Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 22.1887

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Heft >

'lulüi^ch^ vvNclialtcn.

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den von einem
zeuger.^..
uung zu

von Bayerin
von C. Kolb. <S. -'-ll

Prinz Luitpold, Regent
Nach einer Photographie gezeichnet

Die Familie Melville. !
""'UM» ans der Zeit des Iiordamerikanischcil Bürgerkriegs.
Balduin Möllhanscn.
E Zr lFortsctznng.) (Nachdruck verboten.)
urch rin Leben des Ueberflusses, sogar des
l^W» / Reichthums verwöhnt, schien Marianne
jetzt empfindungslos gegelt Beschwerden
nnd Entbehrungen geworden zn sein. Lauge
FW lag sie schlaflos auf ihrem harten Lager
dj iil der einsamen Kammer der Farm. Weit
fort schweiften ihre Gedanken, hin zu
„ , ihren Kindern, die fortan
seit, ^n^or allein angewiesen
^ikleli. Thränen entrannen ihren
iill^"' sie die theuren Kleinerr
ji i"^gegeulvärtigte. Dann aber durch-
dia?' wieder gehässige Befrie-
Sie schwelgte gewissermaßen
Echilierz um ein entschwundenes
,. Fnhss Glück. Je tiefer sic den
Nützlichen Verlust empfand, mn so
. fhender lvilrde ihr Haß gegen Die-
. stleu, tvelchen sie einen llntcr-
F.ch'gskrieg herausbeschworen wähnte.
ihr ^F^stuigen g^tzochtc, der bisher
Z L "'s gewesen, ob auch nur eine
im- Fll'mnm, welche hin und wieder
u-.,,^^'skissen netzten, ihm galt — wer
„ zu errathen vermocht!
>, >vie sie, sehnte auch Stocton
tztbljch den Schlaf und damit einige
lullen des Vergessens herbei. Weit
Wilm' schwer zugänglicher Stätte in-
Nen einer tvaldigen Snmpsniederung
t sf/u- im Zelt seines Freundes Opvth-
- Hvhv, den Sattel als Unterlage
lU-de^^Pf- Die Wnnde, welche der
r '"okese mit kundiger Hand verbunden
- le, verursachte ihm kaum noch Un-
.. bhemlichteiH aber fortgesetzt mahnte
sti lhli an den Verrath, der gegen ihn
- Want gctvesvn nnd dessen Folgen er
mit genauer Roth entrann.
W " >tzu her herrschte tiefe Stille,
im braune Gefährten hatten sich
.-. Kreise um die Feuerstelle hinge-
sstt. Regungslos lagen sie nnter ihren
Vmgeu Decken. Die Holzreste waren
l, ^rgebrauut. Verstohlen glimmte cs
Luk? bald dort, je nachdem ein
Fuwg an dem lose schließenden Thür-
FiMig.vorbei seinen Weg herein fand,
seltsalue Spiel der glühenden llvhlen
, sWl'vte ihn an brechende Angen, die
ei, ^windender Lebenskraft sich noch
'Mal öffnen, um einen letzten erster-

benden Blick.um sich zu werfen. Wie dehnte die
Zukunft sich trostlos vor ihm aus! Welchen Reiz
konnte das Leben jetzt noch für ihn haben, nachdem
ihm Alles genommen, woran sein Herz sich bisher er-
wärmte, nachdem zwischen ihm und den Scinigcn eine
Kluft eröffnet worden, die durch nichts mehr über-
brückt werden konnte? Was wurde aus seinen Kindern,
die man gewaltsam getrennt von ihm hielt? Was
war für sie von dem Einfluß der Menschen zu erwar-
ten, die keinen Anstand nahmen, das ihn mit seiner
Familie einigende Band durch Mördcrhand zerschnei-
den zn laßen?
Wie bei solchen Betrachtungen seine Wunde brannte,
das Bild der Gattin bis zur Unkenntlichkeit entstellt
vor seine Seele trat!

Fünftes Kapitel.
Hin Kranlienkager.
Wiederum suche ich zwischen den alten Skizzen, zer-
fetzten Briefen und Zeitungsausschnitten nach einem
Anhaltcpnnkt. Was einst als alltägliche Begebenheit
erschien: durch uachträglich eingelanfenc Knude hat es
an Werth gewonnen. Bor dein geistigen Auge gleichen
sich aus Zeiträume und Entfernungen, cs belebt sich
die Erinnerung. Was ich suche, ich weiß es — ja —
hier ist das Blatt, ein neues Glied in der Kette den
Schilderungen romantischer Ereignisse.
Kanin noch sind auf dem vergilbten Papier mit
von einem an Entbehrungen reichen Lagerlebcst
allen Merkmalen die Linien einer flüchtigen Zeich-
crkennen. Und dennoch, wie vertraulich be-
rühren sie das Ange. Wehmüthig ver-
folge ich sic mit den Blicken, und es
verkörpern sich Gestalten, die seitdem
längst der Verwesung anheim gefallen
sind. Ich höre ihre scherzenden Stim-
men, ihr sorgloses Lachen vor dein
dürftig schwälenden Feuer, zu welchem-
die Büffel das voll der Sonne gedorrte!
torfähnliche Material lieferten. Ich
höre das Kläffen und Jauchzen der
räuberischen Prairiewölfe, die hungrig
das kleine Feldlager umkreisen. Ich!
höre das dumpfe Brüllen sich gegen-!
seitig zum Kampfe herausfordernder!
mächtiger Stiere, den schrillen Rnf des
Regenpfeifers, der in Wolkenhöhe einsam
seinen unbegrenzten Weg verfolgt. Nach,
oben richten sich die Blicke: am Wolken-!
losen Spätsommerhimmel sehe ich die
funkelnden Sterne, über welche die me-
lancholisch darcinschauende Mondsichel
gewissermaßen die Herrschaft führt. Ich
beobachte den bleichen Schein, der lang-
sam von Norden nach Osten herum-
schleicht und den Stand der Sonne an-
deutet.
Das Dunkel weicht. Die scharf be-
grenzten Formen ans dein Papier beleben
sich, kleiden sich in die Farben der Wirt-
lichkeit. Ringsum endlose Ebene mit
kurzem, bereits herbstlich fahlem Rasen.
Hart neben mir das breite seichte Bett
des Nordarmes des Nebraska mit seinen
Eaudslächen und Wasserriunen. Im
Westen bauen sich die barocken Fels-
massen des EvurthanscS, des Schorn-
steins und hinter diesen die Plateaur
der Scott-Blufss auf. Duftig, träume-
risch, der Fata Morgaua ähnlich, erheben
sich diese seltsamen, im Laufe der Jahr-
tausende durch atmosphärische Einflüsse
gemodelten Naturbauwerke. Sonst Alles
ringsum Ebene, unabsehbare Ebene,
charakteristisch belebt durch die Heer-
säulen südlich wandernder Bisons, die
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