Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

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geweiht sein sollen, oder um neue
Kriegsfriedhöfe für sich: in allen Fällen
stellen die eingerichteten Beratungs--
stellen, die anch im Linvernehmen mit
der Heeresleitung bei der Kriegsgräber--
fürsorge im Felde mitwirken, der Hei--
mat ihren Rat und ihre Hilfe zur
Verfügung. Da die angesehensten uns-
rer Künstler wie Hildebrandt, Bestel-
meyer, Theodor Fischer, Bruno Paul,
Tnaillon und viele andere diesen Be--
ratungsstellen angehören, dürfte es sich
ausnahmslos empfehlen, sich in allen
Fragen der Friedhofskunst dorthin zu
wenden. Aber die Anschrift an die in
den einzelnen Bundesstaaten und Pro--
vinzen bestehenden Kriegerfriedhofs--
beratungsstellen gibt Anskunft die
Schriftleitung der „Kriegerehrungen",
Berlin SW. ll, Prinz Albrechtstraße
Nr. 8, an die man sich zunächst wenden
möge. H

Spuk im Denken

eute erscheinen die Geister im Ver-
trauen auf die höhere Bildnng und

das kältere Blut der Erdbewohner
unbefangen und mit Vorliebe am
hellen Mittage, nnd irren sich dann
uird wann doch in ihrem Vertrauen
auf den klaren Blick nnd die ruhige
Aberlegung des jetzt lebenden Men-
schengeschlechts. Wahrlich, die Gespen-
ster, welche die Menschen am hellen
Mittag erschrecken, sind schlimm. Dem
Kettengerassel nnd Türklappen, dem
Rascheln, Rauschen, Seufzen, Lachen,
Stöhnen, Weinen um Mitternacht füh°
len wir uns allmählich gewachsen, so
daß wir sogar angefangen haben, uns
philosophisch lustig darüber zu machen;
allein dem Spuk, der uns am hellen,
lichten Tag, in der belebten Gasse, auf
dem wimmelnden Markt, im summen--
den Gerichtssaal oder der federkritzeln--
den Schreibstube angrinst, die Spitze
zn bieten, sind wir armen, nerven--
schwachen Herrn und tzerrinnen der
Schöpfung weder philosophisch noch nn--
philosophisch noch lange nicht imstande.

Wilhelm Raabe

Unsre Btlder

i tz Beckerts farbige Zeichnung „Salzgasse in Dresden" macht keinerlei
^V „Ansprüche", etwas „Bedeutendes" zu sein. Das Blatt sagt znnächst gar
nichts weiter aus, als daß dem Künstler der alte Winkel hinter der Dresdner
Frauenkirche so gefallen hat, daß er den Eindruck festhielt. Nichts „Modernes",
kein malerisches „Problem". Wenn Beckert dabei überhaupt an sein Publikunr
dachte (was ich bezweifle), so dacht' er höchstens: „ist das nicht nett, was in
solch einer alten Gasse von Farbigkeit steckt?" Freilich ist's nett, und es ist
schade, wie wenige Leute die Augen haben, es zu fehn. Blätter wie dieses
machen aufmerksam und helfen dazu, selber Schönheiten im Unscheinbaren
zu finden, wclche Fähigkeit doch eine Bringerin von Freuden ist, wie wenige.
Wenn wir in Zukunft nur das gelten lassen wollen, was in irgendeiner Weise
künstlerische „Ansprüche" macht, mit andern Worten: was vom Gegenstande
auf'den Verfasser abzieht, so geben wir damit auch sehr wesentliche Mög--
lichkeiten zum Heranbilden der Augen znr Freude an den Dingen glatt anf.

Die zweite Beilage gehört zu dem Aufsatz über Briefmarken.

Die Kopfleiste verkleinert ein wenig eine Aeichnung von Bauriedl für
den Deutschen Spielmann.

Herausgcber: Or. d. e. Ferdinand Avenarius i» Drcsden-Dlascwitz; verantwortlich: dcr
Herausgeber. Mitleitende: Artur Bonus, Or. P. Th. hofsmann und Wolsgang Schnmann —
In österreich-alngarn sür Hcrausgabe u. Schristlcitung verantwortlich: Or. Richard Batka in Wien XIN/s —
Sendungenfür denText ohneAngabe eines Pcrsonennamens an die »Kunstwart-Leitung" in
Dresdcn-Blasewitz — Wanuskripte nur nach vorhcriger Bereinbarung, widrigenfalls
keine Derantwortung Lbernommen werden kann — Derlag von Seorg D. W. Callwey — Druck von
Kastner L Lallwcy, k. Hofbuchdruckerei in München — Seschäftsstclle für Berlin: Gcorg Sicmens, V 57,
Knrfürsteustr. s — Gcschäftsstelle für österrcich-Ungarn: Hofbuchhmidlung Moritz Pcrlcs, Wien I, Scilcrgassc ^
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