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Na-

Bild

er
dcs

Prlgcpvr Ne. JohaiinrS v. Oppolzer.
Nach einer Photographie gezeichnet von C. Kolb. (S. 4KZ.)

neu in sorgloser Heiterkeit, scheint es in düsterer Schwer-
mnth vollendet."
„Diese Aeußernng beweist Enren scharfen Blick, Herr
Hofmaler. Es ist so, wie Ihr sagt. Als der Meister
znerst den Pinsel in die Hand nahm, war sein Herz
voller Seligkeit, und als er die letzten Farbentöne auf-
setzte, voller Verzweiflung. Aber nun geling davon,
.klommt mit mir in meine Gemacher. Wir wollen dort
die Aligelegenheit ordnen, wegen deren Ihr Euch zu
mir bemüht habt."

kalt wird cs keinem Beschauer lassen, dessen Auge eine
Zeit lang darauf geruht."
„Nicht wahr t Das meine ich auch," stimmte der
Prior bei. „Eben deshalb bedauere ich, es hier in der
Sakristei vergraben zu müssen. Aber der Wunsch des
Stifters muß mir heilig sein."
„So ist es ein Votivbild?" fragte Beich.
Der Prior nickte, indem er das Gemälde wieder
gegen den Altar lehnte. Daun fragte er mit einem
schnellen forschenden Seitenblick auf den Schlachten-
maler: „Habt Ihr nun den Meister des Bildes er-
kannt?"
Beich schüttelte bedächtig den Kopf. „Wohl finde
ich hie und da einen bekannten Zug, aber mit Be-
stimmtheit zu sagen, der und der hat cs gemalt, und
nur der kann es gemalt haben, vermag ich nicht. Das
ist nicht aus einer Stimmung gemacht. Begon-

Degen und Palette.
Historischer Roman ans Bayerns Vergangenheit.
Von
Kgvert ßarlsse».
(Forlsehnng.) «Nachdruck verboten.)
er Prior des Theatincrklosters schmunzelte,
M!i als er Beich's Ueberraschuug bemerkte,
/ schrieb dieselbe dem inneren Werthe
'' Bildes, das er ihm zeigte, zu.
„Ich bitte Euch, Hochwürden,"
Beich, „wer hat das gemalt?"
„Nur unter der Bedingung, den
men deS Meisters nicht zu Verratheu, habe
ich das Bild erhalten," erwiederte der Prior. „Auch
habe ich versprechen müssen, hier in der Sakristei dem-
selben ein Plätzchen anzuweisen, wo es
nicht Jedermann in die Augen fällt. Schade
darum! Meint Ihr nicht auch? Ist cs
nicht ein vortreffliches Bild, Werth, an
einem Platze zu stehen, wo cs alle Angen
ans sich ziehen muß?"
Noch immer konnte Beich keine Worte
finden. Je länger er die Madonna be-
trachtete, desto deutlicher trat ihm die
Aehnlichkeit mit Franziska entgegen. War
dies das Bild, was Xaver in Amigoni's
Atelier gesehen hatte? Beich Prüfte for-
schend, ob das Gemälde die Manier des
Italieners verrieth. Manchen Zug fand
er, welcher an Amigoni erinnerte, aber das
Antlitz der Maria zeigte eine Innigkeit
und Wärme der Empfindung, deren Beich
den Italiener nicht für fähig gehalten.
Fremd auch war Amigoni diese Färbung,
die einen seltsam düsteren Eindruck hervor-
brachte. Es war, als ob eiu Schleier über
das Bild gezogen sei, welcher dem Ge-
mälde einen guten Thcil seiner Wirkung
raubte. Die Ausführung war von ganz
verschiedenem Werthe. In einzelnen Par-
thien, vor Allein in dem Antlitz der
Jungfrau, vortrefflich, ja meisterhaft zu
neunen, zeigte sic in anderen die größte
Flüchtigkeit, zumal in den beiden Kinder-
gestalten, des Jesus und Johannes, welche
ganz konventionell gemacht waren.
„Bei der Gebenedeiten, Ihr laßt mich
lange auf ein Urtheil warten, Herr
Hofmaler," mit diesen Worten schreckte
der Prior Beich aus seiner Betrachtung
auf.
Der Maler drehte au den Enden seines
langen Schnurrbarts, indem er erwiederte:
„Das ist ein interessantes Werk — nicht
eben durchgängig zu loben — aber in
der Hauptsache von guter Wirkung. Wer
es gemalt hat, muß zu vcrschiedeueu
Zeiten und in gar verschiedenen Stim-
mungen daran gearbeitet haben. Aber

„Keine Wahrheit ist mehr in der Welt! Lüge, Lüge
— das ist das Ganze. Wehe dem, der seine wahre
Meinung sagt — den Leuten zu Gefallen zu reden,
darauf kommt's an. Sitze ich gestern im Schauspiel-
haus und vor mir der Affe, der Strobl, der Assessor
von der Hofkammer. Erst neigt er sich
rechts zu seinem Nachbar und fragt, wie
ihm 's Spektakle gefiele. — ,Gnt/ sagt
der. — ,Ja, cs ist excellent,' stimmt
Mosjö Strobl bei. Fünf Minuten später .
wendet er sich mit derselben Frage an
seinen linken Nachbar. Der zuckt die
Achseln, will nichts von dem Stück wissen.
,Ganz meine Meinung/ flüstert ihm der
Assessor zu, ,cs ist ein mechautes Mach-
werk? Ja, ja, der versteht's, der Strobl,
der ist Peterling auf allen Suppen, überall
beliebt. Warum? Weil er den Leuten
nach dem Maul zu reden weiß!"
Der so sprach, mit lebhaftem Mienen-
spiel und heftigen Gestikulationen, war
ein kleines, mageres Männchen in Pfir-
sichfarbenem, mit Silber bordirtem Rock,
dessen faltenreiches Gesicht fast unter der
mächtigen Allongc-Perrücke verschwand,
welche cs überschattete. Ass er jetzt eine
kleine Pause machte, nm Athem zu holen,
warf ein großer, behäbig dreinschauender
Herr, welcher eine goldene Schnupf-
tabaksdose zwischen den Fingern drehte,
ein: „Aber, bester Herr Vetter, was hat
denn in aller Welt der Assessor Strobl
mit der französischen Alliance zu thnn?"
„Ich muß auch gestehen, Monsieur
Strobl ist gar kein uuebcner Alaun, Herr
Fundätions-Güter-Expeditions-Sekretär,"
begann eine ans dem Kanapee thronende
Dame in großgeblümtem Kleide, aber sie
kenn nicht weiter, der Pfirsichfarbenc sprang
wie von der Tarantel gestochen ans und
indem er flehend die Hmide gegen die
Dame ansstreckte, rief er mit römischem
Pathos: „Ich beschwöre Euch, Frau Base,
brecht Euch die Zunge nicht ab mit dem
Titel."
Kopfschüttelnd strich die Matrone über
ihr großgeblümtes Kleid. „Wahrhaftig,
Euer Wesen ist nicht immer leicht zu
verstehen," meinte sie spitz. „.Als ich
 
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