Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

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geführt haben, sollten sich dafür auch
jeden Schritt, der nicht wirklich not-
wendig ist, dreifach überlegen. Man
möge bedenken, daß es sich hier nm
einen tiefinnerlichen Zng unsers Volks-
charakters handelt, daß man von der
Stimmung verdrossener, von der
Außenwclt abgesperrter Menschen nicht
viel erwartcn -darf, und daß der
Deutsche, wenu er nicht wandert, er-
fahrungsgemäß immer zunächst ins
Wirtshaus geht."

Partei

^rau keinem, der nie Partei ge-
^ nommen

Amd immer im Trüben ist geschwom-
men!

Doch wird dir jener auch nicht from-
men,

Der nie darüber hinaus will kommen.

Keller

Unsre Bilder

^^k^^it Seufferhelds Kunst haben wir die Leser schon gelegentlich seiner
/ » ungemein starken „Grabtragung" beschaftigt, die wir mit besserer Wieder-
^^^"gabe auch in unscr „Heilandleben" aufgcnommen haben. Seufferheld ist
keiner, dem alles leicht und sogenannt „restlos" glückt, jedes seiner Bilder zeugt
von Ringen und Mühen, aber von Ringen um Eigenes. Der vorbeisausende Zug
und die Idhlle unten — bei beiden gibt es „Haken". Der Heizer oben ist viel
zu deutlich zu sehn, als daß er den Eiudrück des vorüberbrausenden Ietzt uicht
störte, und der Zug selber ist mehr ein Zügle, als ein Zug. Unten wicder ist der
Karrenführer verzeichnet. Seufferheld scheint es nicht leicht zu werdeu, eine
große Anschauung in der Phautasie wachzuhalteu, aber er hat doch solche
Anschauungen. Wollen wir gerecht sein, so müssen wir auch fragen, wie oft
denu bei den Modernsten, bei den Expressionisteu „alles herauskommt", wo-
von sie träumcn. Seufferhelds Nadierung intercssiert und vcrspricht anch
etwas als Versuch, allerjüngste Erweiterungen der Darstellnngsart, man
könnte sagen: der Darstell-Keckheit mit ganz realistischen Bildern vonr Sinn
zu verbündeu.

Das Blatt des neuerdings sehr beachteten G. Broel stellen wir dem vou
Franz Hein gegenüber, um Üngeübteu das Vergleichen von Federzeichnung
und Druckschnitt bequem zu machen. Erst wenn man die nicht bloß hiusicht-
lich der Strichfeinheit, sondern dem ganzen Wesen nach verschiedene Lechnik
in den eigenen Fingerspitzeu nachfühlt, erst dann „erlebt" man ja solche einfache,
in ihrer Einfachheit aber echte Graphik. Bei Broel ist also das Schwarz
aufs Weiß gesetzt, bei Hein ist das Weiß aus der Fläche herausgeschnitten.
Iu den „Fingerspitzen" geht es bei beiden ganz verschiedeu zu — auch wenn
wir das nur in der Phantasie uachbilden.

Die Kopfleiste war von I. V. Cissarz für die jetzt vergriffene Eugeu
Diedcrichssche Ausgabe von Avenarius' Iugendgedichten „Wandern und Werden"
gezeichnet.

uns ein torperliches und geistiges Be-
dürfnis, so notwendig wie Atmen und
Lebsn. Beim Wandern entwickeln sich
unsre Ideen, das Wandern dient uns
dazu, um Seele und Körper im Gleich-
gewicht zu halten. Man kann es daher
nur mit dem tiefsten Bedaueru verfol-
gcn, wie im Laufe dcr Kriegsjahre dem
Wandertriebe bei uus immer mehr
Fesseln angelegt werden, auch dem
harmlosestcn und für die Gesundheit
uützlichstcn. Von einer allgemeineu
Neise- und Wandersperre sind wir
eigcntlich noch kaum entfcrnt. Denn
die Lebensmittelverhältnisse, die Be-
schränküng und die Verteuerung der
Züge machen jedes Neisen schwieriger
und immer schwieriger. Gewiß sind die
mcisten dicser Maßnahmen notwendig
im Interesse unserer Heeresrüstung und
dcr Schonung des Eiscnbahnparks.
Aber die Behörden, die für diesen
Sommer neue Linschränküngen ein-

Hcrausgeber: Oi'. k. c. Ferd. Avcnarius in Drcsdcu-BIascwig; vcrautwortlich: der Hcrausgcber —
Dcrlag von Gcorg D. W. Callwey, Druck von Kastncr L Lallwcy, k. Hofbuchdruckcrci in München —
In Östcrreich-Ungarn für Herausgabc und Schristleitung verantwortlich: vr. Richard Vatka in Wien XIII/s
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