Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 12.1894

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litteratur des 16. und 17. Jcchrhundkrls" l Berlin 1854) unter
Nrv. 1252 die zweite ebendas., i. I. 1684 mit Titclkupfer
und 46 Kupfer» vom gleichen Stecher, sowie mit Mnsiknoten
erschicueue Ausgabe verzeichnen. Weiter: Or. tli. Iiiliocen7.)II O.
3. L. (ün Kloster zu Ochscnhauseu), Her »6 emtru uppurentiu,
erruutiu, inerinntin in coelo uereo. pluueturio, sidereo; 8.
cursus pliilo80pliicu3 etc. 1687; „Ga iß er, Malhäns, Jo-
hannitischcS Bluineu - Büschelein enthält die große Tugenden,
herrliche Verdiensten und himml. Hoheiten des hl. Apostel und
Evangelisten Johannis. Altdorf. gen. Weingarten, 1690(12°)."
Im I. 1700 ließ Abt Manrus Höß von St. Peter ans dem
Schwarzwald das otücium der !m Gotteshanse besonders be-
gangenen Feste in Weingarten drucken. Noch älter soll das
„alte Heilig-Blut - Büchlein" und solches i. I. 1669 zu W.
gedruckt worden sein. Im vorigen und schon im vorvorigen
Jahrhundert befand sich daselbst lange Zeit eine nicht unbe-
deutende, mit Verlag und Buchhandlung verbundene Druck-
anstalt von Johann Bened. Herckner; ein Herckner — un-
zweifelhaft ein Verwandler des eben genannten — kommt um
d. I. 1740 zu Ravensburg als Drucker vor. In dieser Offizin
erschienen vielfach die Werke, Schriften und Kataloge der
Klostergeisllichen, und beschäftigte sich dieselbe namentlich auch
mit Verfertigung verschiedener geistlicher Bilder und Zettel,
welche ans den Cult des hl. Blutes und die Wallfahrt zu
demselben Bezug haben (der sog. „hl. Mülle"). Später wurde
in derselben auch das Anzeigeblatt der kaiserlichen Landvogtei
gedruckt. Eines der ältesten Erzeugnisse dieser Druckerei ist
die i. I. 1724 unter nachangegebenem Titel erschienene Fest-
schrift zur Einweihung der herrlichen Stiftskirche daselbst:
„Auszug aus Venen lAorens nc IVuctiücnns, d. i. der anß-
seitheriger in schönster Blüthe in reiffiste Früchten herrlich
anßschlagende Weingarten welche bey Einweihung und
achttägiger Solcnnität dessen neu erbauten kostbar- und an-
sehnlichsten Lnsilicne eingewimmelt und von daselbstigem löb-
lichem Convent zum öffentlichen Zeichen einer ckevok-schuldigsten
Dankbarkeit zu verkosten gehorsamst osferirt worden den 20.
Jnnh von P. Höcht, Prior und Conventnal. Getruckt zu
Altdorff, gcnt. Weingarten bey Joh. Bened. Herckner" (193
S. 4"). I. I. 1733 erschien daselbst ans 8 Blättern mit
einem Kupfer: „Kurze Verfassung der Bruderschaft unter dem
Titel des Märtyrers Joh v. Nepomuk, welche Pabst Clemens
XII. für das Reichsstift Buchau verliehen." Folgte i. I.
1735: „Wnndcrwürkender, auf dem hl. Kalvarienberg ent-
sprungener Gnadenbrunne», d. i. gründlicher Bericht und aus-
führliche Beschreibung deß Hochheiligen Herz- und Seitenblickes
Christi Jesu, welches von DonZino dem Soldaten erstlich nach
Mantua gebracht ic." (2 Teile; II. Tl. 382 S.) I. I. 1778
kam die „Fortsetzung des Wnnderwirkenden" ec. mit Anhang
(118 S.) heraus. Um diese Zeit ist ein Joseph Jakob Donat
Herckner der Drucker, welcher n. a. i. I. 1767 die »statuta
ruralis veuerabilis capütuli UavensburAeusis etc. recoZuita
eclita approbata et coutärmata« (klein okt. 112 S.) her-
ansgab. Außerdem hat die Hercknersche Offizin eine Reihe
von jetzt znm Teil sehr selten gewordenen „Guten - Bethen"-
Büchcrn geliefert, so 1. „Kostbarer Schatz des Herzoglhnms
Schwaben und großes Kleinod des ganze» Deutschlands von
U. Xmatus a matre Oei", 1725; 2. „Die gute und von
Gott gesegnete Braut Jesu Christi", 1766; 3. „Seraphische
Liebesflammen zu Ehren der sel. Elisabeth einer seraphischen
Ordenstochter ans dem der Straßburger Provinz O. Niu. 5.
Urauc. cinverleibten Jnngfrauenklvster zu Nenthe in Schwa-
ben", 1769 (nach anderer Angabe soll diese Schrift schon i. I.

1767 erschienen sein), mit Frontisp. von ?. Angelus Winkler.
Dazwischen hinein erschienen Urgichtcn, Verbrcchensskizzen ic.;
die unseres Wissens letzte kam unter dem Titel: „Verbrechens-
skizze des von W. Rund in der Nacht vom 28.Z29. Dezember
1800 zu Altdorf verübten zweifachen Raubmordes ans seinem
Criminalgeständnisse gezogen" i. I. 1801 bei Georg Fidel
Herkner heraus. Größere Werke scheinen zn Altdorf-Wein-
gartcn nicht gedruckt worden zn sein; im ganzen wurden gegen
50 kleinere Schriften, als Wallfahrtsbüchlei», Uositioues,
Dlrcses w. gezahlt, welche im 17. Jahrhundert daselbst ge-
druckt wurden. — Kurze Zeit, nachdem Altdorf-Weingarten
württembergisch geworden, i. I. 1809, war während des zwei
monatlichen Aufenthaltes des Königs Friederich daselbst -
über die Zeit des die Grenzen des neuen Königreiches be-
drohenden Vorarlberger Volksanfstandes — die württembergische
Hofbnchdrnckerei in dem Gasthaus zur Krone zn Altdorf unter-
gebracht. Seither befindet sich in W. mit Ausnahme etwa einer
in den 1880er Jahren vorübergehend aufgestcllten Handpresse,
in welcher der wöchentlich 2—3 mal erschienene „Schnssen-
thalbote", nachmals „oberschwab. Volköblatt" einige Zeit ge-
druckt wurde, keine Bnchdrnckerei mehr in Weingarten. — In
der sonstigen Umgegend von Ravensburg ist aus älteren Zeilen
keine Druckstätte bekannt; insbesondere muß dies von dem
ehemaligen Prämonstratenserrcichsstifte Weisscnau verneint
werden.
LitterarischLs.
Württe m bergische Kirchenge s ch i ch t e. HerauSge-
gebe» vom Calwer Verlagsvcrein. Calw und Stutt-
gart, Verlag der Vereinsbnchhandlung. 1893. M. 12.
Die Hanplverfasser derselben sind zwei verdiente schwäbische Histo-
riker, Professor Hartmami und Pfarrer Bvssert, den Ansgang deS
Nckttelalters behandelte Pfarrer Keidel in Stnbershelm und das
19. Jahrhundert bearbeitete Stadtpfarrer Kolb in Stuttgart. Das
Werk umfasst das ganze jetzige Königreich, wobei das Hauptinteresse
der Geschichte der evangelischen Kirche znfällt, während in einer jeweiligen
„Umschau" auch die katholischen Bevölkernngsteile berücksichtigt werden.
Das Buch ist nicht nur für Fachmänner, sondern für Gebildete über-
haupt im allgemeinen in verständlichem und fließendem Stile geschrieben.
DaS bereits im tl. Jahrgang erscheinende Diözesnn-Archiv von
Schwaben sammelt ans den Archiven, Registraturen tc. Bausteine
zn keinem anderen geringeren Zwecke, als um daraus eine Diözesan-
Geschichte (eine Susvia Sacra und Saacta) in ähnlicher Weise zn
schaffen — gewiß ein hochverdienstlicheS Unternehmen!

Miszellrn.
Kölner Kun st an kl i v n e n. In der Zeit vom' 14.—20. De-
zember v. I. fand zn Köln die Versteigerung der Kunstsachen, Anti-
quitäten und Waffen ans dem Nachlasse der Maler Louis v. Lilien-
thal in Elberfeld, Bvnrel in Köln sowie des Dr. Charge daselbst
— im ganzen von 790 Nummern durch daS bekannte Knnstanktivns-
institut voll I. M. Heberte (H. Lempertz' Söhne) daselbst statt.
Desgleichen am 21.—22. Dezember v. I. die ans modernen und älte-
ren Stücken aller Schulen, im Ganzen ans 449 Nummern bestehenden
Gemäldesammlungen der genannten Maler, lieber beide Abteilungen
ist sowohl ein einfacher, (gratis) als ein illustrierter Katalog (zn 3 M.)
erschienen. Die Katalogwerte dieser Firma bilden nachgerade an und
für sich schon eine ganze Bibliothek. cb.
Ein prophetisches Wort. Als der siegreiche Einzug der
Franzosen in Moskau im Jahre 1812 durch Glockengelttnte in Stutt-
gart gefeiert wurde, sprach der damalige badische Gesandte am Stutt-
garter Hofe, Freiherr Karl Wilhelm Marschall von Biberstei», die
prophetischen Worte: „Das ist Napoleons Grabgelänte." cll.

Stuttgart, Bnchdrnckerei der Aktiengesellschaii „Dentsches Bolksblatt".
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