Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext



1887

Kn» Tropfe» »lehr! Nack einem Gemälde van H. Karow iS. SSL)

^^>-^ENLZl/Vüvri.
ging er wieder zu dem ersten Theil ihres Gespräches
über.
„Es läßt sich nicht bestreiten," hob er theilnahm-
voll an, „Ihr Gedächtnis; hat wesentlich gelitten, wenn
auch nicht in so hohem Grade, daß deshalb die letzte
Hoffnung aufgegeben werden müßte. Verhüngnißvoller
erscheint mir indessen, daß Sie auf geringfügige Reben-
umstände unvcrhältnißmäßig hohen Werth legen, das
Wichtigste dagegen sorglos übergehen. Was zu Ihrer
Heilung beitragen kann, muß daher in's Werk gesetzt
werden, bevor cs zn spät ist. Dahin gehört in erster
Reihe, schmerzlich, wie es Ihnen sein mag, daß Sie einer
Umgebung entrissen werden, welche in ihrer Eintönigkeit
und mit den Anklängen an traurige
Ereignisse nur zu sehr geeignet erscheint,
dumpfem Brüten über unwiederbringlich
Verlorenes Vorschub zu leisten. Ich be-
trachte das als das einzige Mittel, we-
nigstens eine Besserung anzubahnen —"
„Ja, fort von hier," unterbrach Mel-
ville den Doktor in Todesangst, „fort
von einer Stätte, auf der ich so lange
namenlos litt, fort, bevor das Acrgste
auf mich hcrcingebrochen ist - aber heim-
lich, Doktor, ganz heimlich, so daß Nie-
mand die wahre Ursache meiner Ent-
fernung ahnt" — und seine Stimme sank
zu schwer verständlichem Flüstern herab -
„Sie sind erfinderisch, Dvk'tor; wir können
vorgeben, ich habe eine Badereise unter-
nommen, gleichviel, wohin. Nur die
Wahrheit dürfen die zu mir Gehörenden
nicht ahnen, vor allen Dingen nicht
Flora, das liebe, zutrauliche Kind."
Bei diesem Vorschläge leuchtete hinter
den zwinkernden Lidern Hawkins' heim-
licher Triumph auf. Indem Melville
aber flehentlich zn ihm emporsah, be-
gegnete er nur dem einzigen Ausdruck
tiefen Mitleids und herzlicher Theilnahme.
„Ihre Bereitwilligkeit begrüße ich als
ein günstiges Symptom," begann er ernst;
„ich entnehme derselben, daß Ihre be-
drohliche Gemüthsstimmung vorzugsweise
auf eine Ueberrcizung der Nerven znrück-
zuführen ist. So kann ich auch nur
billigen, wenn Sie Alles als tiefes Ge-
heimnis; bewahrt haben möchten; ver-
wahre mich aber gegen den Verdacht,
als ob ich ans übel angebrachter Rück-
sicht Ihrem ttrtheil zum Schein Werth
bcizulegen gedächte. Nein, ich denke
weiter. Sie werden zn seiner Feit hier-
her znrückkehren; dann aber ist es uner-
läßlich, daß Sie nur heiteren, argwohn-
freien Blicken begegnen. Nicht dnrch die
leiseste Andeutung, gleichviel ob zufällig
oder beabsichtigt, dürfen Sie an Ihren
jetzigen Instand gemahnt werden. Ver
hängnißvoll, gleichbedeutend nut einein
unheilbaren Rückfall, kann fchou allein

Kurze Zeit verrann in Schweigen, dann erklärte
Melville in sichtbarem Kampfe mit sich selbst: „Seit-
dem ich mich entschloß, keinerlei Ansprüche an ein
Vermögen zu erheben, welches in seinem Flüssigwcrden
Anderen mehr zu Gute käme, als mir, kümmerte ich
mich überhaupt nicht mehr um meine alten Papiere.
Sie mögen längst vernichtet, vermodert und von den
Würmern zerfressen sein."
Die letzten Worte schienen sich mit Widerstreben
seinen Lippen zu entwinden; zugleich senkte er, förm-
lich eingeschüchtert, die Augen vor den durchdringen-
den Blicken Hawkins'. Damit wußte dieser Alles,
was er zu erfahren wünschte, und ohne Säumen

vorb-holteil.

Die Familie Melville.
ans der Zeit des Iiordamcrikanischen Bürgerkriegs.
Vo»
Balduin Möllhausen.
(Fortsetzung.) (Nachdruck ocrkwten.)
ein, Doktor," entgegnete Melville unsäg-
lich bitter, „nein, ich verschmähe Alles.
Um keinen Preis möchte ich durch Ver-
mittelung Anderer "eine Einnahmen er-
höht wissen. Ich lebe hier,
Mi, wie es meinen Neigungen
iw» i entspricht, und das, was ich
wilde» "gencn Mitteln aus den
Ml mu, »egszeiten rettete, genügt bis
TP Lebensende."
Ivar'f^e Junten den Namen Slowfield,"
dieser wie beiläufig ein, „wer ist
O^wfield l Vermuthlich -"
Dofl' oMfield?" unterbrach Melville den
MicumuPPl einer Heftigkeit, die von
field?'"hem Haß Zeugte, „Slow-
tzvren? Neunen muß ich von Ihnen
derPen Namen eines Verräthers,
^elcku-L "ielhaft alles Elend vorbereitete,
P'ach'Z das Haus Melville herein-
iodten m l der Allmächtige meinem
^Mikevnu^Eee verzeihen, daß er diesem
die u;" Schrirken das Eingreifen in
lichte » unserer Familie ermög-
^aiiie vaN sasse es nicht. Schon sein
letzte a? P" könnte mich bewegen, die
deren M vernichten, mittelst
lvürd» .lvillehouse den: Ruin entrissen
ich .Ha, Doktor, wie lange hätte
de» t H Hine Hände mir zufließen-
ihi„ entsagt, wüßte ich nicht, das;
erwies», r dadurch der größte Dienst
würde."
Plfew l.E Zwischen uns ver-
dedaeMk ' beruhigte Hawkins nunmehr
ichiae /aP' „und in Anbetracht Ihrer
iiberwi, > ^^vng bedaure ich tief, seiner
daher lwdacht zu haben. Gehen wir
erlang, Federen Dingen über, und da
iwn.ee .'w 'Nir die Frage, ob Sie noch
Schrik/P.dm» Besitz jener rüthselhaften
ch« P (laben es allerdings schon zu."
Ncnwr ^ielville's Antlitz machte sich eine
bitzg M'M bemerklich. An Stelle der
Der? Seelenangst trat Argwohn,
Pvnllr „ überzeugend, daß er einen
H»ft dm'ührt hatte, über welchen Aus-
stvsnn, erlangen auf Schwierigkeiten
daran? ?,Pde. Er beschränkte sich daher
^iiemn x, "^öille zn beobachten, aus dessen
ZN (nu/ Z" entziffern, was den Lippen
En ihm unthunlich erschien.
 
Annotationen