Deutscher Wille: des Kunstwarts — 31,4.1918

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an grünen TisHen gegenübersitzen (wo
über so viel Leben entschieden werden
kann), — es wird von Iugend aus sich
kennen, wird auch im Leben Kamerad-
schaft halten, wird sich wohl manch-
mal als Kamerad noch streiten, aber
nicht mehr — sich morden."

Bis zur Verwirklichung der hier an-
gedeuteten Ziele ist es ein weiter Weg.
Noch wissen wir ja nicht einmal, in
welchem Maße nach all dem Welt-
vergiften durch Lüge und Verleumdung
die Iugenden der verschiedenen Länder
zum Einanderkennenlernen willig und
fähig wären! Man bedenke auch die
Entwicklung der jetzt üblichen hochge-
sellschaftlichen Diplomatie zu rein-
menschlichen Staatsmännern, die
hier stillschweigcnd schon voraus-
gesetzt wird. Unzweifelhaft ist aber,
daß in kleinen Kreisen der Wunsch
nach solchem Völkerjugendbunde jetzt
schon auch bei unsern Feinden da ist.

Daß freilich damit die Kriege mit
einem Male vermeidbar würden, ist
mehr als fraglich. Viele (in der Iu-
gend selbst!) halten ja den Krieg für
den größten Lrzicher des Menschen-
geschlechtes und möchten ihn nicht mis-
sen, weil sie fürchten, daß ohne ihn die
Menschheit erschlaffe und damit die
Entwicklung, die ohne Kampf, Ent-
sagung und Schmerz nicht möglich sei,
ihren stärksten Impuls verliere. Dcm
ist entgegenzuhalten, daß dies eine völ-

lig unerwiesene Meinung ist. Es läßt
sich sehr wohl denken, daß mit einer
höheren Entwicklung der Völker andere
Erziehungsmittel an die Stelle der bar-
barischen, ungeheure Werte vernichten-
den Kulturmorde treten. Einen ewigen
Frieden brauchen wir nun mit Lessing
gar nicht zu wünschen, sondern Kampf,
aber einen Kampf, der uns zu Herren
des Schicksals und nicht seinen Sklaven
macht. Selbst wenn aber auch mit
einem Ende der Kriege für immer
noch lange nicht zu rechnen sein mag,
dieser Fugendbund köunte seine Gefahr
bedeutend eindämmen und einer fried-
lichen, glücklicheren Iukunft den Weg
bahnen. Möge darum, wie jetzt im
Krieg, hernach zur Verständigung erst
recht überall die Parole lauten: Die
Iugend an die Front!

P. Th. Hoffmann

Deutsche Aufgaben

ibt es Gründe zu einem Glauben
an eine bessere Zukunft, so ist es
umsomehr Pflicht, die Gemüter zu stäh-
len und zu stärken, indem man kräftige
unü edle Grundsätze aufrecht erhält,
die des Sklavensinnes bekämpft und
auf diese Art dem „Geiste des Ieit-
alters, das heißt: dcr Genußliebe, der
Trägheit, der Anheiligkeit oder Gleich-
gültigkeit gegen Meinungen und
Grundsätze entgegenwirkt.

Freiherr vom Stein

Unsre Bilder

/^'chalten wir in ein Heft dieser wildcn Zeit einmak ein paar Bilder von
friedlichem Wesen ein! Adolf Menzel, der Soldaten- und
^^Kriegmaler, hat sich ja auch eiumal bei einem „Kinderalbum" ausgeruht,
und wenu das in seincr schönen Ausgabe bei E. A. Seemann noch vor dem Kriege
erschicnen ist, was tut das, man sieht es gerade heute, auch wieder zum Ausruhn,
sichcrlich besonders gern. Ls ist freilich „zum Ausruhn" auch der „Kunst-
richtung" nach, denn der Experimentator Menzel probt da nicht drin, sondern
hier ist sogar, wehe, schon der Menzel vom „stofflichen Interesse". Ist es nicht
sogar auf den Scherz, auf den Witz hin gemeint, wie das neugeborene Ziegen-
kind mit der Neugier seiner Art das trojanische Miniaturroß auf Freund- oder
Feindschaft hin beäugt? Eine „Entschuldigung" dafür: es ist ja für ein Kinder-
album gedacht! Ein Lrost für Erwachsene: das Tier ist so lustig und so tier-
kenncrisch gesehn, daß wir doch noch mehr davon haben, als der Knabe aus
Bcrlin V, dem seine Eltern das schöne, aber ach, auch teure Kinderalbum auf
dcn Tisch legen können,

Ludwig Richter ist auch nicht mehr „modern" — „bekanntlich" —
unsereiner möchte freilich sagen: er ist bei den Feinfeinen nicht mehr in der
Mode, denn die, welchen er heutzutage noch lieber ist, als sogar der Meschuggist
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