Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

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Das alles gilt für eine sparsame Banweise, soweit es sich um Bauten
dauernder Art handelt. Grnndsätzlich verschieden muß unsre Stellung-
nahme sein, sobald Behelfsbauten zur Beseitigung augenblicklicher Not
in Frage kommen. Unü mir scheint, diese beiden Begriffe sind bis jetzt noch
nicht genügend auseinandergehalten worden. Nuch in den Kundgebungen des
neugegründeten „Reichsverbandes für sparsame Bauweise" vermisse ich eine
klare Auseinanderhaltung, was hier wiederum zu ärgerlichen Mißver--
ständnissen und dem üblichen erregten Aneinandervorbeireden in öffentlichen
Auseinandersetzungen geführt hat. Der Fall liegt doch heute einfach so, daß
wir gar nicht mehr in der Lage sind, allen auf uns einstürmenden Wohn--
bedürfnissen in der bisher geübten gründlichen, für lange Dauer berechneten
Bauweise gerecht zu werden. Wir müssen daneben Behelfsbauten
errichten, Notbauten im vollen Sinne des Wortes. Not kennt kein Gebot!
Wo Millionen heimkehrender Krieger mit ihren Familien stürmisch Nnterkunft
heischen, da ist keine Zeit für sorgfältige Bauweise und ausgeklügelte Spar-
samkeit, da müssen wir einfach Raum schaffen, so schnell als es technisch über-
haupt möglich ist, einerlei, aus was für Baustoffen, für wie lange Dauer und
zu welchem Preis. Wenn der Deich gebrochen ist, fragt auch keiner mehr,
was die Verrammelung des Bruchs kostet, unü wie lange sie hält, sondern
man wird in fieberhafter Eile herbeischleppen, was zur Hand ist, wird Bäume
fällen und Häuser einreißen — nur um die größere Gefahr zu bannen.

In solcher Lage befinden wir uns heute. Also Kleinwohnungen bauen um
jeden Preis für die allernächste Zeit der Not. Das ist unsre Losung. Nicht
Häuser, sondern Untcrkünfte! Notquartiere! Leerstehende Baracken, Keller, Dach-
geschosse, Speicher, Fabriken und Herrschaftswohnungen ausbauen, meinethalben
sogar Erdbauten für ländliche. Verhältnisse graben. Ganz einerlei! Nur die
Heimkehrenden und ihre Familien sofort und so lange in erträglichen Verhält-
nissen unterbringen, bis die Sturmflut zurückgegangen ist. Und für diese
Notbauten: heraus mit der Dachpappe und den Lehmwänden, und mit allem,
was die Bauindustrie an Behelfs-Stoffen zu bieten vermag! Kein vernünftiger
Mensch wird da viel nach Schönheit und Dauerhaftigkeit fragen. Nur rasch,
nur rasch! Der Baustoff ist heute der beste und sparsamste, der am raschesten
eine Wohnung herstellen läßt. Diese Notbauten sind nach Möglichkeit den
Privathänden zu entziehen und als H i l f s m a ß na h m e n der
Behörden ins Werk zu setzen, um ihre unerwünschte Umwandlung in
einen Dauerzustand und die damit verbundene Ausnutzung der Not des Volkes
von Anfang an zu verhindern.

Erkennen wir also, daß unsre Aufgabe eine doppelte ist: Einmal Dauer-
bauten zu schaffen in bester und daher sparsamster Ausführung wie bisher
und untcr Beachtung der oben zusammengestellten Gesichtspunkte, sobald und
in so großer Zahl, wie es der Rohstoff- und Arbeitsmarkt nach dem Kriege
erlanbt.

Zweitens aber Notbauten zu errichten, an die keine andere An-
forderung gestellt werden darf, als daß sie rechtzeitig da sind, und daß
sie so langc ein menschenwürdiges Unterkommen bieten, bis die Bevölkerung
in die Dauerbauten abwandern kann.

Vom Abel aber ist jede Verquickung dieser beiden Be°
griffe. Sie führt zu einer Verschlechterung unsrer Bauweise und zugleich
zu einer Verteuerung. Högg

Völkische Hilfe fürs KarpathendeutschLum

s. Iuniheft des „Deutschen Willens" schlägt Friedel vor, durch An-
^ ^siedlung der verschiedenen Völkerstämme österreich-Ungarns in ge°
E^D schlossene Gebiete den nationalen Ausgleich herbeizuführen, dadurch
das Reich in Rnterstaaten von nationaler Einheit zu teilen und die Lin-
mischung des Auslandes abzuwenden. Darnach wäre natürlich unser Sied-
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