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es

,nn Obdach zu gewähren.

Rosa Papier.
Noch einer Photographie gezeichnet von C. Kolb. (S. 175)

ihre eigene Schuld ist's obenein. Was brauchteu sie
sich uni den schrecklichen Krieg zu kümmern? Da
war der Gilbert, der staud seine drei Ellen in den
Schuhen; bei Gingo, ein schöner Mann und eine ver-
wegene Natur. Dem ward's auf dem Lande zu enge,
da ging er zu Schiff als ciu großer Offizier. Bevor
der Krieg ausbrach, heirathete er eine nördliche Lady,
solch' süßes liebes Herz, und Alle meinten, sie seien
erstaunlich glücklich. Aber der grausame Krieg hat's
auch ihnen angethan, denn als der noch nicht lauge
wüthcte, und der Gilbert war draußen auf dem Wasser,
da hieß cs, seine Lady — Edith war ihr Name -
halte es mit den Nördlichen, und sie mußte iu's Ge-
fängnis;. Was aus ihr geworden, ich weiß es nicht.
Manche wollte» behaupten, sie sei geflüchtet; da mag
sie mit ihreni kleinen Kinde auf der Landstraße gestor-
ben sein. War der Gilbert daheim, kam's vielleicht

anders. Doch auch ihn traf's. Der ist nämlich mit
seinem Schiff zu Grunde gegangen, und das hörte die
Susanna von dem Mr. Slowfield, als der cs der Miß
Sarah erzählte, und die Susanna hat Ohren wie ein
Opossum."
Hier entfernte Dina mit dem Rücken der knöchernen
Hand zwei große Thrünen von ihren schwarzen, run-
zeligen Wangen; sie gewahrte also nicht, Hütte es auch
wohl kaum bemerkt, daß bei Nennung des Namens
Slowfield des Pedlars Antlitz in Gehässigkeit sich ver-
finsterte. Nach kurzer Pause nahm sie indessen, offen-
bar glücklich, ihrer Redseligkeit freien Spielraum geben
zu können, ihre Mittheiluugen wieder auf: „Ja, nufer
Gilbert, wer hätte das gedacht, wenn ich ihn hier auf
meinen Kuieeu hielt; bei Giugo, Herr, ein prächtiger
Junge," sprach sie.begeistert, und etwas scharfer sah
sie wieder auf das geneigte Antlitz des Pedlars, „ein
Prächtiger Junge und ein herziger Manu
— aber Herr, indem ich Sie betrachte,
meine ich, Ihnen schon früher begegnet
ZU seim" -
„Richtig, alte Lady, der Jahre fünf
oder sechs mag's her sein, da kam ich
hier vorüber," antwortete der Pedlar
eintönig, „damals fand ich noch ein
Dutzend Farbige vor. Ich verhandelte
ihnen einige Kleinigkeiten, auch Du
kauftest mir eine Schnur Glasperlen ab
und ein schönes rothcs Tuch "
„Bei Gingo, Herr, das stimmt,"
fiel Dina mit gurgelndem Lachen ein,
„Sie ließen es mir erstaunlich billig.
Einen Kupfercent zahlte ich dafür. Ganz
schenken wollten Sie es nicht, ans daß
ich nicht zu danken brauchte —"
„Ich hatte an dem Tage auf einer
anderen Stelle gute Geschäfte abge-
schlossen," unterbrach der Pedlar ihrczi,
Redefluß, „da konnte ich mir erlauben,
solch' ehrenwerthcr alten Lady den Preis
zu ermäßigen."
Und noch schärfer Prüfte Dina das
von Narben entstellte Antlitz. Zweifelnd
schüttelte sie den Kopf, worauf sie be-
merkte: „Aber auch schon damals kamen
Sie mir bekannt vor; ich erinnere mich
jetzt "
„Es ergeht mir häufig so," versetzte
der Pedlar etwas lebhafter, nm die
gesprächige Alte auf andere Gedanken
zu bringen; „blatternarbige Menschen
laufen nicht zu Dutzenden auf der Straße
umher. Trifft man einen, so betrachtet
man ihn genauer und glaubt, ihn nicht
zum ersten Male zu scheu."
„Sn wird's sein, bei Gingo," er-
klärte Dina nunmehr gänzlich befriedigt,
„ja, so ist's; ich könnte drei, Pier blatter-
narbige Menschen anfzählen, und die
sehen einander ähnlich, wie die Eier in
'nem Korbe aber da wollte ich von

Die Familie Melville.
'^">UlN, N,,K dxr Zxjt tzxK inudluncrikanischcn Bürgerkriegs.
Von
Balduin Möllhanse».
(Foryctzung.) (Nachdruck vcrbotcu.)
ch seh' es, ich seh' es," sprach der Pedlar
auf die Klagen des Negerpaares etwas leb-
hafter, wie unter dem Eindruck peinlicher
Rückerinnerungen, „das Dorf liegt so still,
wie ein Kirchhof. Doch auch das Herren-
cs u, Haus scheint verödet zu sein; ich vcrmnthe,
wu>u nicht erbaut, um nur Spinnen und Fleder-
Icn fiu Ohdach zu gewähren."
„(t'Ächcr nicht, Herr," erklärte die
Zista eifrig, und etwas aufmerksamer
Pcd? - sie daS vernarbte Antlitz des
Uiiitw^' alsbald wieder gleich-
^?u ihm sort, „nein Herr, bei
pndm'?Mht für Fledermäuse, Spinnen
fist und sonstiges Gellster, sondern
kin/k^Femulia, wie man nicht leicht
im) schönere findet. Alt und Jung wie
pm "ain Ei geschält, der Colonel Mel-
Äbest seine Lady und die Kinder,
ktr ) war nicht von Dauer. Ter
NUe nmgebracht. Die alte
^ilie lange vor dem grausamen
Dmm wurde der Colonel irgendwo
die ?)'rhossen; war auch sein Bestes, denn
iln» sagten, von der Plantage habe
>vn) Grashalm mehr gehört. Und
in V "r Plantage ohne Farbige? Ja,
Nid 8"ten alten Zeiten sind zu Ende
wst mögen ihnen nachsiugcn."
c>ez,,"Zber die Kinder, was ist aus ihnen
tistüi frg^e der Pedlar wie bei-
UeriF.F"d arbeitete es aus seinem
sz„,; Z'ten Antlitz, als hätte es ihn un-
pF che.Muhe gekostet, die Worte her-
''Udringen.
^,,"^'a, tzie Kinder," wiederholte die
Nm)s har Voraussicht, ihrer Nei-
Uncb Erzählen endlich einmal wieder
ka,,„.,Ha):zenslnst fröhnen zu können,
djZ. . s>e sich auf den Rasen nieder, „ja,
Nun Kinder, Gott habe sie selig,"
diuFAt achtend, daß der Pedlar bei
«ber' ."Uten die Farbe wechselte, dann
Liuu' in verhaltenem Schmerz, die
sie r'ÜF'ch'u auf einander legte, fuhr
Reu r chil fort: „Auf diesen meinen Ar-
'siind tch sie getragen, und liebe
der -, tvareu's obenein; die hingen au
tzies, chfivarzeu Dina mit erstaunlicher
Rein Vcha salber damals noch in
Döst?' hasten Jahren. Die armen
tt"', jetzt sind sie längst todt, und
 
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