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Die Familie Melville.
a,,z tzxx Zeit Iwrdamerikanischcn Bürgerkriegs.
Von
Balduin Möllhansen.
<T°^u"gb «Nachdruck verboten.)
enn ich mich wirklich zur Heraus-
gabe des Schlüssels zu den Dokumenten
verstände und dadurch die entsprechen-
den Mittel verfügbar würden, wer ist
es, der dann Besitz von der Plantage
ergriffe?" fragte Miß Sarah schneidend.
„Ich verzichte im Namen Gilbert's

erklärte
in "d ' 'st "icht
,1 der Lage, eine
Sch^^st auf seine
nehmen
>u tonnen."
bliebe nur
'ananneoderviel-
iehr Stocton,"
K Miß Sarah
^t'g culf,
^"Ctoeton und
«'"nanne," bestä-
Gregor. Miß-
^"'"d lachte Miß
^arah.
-,Ctocton?" rief
L ihr
E du- beiden
,„^Een, die traurig,
edieZ^.jssen^it
'/chtiamilie bekla-
f "d, auf sie hin-
^n. „Stocton?"
''^erholte sie bei-
. i) gellend, „nein,
I.U'.'inerniehr soll
e>!''st's Name im
herein mildem ehr-
Mrdigen Stamm-
M der Melvilles
«niannt werden!"
Gregor schöpfte
'Pltheui, als hätte
bch z>, einem vor
nnliegendeuschwc-
Werk gerüstet,
^edor er indessen
chgaiin, wendete
- wwfield in wach-
">nuhc sich
"" Miß Sarah,
i ""st haben Sie
- .'Men uneigenuü-
Ugen Rathschlägen

trat in fliegender Hast vor ihre Kommode hin. Mit
derselben Heftigkeit riß sie die oberste Schublade nach
sich. Eme Weile tastete und suchte sie in derselben,
dann hob sie einen unscheinbaren Papierstreifen empor,
und eine Mänade hätte nicht gehässiger dareinschauen
können, als sie, indem sic hohnlachcnd nusrief: „Ja,
ich will mich gegen jede Versuchung schützen, mich
stählen gegen lächerliche sentimentale Anwandlungen
da hier ist der Schlüssel!" lind nut einer Schnellig-
keit, daß inan kaum den Bewegungen ihrer Hände zu
folgen vermochte, zerriß sie das Papier in die kleinsten
Theilchen. „Da - hier habt Ihr den Schlüssel,"
fügte sie giftig hinzu, „nun deutet und übersetzt nach
Belieben!" und davon schleuderte sie die winzigen
! Schnitzel, daß sie Ivie Schneeflocken umher wirbelten.
Mit einem Aus-
druckwildenTrium-
Phes begab sie sich
auf ihren Platz
zurück. Boshafte
Schadenfreude
leuchtete förmlich
aus ihren Augen,
indem sie die Blicke
im Kreise schweifen
ließ. Nur in dem
bleichen Antlitz
Slowfield's ent-
deckte sie verhaltene
Wuth und bittere
Enttäuschung. Die
übrigen Anwesen-
den bewahrten da-
gegen ihre bisherige
Ruhe. Marianne
allein verrieth in
höherem Grade
Trauer.
Das Plötzlich ein-
getretene Schweigen
und die Theilnahm-
losigkeit Derer, auf
welche ihre rasche
Handlungberechnet
war, befremdeten
sie sichtlich. Doch
in dem Wahn, daß
Schrecken und Er-
staunen Allen die
Sprache geraubt
habe, fuhr ßc nach
einer kurzen Frist
mit derselben Lei-
denschaftlichkeit
fort: „Meine Auf-
gabe ist erfüllt.
Dich aber, Gregor,
fordere ich auf,
nunmehr wahr zu
machen, was Du
bisher prahlerisch

Gehör gegeben," sprach er dringlich, „so lassen Sie es
auch heute geschehen. Geben Sie die Lösung der Rüthsel
frei, und ich bezweifle keinen Augenblick, daß Sie
dadurch auch für sich selbst nicht zu untcrschätzKdc
Vortheile herbeiführen."
„Vortheile?" zischte Miß Sarah förmlich in ihrer
Wuth, „um elender Vortheile willen soll ich mich
beugen, meinen bisherigen geheiligten Grundsätzen ent-
sagen, mein ganzes Ich umwandeln? Nein, lieber
will ich die letzte erbärmliche Unterstützung aus dem
Nachlaß meines Bruders auch noch verlieren, als mich
zu einer Handlung verstehen, die im Widerspruch mit
meinem ganzen Denken und Empfinden! Nein, am
wenigsten gebe ich einem Zwange nach, und um gegen
Versuchung geschützt zu sein sic sprang empor und

in Zwiegespräch. Nach einem Gemälde von Minna Stocks. iS.-163)
 
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