Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

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Vom allgemernen, gleichen WahlrechL

Frage, die jetzt sehr vielen kommt: „Darf man die geistig hochstehende
R Minderheit der Masse ausliefern, wie es das allgemeine Wahlrecht mit sich
brächte?"

Nchmen wir an, dies Wahlrecht bedeute in der Tat das Sichgeltendmachen
dcr Masse neben den aus ihr Hervorragenden. Wärc selbst dann die Stimme
nicht das Einzige, was einer, der nur Masse ist, in die Wagschale zu werfen
hätte? Wer aus der Masse hervorragt, hat viele und starke Mittel, um
seinen Linflnß zur Geltung zu bringen für die Zukunftsgestaltung der Gemein-
schaft, in der cr lebt. Wer über wirkliche Bildnng, umfangreiches Wissen, hervor-
ragendes Können verfügt, wer Beamter, Geistlicher, Lehrer, Richter ist, welche
Machtmittel liegen in dcm allem, um Menschen zu beeinflussen, Menschen zu
überzengen, Gedanken und Zukunftspläne zu bilden und andern einleuchteud zu
machen, gestaltend zu verwirklichen, was innerlich als Zukunft geschaut wird!
Machtmittel sind es, die der höher Gebildete in sich trägt. Die Stimme, die
cr bei der Reichstags-, Landtags- oder sonst einer Wahl abgibt, ist nur ein
ganz kleines Ncbenmittel für ihn, dem so viel Größeres zur Verfügung steht.

Dasselbe gilt für den, der durch wirtschaftliche Erfolge aus der Masse empor-
steigt. Lr überblickt Dinge, die der andere nicht sieht. Iede Steigerung dcs
Vermögens, jcdc Vergrößerung seiner Handelsbeziehnngen oder seines Untcr-
nehmens bringt mit sich eine mächtige Steigerung des Einflusses, den er auf
die Gesamtheit ausübt. Was ist daneben seine Wähler-Stimme?

t. Scptemberheft lSt« tXXXI, 23>

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