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Otto Roourtto. Nach einer Photographie gezeichnet von C. Kolb. (S. 3!3.)

v. Eisenberg ist, will ich sie als Schwiegertochter will-
kommen heißen'. Die Beweise sind da, Mntter, ich
bitte, ich beschwöre Dich, gib uns Deinen Segen."
Er ergriff ihre beiden Hände nnd sah ihr flehend
in die Augen. Frau v. Hammerstein hätte uicht die
kluge, Praktische Frau sein müssen, die sie war, um uicht
einzusehcn, daß, wie die Verhältnisse sich gestaltet hatten,
eine Heirath ihres Sohnes mit Magda v. Haidhausen
ein Glücksfall sei, auf den sie kaum zählen gekonnt,
aber gerade das brachte sie auf. Es erschien ihr un-
erträglich, daß sie oder ihr Sohn, das galt ihr gleich,
aus der Hand des Mädchens, au das sie den schon so
sicher als ihr Eigeuthum betrachteten Reichthum verlor,
diesen Reichthum wieder wie ein Geschenk empfangen
sollte. Der Gedanke empörte sie, das weibliche Wesen,
in welchem die beiden Mädchen vereint waren, die sie
am bittersten gehaßt: Annunziata nnd Magda v. Haid-
hausen, als ihre Schwiegertochter zu begrüßen. Es

brachte sie auf, daß Haidhausen Großmuth gegen sie
üben wollte; sic schämte sich, daß sie sich ihm und ihrem
Sohne kleinlich, unversöhnlich und, was das Schlimmste
war, unvernünftig zeigte, und sie grollte ihnen, daß sie
sie in die Lage versetzten, diese Empfindungen zu zeigen,
ohne doch die Kraft zu haben, ihrer Herr zu werden.
„Du machst Miene, auf Deinem Scheine bestehen
zu wollen," sagte sie und entzog dem Sohn ihre Hände.
„Was gnälst Du mich nm meine Einwilligung? Du
fragst ja nicht viel nach dem, was Deine Mutter er-
laubt oder verbietet, Du wirst auch ohne meine Ein-
willigung die Brant hcimführen."
„Wenn er cs thun wollte, würde Magda ihm nicht
folgen," sagte Haidhausen. „Geschähe cs doch und dul-
dete ich cs ebenfalls, dann hätten Sie ein Recht zu dem
Vorwurfe, daß wir Ihnen Ihren Sohn geraubt."
„So wird aus der Heirath nichts werden können,"
entgegnete Frau v. Hammerstein, den Blick starr ans
einen Punkt an der Wand geheftet, „mit
meiner Einwilligung wird Magda v. Haid-
hausen nicht Deine Frau."
Der Regiernngsrath und Bernhard sahen
sich rathlos an. Sie hatten gehofft, Fran
v. Hammerstein werde sich jetzt als ver-
nünftige Frau der Macht der Thatsachen
beugen, sie hatten den besten Willen gehabt,
den Rückzug für sie so ehrenvoll wie mög-
lich zu machen. Ans einen so hartnäckigen
Widerstand waren sie nicht gefaßt gewesen.
Was war mm zu thun? Unerwartet kam
ihnen Hilfe.
Beide Flügel der Thüre, durch welche
Bernhard eingetrcten war, wurden von
' außen geöffnet, ein Diener rollte einen Lehn-
stuhl herein, in welchen! in Decken gehüllt
Edwin v. Haminerstein lag oder vielmehr
die kärglichen Reste, die von dem einst so
blühenden jungen Manne noch übrig waren.
Obgleich der Regiernngsrath Edwin schon
in Rom krank gesehen hatte, zuckte er doch
beim Anblick dieser Jammergestalt entsetzt
zusammen. Seine Bewegung ward nicht
bemerkt, denn Mntter und Bruder wandten
sich mit einem Ausrufe des Schreckens an
den Kranken:
„Edwin, waS thnst Du?!"
Der Zl ranke winkte dem Diener, sich
zu entfernen, und sagte dann mit einer
Hohlen Stimme, die der Erde nicht mehr
anzngchören schien: „Ich tonnte es nicht
mehr anshaltcn, Du kamst nicht, nm mir
Bescheid zu bringen."
Bernhard schüttelte traurig stumm das
Haupt. Edwin verstand ihn.
„Mutter, Du willst also Deine Ein-
willigung nicht geben?" fragte er langsam.
Es klang wie eine Geisterstimme.
Fran v. Hammerstein schüttelte den
Kopf; sie hatte nicht den Muth, ihre Wei-
gerung in Worte zu kleiden.
„Blutter, was Du dem Lebenden vew

Verloren.
Roman
Von
Ludwig K a b i ch t.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
aidhauscn war bei seinen letzten Worten
Frau v. Hammerstein näher getreten nnd
wollte ihre Hand ergreifen. Sic entzog
sie ihm.
„Sie glauben, die reiche Erbin könne
sich kaufen, wonach ihr Herz Begehr trügt?" sagte sie
hart. „Sie täuschen sich, Herr v. Haidhausen,' was
ich noch mein nenne, ist mir nicht feil."
Eine bittere Antwort schwebte auf seinen Lippen,
jedoch er bezwang sich. „Ehe Magda eine Erbin war,
als armes, verlassenes, namenloses Mädchen
"'-m^Ihrem Sohne, nein, von Ihren Söh-
nen gel'^T^Ätd liebte sie Bernhard. Die
Erinnerung an ihn gab ihr die Kraft, die
schwersten Prüfungen zu ertragen. Fran
v. Hammerstein, es gibt Bestimmungen im
Leben, gegen die man sich nicht anflehnen
kann nnd darf, ich bitte Sie, fügen Sie
sich. Ich. bitte Sie nm die Hand Ihres
Sohnes für meine gute, anmuthige Tochter,
können Sie wirklich nicht den einen Schritt
thun, nachdem ich Ihnen so viele entgegen-
gekommen bin?"
„Du hast mir ja gestern schon Dein
Wort gegeben, Mütterchen, zögere nun doch
nicht, es einzulösen," ließ sich eine frische
Stimme in schmeichelndem Tone von der
Thüre her vernehmen.
Der Regiernngsrath hatte Bernhard
Abends zuvor durch ein paar Zeilen be-
nachrichtigt, daß er in der Stadt sei nnd
ihn zu sprechen wünsche. In Folge dessen
hatte ihn der junge Mann am Morgen aus-
gesucht und mit Freude von der überraschen-
den glücklichen Wendung gehört, die seine
Angelegenheit genommen. Er war mit
Haidhausen zu seiner Mutter gefahren, so-
bald Letzterer die schickliche Stunde für sei-
nen Besuch bei ihr gekommen glaubte. Auf
den Wunsch des Regierungsrathes hatte er
diesen allein zu Frau v. Hammerstein gehen
lassen und sich inzwischen zu Edwin begeben,
um denselben von der Sachlage zu unter-
richten. Länger hatte er es aber nicht aus-
gehalten. Von seiner eigenen Ungeduld nnd
der des Kranken getrieben, war er nach dem
Zimmer geschlichen, in welchem die Unter-
redung stättfand; er hatte an der Thüre
gelauscht, sie leise anfgeklinkt nnd endlich
nicht mehr zu schweigen vermocht. Näher
tretend fuhr er fort:
„Du hast mir gesagt: Menn Du mir
die Beweise bringst, daß Magda v. Haid-
hausen wirklich die Enkelin des Barons
 
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