Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

Page: 174
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Du Soirne! öich Let ich an, weil öu öein
Licht verteilst, wie öie LNutter öie Liebe!

In jede Ljütte öringst du und verklärst jeöes Antlitz!

In jeöe Blunre öringst öu unö reifst jeöen Ljonig!

Du teilst öich unö rvohnst öoch überall ganz!

Du nrachst öie Sonnenblunren vor öein Pfarrhaus zu Sonnen!

Du läßt öen Golöhahn auf öenr Airchturrne leuchten!

Unö rvenn du voll Geheirrrnis hinter öen Linden stehst,

So nrachst öu Areise auf öie Lröe,
öatz ich blotz bleiben nrag.

Ruhnr öir auf öern Anger! Ruhrrr öir in öen weinbergen!

Sei gesegnet zrvrschen öern Rraut unö öen Alauern!

In öen Augen öer Liöechsen unö in öen Flügeln öer Schwäne!

Gh öu! welche nrachst öie grotzen

unb welche nrachst öie kleinen Linzelheiten.

Du bist's. welch« bringt öie wärnre, öas Licht ünö den Schatten,
welcher sich legt unö sich verlärrgert arn Futz öessen, was leuchtet.
Von allenr, was uns reizt, Hast du gewutzt, öie Iahl zu veröoxxeln,
jeöenr Gegenstanö gebend einen Schatten
oft viel reizenöer als er.

Sonne! Du fetzest Rosen in öen lustigen Raunr,

Flanrnren in öie chuelle, einen Gott in öen Strauch!

Du ninrnrst einen durrklen Raunr unö öu vergötterst ihn!

Vh Sonne! öu, ohne welche die Dinge
nur wären, was sie sinö!

Bom tzeute fürs Morgen

Geschehen, Geschichte, Erkeirntirrs
^n den letzten Iahren konnte man
Ohundertmal und noch heute kann
man es hören: „Ia, wie die Dinge
»eigentlich« waren und geschehen sind,
z. B. bei Kriegsausbruch oder in der
Schlacht von Tannenberg, das werden
wir natürlich erst später erfahren; bis
das alles klargestellt ist, werde ich mich
hüten, ein Urteil zu fällen." Dieses
große Vertrauen auf die künftige For-
schung hat gewiß nicht immer, wenn
auch sehr oft, bloße Bequemlichkeit zum
Hintergrund, die sich einfach „drücken"
will um iunere und äußere Entschei-
dungen. Viele, die so reden, glauben
sicher, sich sehr klug zu verhalten und
fühlen sich den Voreiligen und Schnell-
fertigen hoch überlegen. Aber diese un°
zweifelhafte Äberlegenheit ist nicht auf
dem rechten Wege; jenes Vertrauen
wird und muß tausendmal getäuscht
werden. Sicher ist, daß wir spätcr eine
Menge von Einzelheiten erfahren wer-

den, die man jetzt geheim hält oder
die durch Zufall noch verborgen bleiben.
And auch manche sehr wichtigen grö-
ßeren Zusammenhänge werden deut-
licher als heute erkennbar sein. Aber
eine Reihe der nach allgemeiner Äber-
zeugung allerwichtigsteu Ärsachen des
Geschehens wird ewig im Dunkeln
liegen. Vielleicht, ja wahrscheinlich wird
sogar die Frage nach der sogenannten
„Verantwortlichkeit" für den Ausbruch
des Krieges iu diesem — dem nicht-
politischen — Sinne ungelöst bleiben.

„And wie sollte das zugehen?"

Wer sich in etwas größerem Maß-
stab damit beschäftigt, g-wisse Ereig-
nisse und Vorgänge der Gegenwart
durch Niederschrift oder mit andern
Mitteln festzuhaltcn, wird sich Vernünf-
tigerweise um Auskunft an diejenigen
Menschen und Organisatiouen wenden.
welche Lräger dieser Ereignisse und
unmittelbar an diesen Vorgängen be°
teiligt waren. Er wird wirksame Ein--
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