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1887.

Autorrechte vorbehalten.

der erreichen wollte, auf

lhiül Noschen. Origntalzetchnting von F. Ncis;. (^.583)


' , s der Terrasse zuzubringen,
die sich auf der Seite des Schlößchens befand, wo der
Fels sich steil in die Tiefe senkte.
Dort ließen sich die Drei nieder, die entstickende
Aussicht genießend und von den Erfrischungen kostend,
welche die geschäftige Fran des Kastellans rasch bereitete.
„Herrliches Land," sagte der junge Mann, „dem
die unermüdlich schaffende fruchtbare Natur den Stem-
pel der Ueppigkeit aufprägte! Deine Reize nehmen
Sinne und Beistand gefangen und bethören das Herz,
daß es meint, die Liebe könne nur da gedeihen, wo
solche Zauber ausgcgossen sind."
„Die Blume der Liebe," sagte die Marchesa, „ge-

as i,., ..
würdige Geschichte, die Sie mir da er-
zählt'haben, Baron," sagte Marchesa
Laura nachdenklich, „lind mein Pater
weiß darum? Er
hat mir nie davon
gesprochen. Aber was gedenken
Sie nun zu thun, Herr Baron !
Wollen Sie nicht für Ihre
Nachforschungen nach dem
Grabe Ihres Vaters den Schuh
und Beistand der Behörden in
Anspruch nehmend"
„Nein, Marchesa," , ent-
gegnete der junge Baron
v. Stanffen. „Wo sollte ich
das Vertrauen zu diesen Be-
hörden gewinnen, da ich die
Resultatlosigkeit der ersten der-
artigen Bemühungen vor An-
gen habe? Nein, ich vertraue
der Gerechtigkeit meiner Sache,
meiner eigenen Kraft und einer
günstigen Schickung des Him-
mels. Wenn von diesen Dreien
keines mich verläßt, bin ich
eines Erfolges gewiß."
„Die Entschlossenheit, die
sich auf Ihrem Gesicht aus-
prägt, sagt mir, daß Sie den
Sieg gewinnen werden."
Das Gespräch verstummte,
denn der Weg wurde schmäler
und steiler und nöthigte die
Reiter, hinter einander zu
reiten. So stiegen sie langsam
empor und genossen, zeitweilig
sich nmwendend, die herrliche
Fernsicht, welche der sich zu
ihrer Rechten ansbreitende li-
gurische Apennin in: Kontraste
zu den waldreichen grünen
Thalebenen zu ihrer Linken bot,
bis das Jagdschlößchen, auf
einer nach der einen Seite steil
abfallenden Felsplatte erbaut,
einladend auf die Ankommen-
den herabschaute.
Man beschloß, den kurzen
Aufenthalt, der überhaupt
möglich war, wenn man am
Abend die Villa Bianchi wie-

Roman
von
P. E. v. Areg.
(Fortsetzung., ^.^en.)
ist eine ebenso traurige, als merk-

deiht am herrlichsten bei uns. Oder wüßten Sie ein
Land, wo man zu lieben versteht, wie wir hier zu lie-
ben wissen?"
„Es ist der Charakter des Volkes, das heiße Blut,
das ihm glühend durch die Adern rollt, was auch in
seinem wilden, unwiderstehlichen Liebeswerben sich aus-
spricht. Wie der Wildbach niederrauscht von den Felsen
im jähen Falle, so gewaltig bricht die Liebesflamme
aus seinem Innern, unwiderstehlich, Alles vernichtend,
Alles zerstörend, was ihr in den Weg tritt."
„Wie richtig schildern Sie die Liebe der Italiener!"
mischte sich Signora Lvrenzi ein. „Dies wundert
mich nm so mehr, Herr Baron, als Sie eigentlich nicht
berechtigt sind, über Liebe zn
sprechen, denn das weiß hier
jedes Kind, die Deutschen ver-
stehen es nicht, mit den, Herzen
zn lieben, ihre Liebe ist nur
ein Ausfluß des Verstandes."
„Zu meinem Bedauern bin
ich genöthigt, Ihnen zu wider-
sprechen, Signora," antwortete
der junge Mann. „Ich möchte
gerade im Gegentheil behaup-
ten, daß in unserem von der
Natur weniger reich beglückten
Laude der Kultus der Liebe ein
weit innigerer, tiefer gehender
ist, als in den Gefilden des
Glücks und des Sonnenscheins,
in denen Sie weilen."
„Wie Wollen Sie das uns
beweisen, Herr Baron?" fragte
die Marchesa, indem sie ihn Voll
ansah. „Denn Sie werden doch
wohl nicht verlangen, daß wir
Ihre Behauptung auf Treue
und Glauben für wahr an-
nehmen?"
„Ich werde mich sogar be-
mühen, meine Ansicht als zu-
treffend zu erweisen, wenn Sie
die Güte haben wollen, Mär-
st chesa und Signora, mir zuzu-
hören. Es ist wahr, der
Deutsche liebt schwerfälliger
als der Italiener, wenn er
zu lieben beginnt. Dein ersten
Eindruck der Schönheit stlgi
bei uns nicht, wie hier, so-
gleich die Siedehitze der Liebe.
"Nur ein unendlich süßes Ge-
fühl der Sehnsucht regt dieser
Eindruck in unserem Herzen
auf, nicht sowohl nach dem
gegenseitigen Besitze, sondern
nach der Entscheidung der
Frage, ob das schöne, be-
gehrenSwerthe Bild, dein sich
unsere Sinne znneigen, auch
würdig sei, daß ihm zene große
 
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