Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

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kluger Führer, die bestimmter Massen Vertrauen gewounen haben durch die
Dienste, die sie ihrem geistigen und wirtschaftlichen Leben leisteten und leisten.

Du fürchtest nicht die Masse, sondern du fürchtest eine kleine Schar, die
gearbeitet und sich gemüht und so das Vertrauen der Masse gewonnen hat.
Du willst die Masse nicht Herr werden lassen, damit sie das Geistige nicht
erdrücke? Erstrebst du nicht vielleicht, ohne dir dessen bewußt zu sein, eine
Versicherung, daß du bequem auf der Höhe des Volkslebens bleiben kannst?
Wir aber wollen der Masse auch darum Macht in die Hand geben, damit
auch du den Kampf u m die Masse mitkämpfst.

Wir wollen in Deutschland keine Menschen mehr, die glauben, idealen und
heiligen Zielen könne man nachstreben, indem man sich's hinter dem Ofen
behaglich sein läßt:

Wer mit unserm deutschen Volke zusammenlebt, wird merken, daß keine
Macht stärker bei ihm ist, als gerade die konservative Gesinnung. Aber
die politischen Vertreter der Konservativen haben sich auf Vorrechte und
äußere Machtmittel gestützt und darüber versäumt, die konservative Macht in
der Innerlichkeit der Volksmassen zu pflegen, zu sammeln und politisch
fruchtbar zu machen. Wäre es ein Glück, wenn wir den konservativen ÄNächten
weiterhin eine gesicherte äußere Position sicherten und sie dadurch davon ab--
hielten, um die Liebe der Massen zu kämpfen? Wäre es ein Glück für
all das viele, des Erhaltens Würdige im deutschen Volk?

Das ist das Große am allgemcinen Wahlrecht. Es zwingt alle Mindcr-
heiten, die sich als Vertreter eines Gutes fühlen, zum Kampf um die
Seele der Masse. — Wer wird in diesem Kampfe siegen? Die, die nur
äußcre Güter zu bieten haben, oder die, die innere wollen? — Die Verächter
der Masse sagen: „Natürlich — die Vertreter äußerer Güter!" — Hat aber
schon jemals in der Welt eine Sache gesiegt, die nicht zum mindesten auch
innere Kräfte mit einsetzte? Es gibt nur Interessengruppen, die ohne
Ideale auskommen, und dann auch nur, weil sie Ideale vortäuschen, während
nur der Kampf um innere Güter die Täuschungen enthüllen kann. So
gilt es, mit Krast und Begeisterung zu arbeiten, um die Seelen zu wecken,
das Vertrauen zu gewinnen, dann wird die Liebe zu den inneren Gütern
auch politisch stark. Das freilich ist das Schicksal der Masse, daß sie keine
eigenen Augen, keine eigenen Ohren und keinen eigenen starken Willen hat.
Den haben für die verschiedenen Werte des Lebens und die verschiedenartigen
Zukunftsmöglichkeiten guter und böser Art nur die glücklichen Minderheiten.
Zwinge die Masse, aufzulauschen auf das, was du hörst, gewinne die Masse,
den Weg mitzugehn, den du gehst, begeistre die Masse, zu wollen, was du
willst. Wer im kommenden Deutschland etwas erreichen will, muß diesen Weg
gehen. Welch ein Arbeiten kann da einsetzen dank dem allgemeinen gleichen
Wahlrecht! EmilFuchs

Strömungen und Nichtungen der gegenwärtigenMalerei 2

unsrer Zivilisation flüchten die Expressionisten in die Barbarei.

(Die Futuristen aber wollen das Barbarische unsrer Zivili--
^^^sation selbst. Es sind zumeist Italiener. Das läßt viel begreifen.
Nicht aus Rassengründen,- denn die Rasse der Italiener unterscheidet sich
iticht von Spaniern und Südfranzosen. Hier spricht Erziehung und so°
ziale Lage das gebietende Wort. Man muß in Italien gelebt haben, um
zu verstehen, wie tief in den Flegeljahren staatlichen Lebens der moderne
italienische Staat noch steckt. Wie wir in unsern Flegeljahren Eltern,
Lehrer, Tradition und Gott weiß was alles anzweifeln und mißachten, so
der moderne Italiener alles mit Ausnahme seiner eigenen Person. Mit
diesem Vergleich verbinde ich kein Werturteil,- doch gibt er Aufschluß über

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