et cxuan-
tas increclibiles Imbuerit victorinZ et cxriLm teliciter no-
mine imperntoris, inteZm stistoria non cnperet. Wahr-
scheinlich hat dieser Matthias von Nenbnrg oder der Züricher

Dominikaner Freiherr Eberhard von Sax, gebürtig in Nhein-
thal bei Feldkirch (im Manesse-Codex Nr. 21), die Gedichte
von W. von Homberg nach dessen Tod ans Italien nach
Zürich gebracht.
DaS Urteil des Kaisers Heinrich VII., des Luxemburgers,
von 1313 über den Werner von Homberg bestätigt in jeder
Hinsicht den oben ausgesprochenen Bericht. Am 21. Januar
1313 stellt Heinrich VII. eine Urkunde für den genannten
Grafen ans, worin er den Werner von Homberg sicut vir
nolailis, secl virtute et armorum stremiitnte lrokilior nennt
nnd ihm für seine Dienste als Neichslehen 1000 M. Silber
verspricht. Bis der Kaiser diese bezahlen könne, solle Werner
von Homberg jährlich 100 M. vom Neichszollc in Flüelen
an der St. Gotthardtstraße nnd am Vierwaldstädter See er-
heben. (S. Böhmer reAesla imperii 1246—1313 S. 305).
So wäre wohl die Annahme nicht ganz zn verwerfen, daß
Werner von Homberg das Kriegshandwerk nur betrieben habe,
um als armer Adeliger Geld zn verdiene», und daß sein
deutscher und kaiserlicher Patriotismus eine gut bezahlte Ware
gewesen ist. Seine Vorliebe für Poesie und Gesang behielt
er als Soldat im Felde bei.
Nach seiner persönlichen Stellung zn Heinrich VII. schei-
nen die zwei Adler oder Falken in seinem Wappen wohl von
königlichen Lehen diesseits nnd jenseits der Alpen herznstam-
men. Indessen giebt es mehrere Wappen, in welchen das
Wappentier ^ gestellt ist, wie bei den Namschwag, Kloster Ein-
siedeln, Hohenlohe. Nach dem Tode Heinrich VII. trat Hom-
berg, wie es scheint, in Dienste von Pisa und Genua, wovon
noch unten die Rede ist.
Hier haben wir eö zunächst mit seinem und seiner Geg-
ner Wappen zn thnn. Da das Frickthal nicht allznferne von
Zürich liegt und der Dichter ein Zeitgenosse der beiden Ma-
nesse war, so darf man annehmen, daß sein Wappen in dem
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